980. Goethe an Schiller

[Weimar,] Den 2. April 1804

Sagen Sie mir doch, wie es mit Ihnen und den Ihrigen steht? Ob Sie heute die Hussiten besuchen? Ob Sie mich heut Abend mir Ihrer Gegenwart erfreuen wollen? oder was Ihre Zustände sonst mit sich führen?

G.

H 950 | S 968 | B 972

979. Schiller an Goethe

[Weimar,] Hälfte März [1804]

Haben Sie die Güte, die Stelle quaestionis nun anzusehen, ob sie so gehen kann. Eine bedeutende Änderung läßt sich jetzt freilich nicht mehr versuchen, doch hoffe ich, daß jetzt kein unerlaubter Sprung mehr dabei ist.

Wenn Sie nichts zu erinnern haben, so senden Sie mir das Blatt zurück, daß ich in den Rollen das Nöthige sogleich für die heutige Probe abändern kann.

Sch.

H 950 | S 968 | B 972

978. Goethe an Schiller

[Weimar,] Den 12. März

Mögen Sie wohl die zwei ersten Acte ansehen? Wo das weiße Papier eingeheftet ist, fehlt eine Scene zwischen Weißlingen und Adelheid. Wenn Sie nichts zu erinnern haben, ließe sich wenigstens von vorn herein die Rollen abschreiben.

G.

H 958 | S 967 | B 971

977. Schiller an Goethe

[Weimar, Anfang März]

Es ist mir recht zum Trost, daß Sie sich des Tell annehmen wollen. Wenn ich mich irgend erträglich fühle, komme ich gewiß, ich habe mich, seitdem ich Sie bei der Leseprobe zum letztenmal gesehen, gar nicht wohl befunden, denn das Wetter setzt mir gar sehr zu, auch ist mir nach der Abreise unserer Freundin nicht anders zu Muthe, als wenn ich eine große Krankheit ausgestanden.

Sch.

H 959 | S 966 | B 970

976. Schiller an Goethe

[Weimar, den 24. Februar 1804]

Anbei übersende die Rollen vom Tell, mit meiner Besetzung, und bitte Sie, nun das weitere darüber zu verfügen.

Ich habe drei neue Weiber darin creirt, um die drei noch übrigen Schauspielerinnen mit Antheil in das Stück hineinzuziehen, weil sie nicht gern Statisten machen. Die Müller bleibt ganz weg.

Heute Abend werden wir uns bei Madame sehen. Gestern haben wir Sie recht vermißt; es ist manches Lustige vorgefallen, worüber wir uns noch in künftigen Tagen unter uns ergötzen wollen.

Sch.

H 957 | S 965 | B 969

975. Goethe an Schiller

[Weimar,] Dem 21. Februar 1804

Das Werk ist fürtrefflich gerathen, und hat mir einen schönen Abend verschafft. Einige Bedenklichkeiten wgen der Aufführung vor Ostern sind mir beigegangen. Mögen Sie um zwölf Uhr fahren, so komme ich Sie abzuholen.

G.

H 956 | S 964 | B 968

974. Goethe an Schiller

Weimar, am 19. Februar 1804

Eben war ich im Begriff nach Ihnen und Ihrer Arbeit zu fragen; denn nichts von Ihnen zu hören und zu sehen wurde mir zuletzt doch allzulästig. Der Anblick des Stücks und der Rollenaushteilung hat mich sehr vergnügt. Ich sollte denken man müßte die Vorstellung vor Ostern zu Stande bringen, obgleich nur knapp; freilich mit dem Ausschreiben der Rollen müßte es behend gehen. Ich dächte man setzte einige Schreiber zusammen, die zu gleicher Zeit schreiben müßten. Doch davon sobald ich gelesen habe. Jetzt nur recht herzlichen Dank.

G.

H 955 | S 963 | B 967

973. Schiller an Goethe

[Weimar, den 19. Februar 1804]

Hier übersende mein Werk, für das ich unter gegenwärtigen Umständen nichts weiter zu thun weiß. Wenn Sie es durchgelesen, bitte ich zurückzusenden, weil der Rollenschreiber darauf wartet.

Soll es gegen Ostern gegeben werden, so müssen wir suchen es acht Tage vorher zu Stande zu bringen, um noch von den Zimmermanns Gegenwart und, in Rücksicht auf die Kasse, von dem actuellen Zustand in Jena zu profitieren, der sich nach Ostern verändern kann. Dann müßte aber wegen der anzuschaffenden Kleider und der erforderlichen Decorationen schleunige Resolution gefaßt weden, auch müßte man den Macbeth verschieben. Das Einstudiren der Rollen macht keine Schwierigkeit, da die größte von keinem beträchtlichen Umfang ist.

Meine Idee wegen der Rollenbesetzung lege ich bei. Sie ersehen daraus, wie schwer es seyn würde, Zimmermanns Rolle zu besetzen. Muß man sich nach Ostern auch ohne ihn helfen, so geht es dann eher an als wenn gleich der erste Eindruck trüb ist.

Ich bin von diesen Besorgungen und auch vom Wetter sehr angegriffen und muß mich noch einige Tage zu Hause halten. Wollen Sie aber mit Beckern udn Genast, so wie auch mit Meyern udn Heidloff sprechen, so kann die Sache doch vorwärts gehen.

Sch.

H 954 | S 962 | B 966

972. Schiller an Goethe

[Weimar, den 16. Februar 1804]

Ich bin nun dem Ziel meiner Arbeit nahe und muß mich vor allem, was mir die nöthige letzte Stimmung rauben oder verkümmern kann, sorgfältig hüten, besonders aber vor allen französischen Freunden. Entschuldigen Sie mich also, mein theurer Freund, mit der evangelisch christlichen Liebe, die ich Ihnen in ähnlichen Fällen gleichermaßen bereit halten will.

Sch.

H 953 | S 961 | B 965

971. Goethe an Schiller

Weimar, am 16. Februar 1804

Indem ich abermals Zeitungen übersende, frage ich an, ob ich das Vergnügen haben kann Sie heute Abend bei mir zu sehen. Frau von Stael und Herr von Constant werden nach fünf Uhr kommen. Ich will ein Abendessen bereit halten, wenn man Lust hat da zu bleiben; es wäre sehr schön, wenn Sie von der Gesellschaft seyn möchten. Befehlen Sie die Stunde des Wagens

G.

H 952 | S 960 | B 964