991. Goethe an Schiller

[Weimar,] Den 2. October 1804

Hier auf Ihre gestrige Anregung ein Aufsatz! Mögen Sie ihn gefällig durchdenken und mir mit Ihrem guten Rahte beistehen

G.

H 971 | S 980 | B 984

990. Goethe an Schiller

[Weimar,] Den 10. September 1804

Hier eine sonderbare, fast möcht’ ich sagen traurige Lectüre. Wenn man nicht so viele falsche Tendenzen gehabt hätte, und noch hätte mit halbem Bewußtseyn, so begriffe man nicht, wie die Menschen so wunderliches Zeug machen können. Ich hoffe Sie heut zu sehen.

G.

H 970 | S 979 | B 983

989. Goethe an Schiller

Weimar, am 5. August 1804

Ihre Hand wieder zu sehen war mir höchst erfreulich. Über Ihren Unfall, den ich spät erfuhr, habe ich gemurrt und mich geärgert, so wie sich meine Schmerzen gewöhnlich auslassen. Sehr herzlich freue ich mich, daß es besser geht. Halten Sie sich nur ruhig in dieser heißen Zeit.

Von Zelter folgt hier ein Brief an mich und Sie. Es ist eine grundwackre und treffliche Natur, die unter Päpsten und Cardinälen, zu recht derber Zeit, hätte sollen geboren werden. Wie jämmerlich ist es, ihn aus diesem Sand nach dem Element seines Ursprungs schnappen zu sehen!

Graf Geßler grüßen Sie auf’s beste; wenn mir es möglich ist, komme ich in der nächsten Woche hinüber.

Die Kotzebue’sche Recension betreffend trete ich gerne Ihrer Meinung bei. WolltenSie Hofrath Eichstädt darnach berathen, so würde ja auch diese Ladung auslaufen können.

An dem Wohl der Ihrigen, der älteren und der neuesten, nehme ich aufrichtigen Antheil und wünsche uns bald wieder vereinigt zu sehen.

Frau von Wolzogen viel Empfehlungen.

G.

H 969 | S 978 | B 982

988. Schiller an Goethe

Jena, den 3. August 1804

Ich habe freilich einen harten Anfall ausgestanden und es hätte leicht schlimm werden können, aber die Gefahr wurde glücklich abgewendet; alles geht nun wieder besser, wenn mich nur die unerträgliche Hitze zu Kräften kommen ließe. Eine plötzliche große Nervenschwächung in solch einer Jahreszeit ist in der That ertödtend, und ich spüre seit den acht Tagen, daß mein Übel sich gelegt, kaum einen Zuwachs an Kräften, obgleich der Kopf ziemlich hell und der Appetit wieder ganz hergestellt ist.

Mich freut sehr zu hören, daß Sie mit dem Götz v. B. schon so weit sind und daß wir also dieser theatralischen Festlichkeit mit Gewißheit entgegensehen können.

Graf Geßler ist gegenwärtig hier und bleibt wohl noch ein acht Tage. Vielleicht kommen Sie in dieser Zeit einmal herüber.

Mit der Bodischen Recension von Kotzebue ist es freilich eine böse Sache; aber man könnte eine allgemeine Lit. Zeitung gar nicht unternehmen, wenn man es gar so genau nehme wollte. Ich dächte also man ließe das Werk, mutatis mutandis und besonders verkürzt, in Gottes Namen drucken, weil es doch wenigstens immer an die Haupt=Griefs die man gegen Kotzebue hat, erinnert, und nur unzureichend, aber nicht eigentlich falsch ist.

Beiliegende Melodien zu dem Tell schickt man mir aus Berlin. Sie lassen sie wohl einmal von Detouches oder sonst jemand spielen, und sehen was daran ist.

Bei mir ist alles wohl und grüßt schönstens.

Leben Sie wohl. Empfehlen Sie mich den Freunden, beosonders der Frau von Stein.

Sch.

H 968 | S 977 | B 981

987. Goethe an Schiller

Weimar, den 25. Juli 1804

Schon einige Zeit ließ ich die Allgemeine Zeitung uneröffnet und da ist auch Ihr Exemplar zurückgeblieben. Hier kommen sie auf einmal und dienen wohl zur Unterhaltung.

Ich habe mich die ganze Zeit über an den den Götz gehalten und hoffe ein rein Manuscript und die ausgeschriebenen Rollen zu haben, eh die Schauspieler wieder kommen; dann wollen wir es außer uns sehen und das Weitere überlegen. Wenn es mit der Länge nur einigermaßen geht, so hab’ ich wegen des Übrigen keine Sorge.

Schreiben Sie mir, daß Sie thätig und daß die Ihrigen wohl sind.

Haben Sie Dank, daß Sie Eichstädt gut aufgenommen, worüber er große Freude hegt.

Leben Sie wohl und gedenken mein.

G.

H 967 | S 976 | B 980

986. Schiller an Goethe

[Weimar, zwischen dem 7. und 12. Juli 1804]

Dank für die schönen Sachen, die ich Ihnen heute Abend, wenn Sie mich haben wollen, mitbringen werde. Die Reise nach Jena wird etwa in sechs oder sieben Tagen vor sich gehen. Vorher hoffen wir Sie auch noch einen Abend bei uns zu sehen.

Endlich eine Charlotte Corday, die sich zwar mit Zweifel und Bangigkeit in die Hand nehme, aber doch ist die Neugier groß.

Sch.

H 966 | S 975 | B 979

985. Goethe an Schiller

[Weimar,] Den 19. Juni 1804

Möchten Sie mir sagen, wie Sie Ihren Tag einrichten? Bis etwa sieben Uhr würde ich im Garten zu finden seyn. Nachher im Hause.

G.

H 965 | S 974 | B 978

984. Schiller an Goethe

[Weimar, den 5. Juni 1804]

Ich sagte Ihnen gestern abend von dem Schritte, den ich bei unserm Herrn getan, und heute früh erhalte ich beifolgendes Billet von ihm, welches die günstigsten Gesinnungen für mich enthält. Der Ton, in welchem es abgefaßt ist, berechtigt mich zu der Hoffnung, daß es dem Herzog ernst ist, mir solid zu helfen und mich in eine solche Lage zu setzen, daß ich meine rem familiarem zunehmen sehe.

Ich brauche jährlich 2000 Taler um mit Anstand hier zu leben, davon habe ich bisher über zwei Dritteile, zwischen 14- und 1500 Taler, mit meinen schriftstellerischen Einnahmen bestritten. 1000 Taler will ich also gern jährlich von dem Meinigen zusetzen, wenn ich nur auf 1000 Taler fixe Einnahme rechnen kann. Sollten es die Umstände nicht erlauben, meine bisherige Besoldung von 400 Talern sogleich auf 1000 zu erhöhen, so hoffe ich von der gnädigen Gesinnung des Herzogs, daß er mir 800 für jetzt bewilligen und mir die Hoffnung geben werde, in einigen Jahren das 1000 voll zu machen. Sagen Sie mir, bester Freund, der Sie meine Lage und die hiesigen Verhältnisse kennen, was Sie von der Sache denken, und ob Sie glauben, daß ich mich, ohne den Vorwurf der Unbescheidenheit, in solchen Terminis gegen den Herzog erklären kann.

S.

H – | S 973 | B 977

Fehlt bei H, zitiert nach S

983. Schiller an Goethe

[Weimar,] Den 30. Mai 1804

Herr Dr. Kohlrausch, ein Hannoveraner, der aus Rom kommt und Frau von Humboldt begleitet, wünscht sich Ihnen vorzustellen. Er wird Sie gewiß interessiren, und Ihnen von Humboldt und italiänischen Sachen erzählen.

Ich habe nichts Neues zu berichten, denn ich habe wenig erfahren, noch weniger gethan. Die Maschine ist noch nicht im Gange.

Für die Rollen des Selbstquälers welche erledigt sind, habe ich zum Theil Rath geschafft. Bei den übrigen mag es anstehen bis zu Ihrer Zurückkunft.

[Heautontimorumenos ward heute gegeben, aber auch beerdigt. Es hat sich keine Hand rühren wollen und das Haus war leer. Hoffentlich wird unser Freund nun den Terenz in Frieden lassen.]*

Leben Sie recht wohl und kommen bald wieder. Mein ganzes Haus grüßt Sie.

Sch.

H 964 | S 972 | B 976

* Fehlt bei H, zitiert nach S.

982. Schiller an Goethe

[Weimar,] Den 16. April 1804
I. Act.
  1. Mit Macbeth und Banco kommen einige, damit letzterer fragen kann: Wie weit ist’s noch nach Foris?
II. Act.
  1. Die Glock ruft. Darf nicht geklingelt werden, man hört vielmehr einen Glockenschlag.
  2. Der Alte sollte sich setzen, oder fortgehen. Mit einer kleinen Veränderung schlöße Macduff den Act.
III. Act.
  1. Der Bursche der Macbeth bedient, wäre besser anzuziehen und einigermaßen als Edelknabe herauszuputzen.
  2. Eilensteins Mantel ist zu enge. Es wäre noch eine Bahn einzulegen.
  3. Bei Banco’s Mord sollte man ganz Nacht machen.
  4. Die Früchte auf der Tafel sind mehr in’s Rothe zu malen.
  5. Banco’s Geist sieht mir in dem Wams zu prosaisch aus. Doch weiß ich nicht bestimmt anzugeben, wie ich ihn anders wünsche.
IV. Act.
  1. Die Hexen sollten unter den Schleiern Drahtgestelle haben, daß die Köpfe nicht zu glatt erscheinen. Vielleicht gäbe man ihnen Kränze die einigermaßen putzen, zur Nachahmung der Sibyllen.
  2. Da nach der Hexenscene bei uns der Horizont fällt, so müßte Macbeth nicht sagen: Komm herein da draußen etc.; denn dieß supponiert die Scene in der Höhle.
V. Act.
  1. Lady wäscht oder reibt eine Hand um die andere.
  2. Die Schilder wären anzumalen.
  3. Macbeth müßte sich doch, wenigstens zum Theil, auf dem Theater rüsten; sonst hat er zu viel zu sprechen was keinen sinnlichen Bezug hat.
  4. Er sollte nicht im Hermelinmantel fechten.

G.

H 962 | S 971 | B 975