Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

145. An Schiller

Weimar, 23. Januar 1796

Die nächsten Tage werde ich ein sehr buntes Leben führen. Heute kommt die Darmstädter Herrschaft, morgen ist Cour, Diner, Concert, Souper und Redoute. Montag Don Juan. Die übrige Woche geht auf Proben hin, denn den 30. sind die Advokaten von Iffland und den 2. die neue Oper. Dann will ich aber auch mich wieder sobald als möglich sammeln und sehen was ich leisten kann. Das achte Buch erscheint mir indessen oft zwischen allen diesen fremden Gestalten durch, und ich hoffe, es soll sich nun bei der ersten Gelegenheit auch fertig machen.

In den letzten Epigrammen die Sie mir senden, ist ein herrlicher Humor, und ich werde sie deßhalb alle abschreiben lassen; was am Ende nicht in der Gesellschaft bleiben kann, wird sich wie ein fremder Körper schon separiren.

Die verlangten Papiertapeten, sowie Bordüren sind hier, fertig, nicht zu haben; ich schicke hier Muster von beiden. Das Stück Tapete ist eine Elle breit, und hält 20 Ellen. Sie müßten also zu 63 Ellen 4 Stücke nehmen und behielten so viel übrig. Das Stück kostete vor einem Jahre 1 fl. 20 kr. Von der beikommenden Bordüre hält das Stück 40 Ellen und kostet 3½ Gulden, Sie brauchten also davon 2 Stück. Sie steht auf grün sehr gut, wollte man sie lebhafter haben, so giebt es auch schöne Rosenbordüren von derselben Breite. Wenn Sie mir die Muster geschwind wieder zurückschicken, so könnte ich Montag Abends nach Frankfurt schreiben, und Sie würden das Verlangte doch ziemlich bald erhalten. Mehr Umstände macht es wenn man hier die Papiere wollte färben lassen, besonders da Ekebrecht gegenwärtig sehr mit den Decorationen beschäftigt ist.

Leben Sie recht wohl und genießen des schönen Wetters.

G.

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