938. An Schiller

Weimar, am 2. October 1803

Ich habe mich sehr über das gestern Geleistete gefreut, am meisten durch Ihre Theilnahme. Bei der nächsten Vorstellung schon hoffe ich die Erscheinung zu steigern; es ist ein großer Schritt, den wir gleich zu Anfang des Winters thun.

Ich will gern gestehn, daß ich es auch in dem Sinn unternahm Ihre wichtige Arbeit zu fördern; für mein Vornehmen habe ich auch schon Vortheil daraus gezogen.

Ein Blatt an Trapizius liegt bei. Möge Ihnen das einsame Zimmer recht gute Stimmung geben.

Die zwei Bände Bücherkatalog erhält die akademische Bibliothek zurück, wogegen ich einen ausgestellten Zettel erhalte. Leben Sie bestens wohl.

G.

H 922 | S 927 | B 932

937. An Goethe

[Weimar, den 2. Oktober 1803]

Diesen Vormittag gehe ich nach Jena, weil meine Schwiegermutter auch diesen Weg macht, ich nehme einen großen Eindruck mit und über acht Tage bei der zweiten Vorstellung werde ich Ihnen etwas darüber sagen können. Es ist keine Frage, daß der Julius Cäsar alle Eigenschaften hat, um ein Pfeiler des Theaters zu werden: Interesse der Handlung, Abwechslung und Reichthum, Gewalt der Leidenschaft und sinnliches Leben vis à vis des Publicums – und der Kunst gegenüber hat er alles was man wünscht und braucht. Alle Mühe die man also noch daran wendet, ist ein reiner Gewinn, und die wachsende Vollkommenheit bei der Vorstellung dieses Stücks muß zugleich die Fortschritte unsers Theaters zu bezeichnen dienen.

Für meinen Tell ist mir das Stück von unschätzbarem Werth; mein Schifflein wird auch dadurch gehoben. Er hat mich gleich gestern in die thätigste Stimmung gesetzt.

Auf den Donnerstag spätestens denke ich Sie wieder hier zu sehn. Wollen sie die Güte haben und mir zwei Zeilen an Trapizius mitgeben, wegen Ihrer Zimmer? Ich entgehe durch diesen Ausweg der Verlegenheit bei den Freunden zu logiren, wo ich meine Freiheit und meinen Zweck verlieren würde.

Was mache ich mit den zwei Bänden Bücherkatalog? Soll ich sie in Ihrem Namen der Bibliothek zurückgeben?

Leben Sie recht wohl und mögen Ihnen diese Woche die besten Gedanken erscheinen!

Sch.

Um zehn Uhr wünschte ich wegzufahren.

H 921 | S 926 | B 931

936. An Schiller

Weimar, am 30. September 1803

Mit einer sehr unerfreulichen modernen Römerin sende ich Ihnen einen interessanten Brief von Johannes Müller, und frage an, ob wir uns diesen Nachmittag irgendwo begegnen können. Um sechs Uhr ist Hauptprobe von Julius Cäsar.

G.

H 920 | S 925 | B 930

935. An Goethe

[Weimar, den 23. September 1803]

Weil ich diesen Sommer Wochen und Monate verschwendet, so muß ich jetzt wohl Tage und Stunden zu Rath halten. Ich kann also Ihre freundschaftliche Einladung nach Tieffurth zu fahren nicht annehmen. Vielleicht mögen Sie bei Ihrer Rückkunft bei mir vorsprechen, oder ich komme gegen fünf Uhr zu Ihnen; denn die späten Abendstunden sind mir zuweilen günstig zur Arbeit und müssen die Morgenstunden ersetzen, die verloren gehen. Wir könnten vielleicht eine Einrichtung treffen uns öfters zwischen drei und fünf Uhr zu sehen, um, indem wir den Tag in der Mitte zerschneiden, zwei daraus zu machen.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 919 | S 924 | B 929

934. An Schiller

Weimar, am 23. September 1803

Möchten Sie wohl beikommendes Blatt an Fichten abgehen lassen? Leider steht die ganze Sache nicht erfreulich. Fichte steht bei seinem großen Verstande noch im Wahn, als könnte man vor Gericht auf seine eigene Weise Recht behalten, da es doch daselbst hauptsächlich auf gewisse Formen ankommt. Auch ist, wie Sie aus dem Blättchen sehen werden, Salzmann, der von Grund aus nichts taugt, abzuschaffen. Mich verlangt sehr Sie zu sehen. Möchten Sie wohl bei dem schönen Tage heute Mittag mit nach Tieffurth fahren? ich habe mich anmelden lassen, und man wird Sie gewiß auch sehr gerne sehen; ich würde nach zwölf Uhr kommen um Sie abzuholen.

G.

H 918 | S 923 | B 928

933. An Goethe

[Weimar, den 17. September 1803]

Ich denke diesen Abend ins Schauspiel zu kommen, auf dem kurzen Weg kann ich mich schon verwahren. Übrigens plagt mich noch der Katarrh und ich muß abwarten, wenn er nicht hartnäckig werden soll.

Fernow sagte mir, daß ihm Cotta bei seiner Durchreise gesagt, er wolle die natürliche Tochter, wie sie fertig sey, an Humboldt schicken. Sie können es also, dächt’ ich, diesem überlassen, und es ihm etwa noch selbst auftragen. Das Paket kommt zu einer Zeit an, wo der Verlust nicht mehr ganz neu ist, und in diesem Fall kann das Werk des Dichters eher eine gute als schlimme Wirkung thun.

Wollten Sie wohl die Güte haben und sich, da heute Botentag ist, den Katalog der Schweizergeschichte und etwa der deutschen Reichsgeschichte von Vulpius kommen lassen.

Ich freue mich Sie heute zu sehen. Wenn Sie in die Komödie fahren oder aus derselben, so nehmen Sie mich wohl mit.

Sch.

H 917 | S 922 | B 927

932. An Schiller

Weimar, am 17. September 1803

Schreiben Sie mir doch, wie Sie sich befinden und ob Sie heute Abend ins Schauspiel gehen können, ich sehe Sie heute auf alle Fälle. Indessen bitte ich um Ihren Rath. Indem ich daran denke Humboldten etwas Freundliches zu erzeigen, so fällt mir ein ihm die natürliche Tochter stückweise zu schicken; zugleich aber auch das Bedenken, daß der Verlust eines Kindes der Gegenstand ist. Soll man hoffen durch die nachgeahmten Schmerzen die wahren zu lindern, oder soll man sich vor dem stoffartigen Eindruck fürchten?

Ich wünsche zu hören, daß Sie wieder wohl sind.

G.

H 916 | S 921 | B 926

931. An Goethe

[Weimar, den 14. September 1803]

Ich höre, daß Sie heute eine Leseprobe von Julius Cäsar haben und wünsche guten Succeß. Mich sperrt ein heftiger Schnupfen noch zu Hause ein und macht mir den Kopf sehr wüste.

Die zwei theatralischen Recruten habe ich gestern gesehen, sie stellen sich recht gut dar, und mit dem Dialekt des einen gehts doch noch leidlicher, als ich erwartet hatte. Von ihrem guten Willen wird mehr als von ihrem Talent zu hoffen sein.

Grüner hätte großes Verlangen in der Jungfrau von Orleans als Gespenst aufzutreten. In mancher Rücksicht würde ihm diese Art der Einführung nicht ungünstig seyn. Außerdem daß die Rolle klein und also sehr genau einzulernen ist, kann sie auch mit einer gewissen Monotonie gesprochen werden und verlangt wenig Bewegung. Das Seltsame wird sich darin mit dem Neuen gut verbinden, und Graff, der sich jetzt des Umziehens wegen mit dieser Rolle nur plagt, wird gern davon befreit werden.

Beckern habe ich noch nicht allein sprechen können.

Leben Sie recht wohl. Ich wünsche sehr Sie bald wieder zu sehen.

Sch.

H 913 | S 920 | B 925

930. An Goethe

[Weimar, den 12. September 1803]

Es kommen mir heute so viele dringende Briefexpeditionen zusammen, daß ich vor neun Uhr nicht fertig werden und also nicht kommen kann.

Aus beiliegendem Brief ersehen Sie leider, daß unser Freund Humboldt einen harten Verlust erlitten hat. Schreiben Sie ihm, wenn Sie können, ein Wort des Antheils. Er dauert mich sehr, weil gerade dieses Kind das hoffnungsvollste war von allen.

Den Brief erbitte ich mir wieder zurück.

Sch.

H 912 | S 919 | B 924

929. An Schiller

Weimar, den 6. September 1803

Heute ist es das erstemal, daß mir die Sache Spaß macht. Sie sollten den Wust von widersprechenden und streitenden Nachrichten sehen! Ich lasse alles heften und regalire Sie vielleicht einmal damit, wenn alles vorbei ist. Nur in einem solchen Moment kann man am Moment Interesse finden. Nach meinem Nilmesser kann die Verwirrung nur um einige Grade höher steigen, nachher setzt sich der ganze Quark wieder nach und nach, und die Landleute mögen dann säen! Ich freue mich Ihrer Theilnehmung und sehe Sie bald.

G.

H 915 | S 918 | B 923