941. An Goethe

[Weimar, den 14. November 1803]

Man bittet mich, Sie darum anzugehen, daß auf den Mittwoch Wallensteins Lager möchte zu den Brüdern gespielt werden, weil Beschort eine Anschauung zu diesem Stück zu bekommen wünschte, das in Berlin jetzt auch soll gespielt werden. Auch Brühl sähe es gern und es geschähe also mehrern dadurch ein Gefallen.

Weil wir jetzt drei Schauspieler mehr haben, so riet ich an, die drei mitsprechenden Statisten, nämlich den Kroat, den Schwytzer und den zweiten Kürassier mit unsern drei neuen Schauspielern zu besetzen, so kann das Stück durchaus frisch weggespielt werden.

In der Komödie sehe ich Sie heute wohl?

S.
Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 930 | B 935

940. An Goethe

Weimar, den 9. November 1803

Da ich weder von Ihnen etwas sehe noch höre, so muß ich doch nach den Zuständen fragen. Von einigen jenaischen Freunden, die indes hier waren, habe ich erfahren, daß man Sie nicht sieht, welches ein ganz gutes Zeichen ist, daß Sie einen besseren Umgang haben. Ich bin hier auch fleißig, weil ichmich durch gar nichts zerstreue und selbst keine Komödie besuche. Wenn ich in dieser Wärme bleibe, so kann ich doch gegen den März fertig werden.

Paulus hat von Würzburg keien besondern Erwartungen, welches wohl zu glauben ist. Aber von den jenaischen Zuständen höre ich Gutes, die Zahl scheint sich noch nicht auf eine merkliche Art vermindert zu haben. Die Philosophie vestummt nicht ganz, und unser Dr. Hegel soll viel Zuhörer bekommen haben, die selbst mit seinem Vortrag nicht unzufrieden. Ohne Zweifel haben Sie in Jena davon gehört, daß bei den Studenten ein großes Verlangen sich zeigt den Ritter zu hören. Man sagte mir, daß die Studenten bei dem Herzog bittlich darum einkommen wollen, ihn zum Professor zu machen. Es möchte wohl gut sein, ihn fest zu halten, weil er doch einen Ruf hat und bei der allgemeinen Bewegung auch könnte weggeführt werden. Da Gotha sehr für ihn ist ,wo würde dies nicht nur keine Schwierigkeit haben, sondern vielleicht noch bei Gotha dazu dienen können, den Niethammer zur Gefälligkeit auch anzunehmen.

Die Herzogin Mutter wünschte gar sehr den Grafen Brühl, der morgen hieher kommt und nur bis auf den Dienstag bleibt, mit den Brüdern zu regalieren, weil er ein Stück mit Masken sehen will, sie hat mir ihr Verlangen sehr nah gelegt, und ich will es Ihnen also auch empfehlen. Wenn es irgend möglich, so lassen Sie doch den Montag die Brüder spielen, es kann ja noch ein ander kleines Stück damit verbunden werden.

Herzlich grüße ich Sie und bitte mir bald ein Lebenszeichen zu geben.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 929 | B 934

939. An Schiller

[Weimar,] Am 29. October 1803

Hier der Kaufmann von Venedig mit Bitte um gefällige Übernahme der Revision und der Proben. Über die Austheilung denken Sie bei’m Durchlesen nochmals nach, und wir sprechen darüber. Vielleicht mögen Sie morgen Abend um sechs Uhr zu mir kommen, es wird allerlei dramatisch-musikalische Proben geben. Hierbei ein Exemplar Taschenbuch.

G.

H 923 | S 928 | B 933

938. An Schiller

Weimar, am 2. October 1803

Ich habe mich sehr über das gestern Geleistete gefreut, am meisten durch Ihre Theilnahme. Bei der nächsten Vorstellung schon hoffe ich die Erscheinung zu steigern; es ist ein großer Schritt, den wir gleich zu Anfang des Winters thun.

Ich will gern gestehn, daß ich es auch in dem Sinn unternahm Ihre wichtige Arbeit zu fördern; für mein Vornehmen habe ich auch schon Vortheil daraus gezogen.

Ein Blatt an Trapizius liegt bei. Möge Ihnen das einsame Zimmer recht gute Stimmung geben.

Die zwei Bände Bücherkatalog erhält die akademische Bibliothek zurück, wogegen ich einen ausgestellten Zettel erhalte. Leben Sie bestens wohl.

G.

H 922 | S 927 | B 932

937. An Goethe

[Weimar, den 2. Oktober 1803]

Diesen Vormittag gehe ich nach Jena, weil meine Schwiegermutter auch diesen Weg macht, ich nehme einen großen Eindruck mit und über acht Tage bei der zweiten Vorstellung werde ich Ihnen etwas darüber sagen können. Es ist keine Frage, daß der Julius Cäsar alle Eigenschaften hat, um ein Pfeiler des Theaters zu werden: Interesse der Handlung, Abwechslung und Reichthum, Gewalt der Leidenschaft und sinnliches Leben vis à vis des Publicums – und der Kunst gegenüber hat er alles was man wünscht und braucht. Alle Mühe die man also noch daran wendet, ist ein reiner Gewinn, und die wachsende Vollkommenheit bei der Vorstellung dieses Stücks muß zugleich die Fortschritte unsers Theaters zu bezeichnen dienen.

Für meinen Tell ist mir das Stück von unschätzbarem Werth; mein Schifflein wird auch dadurch gehoben. Er hat mich gleich gestern in die thätigste Stimmung gesetzt.

Auf den Donnerstag spätestens denke ich Sie wieder hier zu sehn. Wollen sie die Güte haben und mir zwei Zeilen an Trapizius mitgeben, wegen Ihrer Zimmer? Ich entgehe durch diesen Ausweg der Verlegenheit bei den Freunden zu logiren, wo ich meine Freiheit und meinen Zweck verlieren würde.

Was mache ich mit den zwei Bänden Bücherkatalog? Soll ich sie in Ihrem Namen der Bibliothek zurückgeben?

Leben Sie recht wohl und mögen Ihnen diese Woche die besten Gedanken erscheinen!

Sch.

Um zehn Uhr wünschte ich wegzufahren.

H 921 | S 926 | B 931

936. An Schiller

Weimar, am 30. September 1803

Mit einer sehr unerfreulichen modernen Römerin sende ich Ihnen einen interessanten Brief von Johannes Müller, und frage an, ob wir uns diesen Nachmittag irgendwo begegnen können. Um sechs Uhr ist Hauptprobe von Julius Cäsar.

G.

H 920 | S 925 | B 930

935. An Goethe

[Weimar, den 23. September 1803]

Weil ich diesen Sommer Wochen und Monate verschwendet, so muß ich jetzt wohl Tage und Stunden zu Rath halten. Ich kann also Ihre freundschaftliche Einladung nach Tieffurth zu fahren nicht annehmen. Vielleicht mögen Sie bei Ihrer Rückkunft bei mir vorsprechen, oder ich komme gegen fünf Uhr zu Ihnen; denn die späten Abendstunden sind mir zuweilen günstig zur Arbeit und müssen die Morgenstunden ersetzen, die verloren gehen. Wir könnten vielleicht eine Einrichtung treffen uns öfters zwischen drei und fünf Uhr zu sehen, um, indem wir den Tag in der Mitte zerschneiden, zwei daraus zu machen.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 919 | S 924 | B 929

934. An Schiller

Weimar, am 23. September 1803

Möchten Sie wohl beikommendes Blatt an Fichten abgehen lassen? Leider steht die ganze Sache nicht erfreulich. Fichte steht bei seinem großen Verstande noch im Wahn, als könnte man vor Gericht auf seine eigene Weise Recht behalten, da es doch daselbst hauptsächlich auf gewisse Formen ankommt. Auch ist, wie Sie aus dem Blättchen sehen werden, Salzmann, der von Grund aus nichts taugt, abzuschaffen. Mich verlangt sehr Sie zu sehen. Möchten Sie wohl bei dem schönen Tage heute Mittag mit nach Tieffurth fahren? ich habe mich anmelden lassen, und man wird Sie gewiß auch sehr gerne sehen; ich würde nach zwölf Uhr kommen um Sie abzuholen.

G.

H 918 | S 923 | B 928

933. An Goethe

[Weimar, den 17. September 1803]

Ich denke diesen Abend ins Schauspiel zu kommen, auf dem kurzen Weg kann ich mich schon verwahren. Übrigens plagt mich noch der Katarrh und ich muß abwarten, wenn er nicht hartnäckig werden soll.

Fernow sagte mir, daß ihm Cotta bei seiner Durchreise gesagt, er wolle die natürliche Tochter, wie sie fertig sey, an Humboldt schicken. Sie können es also, dächt’ ich, diesem überlassen, und es ihm etwa noch selbst auftragen. Das Paket kommt zu einer Zeit an, wo der Verlust nicht mehr ganz neu ist, und in diesem Fall kann das Werk des Dichters eher eine gute als schlimme Wirkung thun.

Wollten Sie wohl die Güte haben und sich, da heute Botentag ist, den Katalog der Schweizergeschichte und etwa der deutschen Reichsgeschichte von Vulpius kommen lassen.

Ich freue mich Sie heute zu sehen. Wenn Sie in die Komödie fahren oder aus derselben, so nehmen Sie mich wohl mit.

Sch.

H 917 | S 922 | B 927

932. An Schiller

Weimar, am 17. September 1803

Schreiben Sie mir doch, wie Sie sich befinden und ob Sie heute Abend ins Schauspiel gehen können, ich sehe Sie heute auf alle Fälle. Indessen bitte ich um Ihren Rath. Indem ich daran denke Humboldten etwas Freundliches zu erzeigen, so fällt mir ein ihm die natürliche Tochter stückweise zu schicken; zugleich aber auch das Bedenken, daß der Verlust eines Kindes der Gegenstand ist. Soll man hoffen durch die nachgeahmten Schmerzen die wahren zu lindern, oder soll man sich vor dem stoffartigen Eindruck fürchten?

Ich wünsche zu hören, daß Sie wieder wohl sind.

G.

H 916 | S 921 | B 926