Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

927. An Goethe

Weimar, am 9. August 1803

Dem Überbringer dieses, Herrn Arnold aus Straßburg, bitte ich Sie einige Augenblicke zu schenken und ihm ein freundliches Wort zu sagen. Er hängt an dem deutschen Wesen mit Ernst und Liebe; er hat sich’s sauer werden lassen etwas zu lernen, und reist mit den besten Vorsätzen zurück, um etwas Würdiges zu leisten. Von Göttingen, wo er studirt, und von Straßburg, wo er die schreckliche Revolutionszeit verlebte, kann er Ihnen manches erzählen.

Sie sind mir neulich ganz unvermuthet entwischt, nachdem ich von Jena zurückgekommen; aber ich höre von Meyern daß Sie übermorgen wieder hier seyn werden. Ich wünsche gute Geschäfte, ich selbst stehe noch immer auf meinem alten Fleck und bewege mich um den Waldstettersee herum. Die Reise nach Jena an dem heißen Tage hat mich aber so angegriffen, daß ich sie jetzt noch fühle. Was sagen Sie dazu, daß nun auch die Lit. Zeitung aus Jena auswandert?

Leben Sie recht wohl und kommen Sie bald mit guten Früchten Ihrer Einsamkeit zurück.

Sch.

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