897. An Schiller

Weimar, am 26. Januar 1803

Schon einigemal dachte ich zu fragen wie es Ihnen ginge, und thue es jetzt. Damit Sie aber Lust haben einigermaßen ausführlich zu seyn, so erzähle ich folgendes von mir:

An dem Supplement zu Cellini ist es zeither sachte vorwärts gegangen. Ich habe manches Fördernde gelesen und gedacht.

Einige neue Kupfer sind mir zugekommen, die mir Vergnügen und Unterhaltung gewähren.

Einen ungeschickten Abguß des Kopfs einer Venus Urania, von Kassel, ahbe ich mit Liebe ausgeputzt und restaurirt, damit er nur einigermaßen anzusehen sey. Ich mußte theilweise das Nebulistische vorwalten lassen, das denn, bei der bestehenden köstlichen Grundform, in diesem Collisivfalle gelten mag.

An Humboldt habe ich einen langen Brief abgelassen.

An den Münzen ist wenig geschehen, doch gibt jeder Ein- und Anblick neue Belehrung.

Doctor Chladni ist angekommen und hat seine ausgearbeitete Akustik in einem Quartbande mitgebracht. Ich habe sie schon zur Hälfte gelesen und werde Ihnen darüber mündlich über Inhalt, Gehalt, Methode und Form manches Erfreuliche sagen können. Er gehört, wie Eckhel, unter die Glückseligen, welche auch nicht eine Ahnung haben, daß es eine Naturphilosophie gibt, und die nur mit Aufmerksamkeit suchen die Phänomene gewahr zu werden, um sie nachher so gut zu ordnen und zu nutzen als es nur gehen will, und als ihr angebornes, in der Sache und zur Sache geübtes Talent vermag.

Sie können denken, daß ich sowohl beim Lesen des Buchs, als bei einer mehrstündigen Unterhaltung, immer nach meiner alten Direction fortgeforscht habe, und ich bilde mir ein einige recht gute Merkpuncte zu weiteren Richtungen bezeichnet zu haben.

Überhaupt sehe ich es als ein gutes Omen an, daß er eben jetzt kommt, da wir mit einiger Wahrscheinlichkeit Zeltern erwarten.

Auch hatte ich eben die Farbenlehre einmal wieder durchgedacht, und finde mich durch die in so vielem Sinn kreuzenden Bezüge, sehr gefördert.

Möchten Sie wohl Chladni eine Viertelstunde gönnen? damit Sie doch auch das Individuum kennen lernen, das auf eine sehr entschiedene Weise sich und seinen Wirkungskreis ausspricht. Vielleicht geben Sie ihm, da er von Jena aus gern Rudolstadt besuchen möchte, eine empfehlende Zeile mit.

So weit für dießmal, ob ich gleich noch einiges Plus und Minus zu vertrauen hätte, wovon denn eins das andere übertragen mag.

Leben Sie recht wohl und sagen mir auch von sich etwas Ausführliches und lassen Sie uns, da wir uns beide gegen das Ausgehen sträuben, wenigstens, wie jene Verliebte, über den Schirm correspondiren.

G.

H 880 | S 886 | B 890

896. An Schiller

Weimar, am 13. Januar 1803

Gestern hörte ich, daß Sie die vorjährige Idee, eine Abendgesellschaft, Sonnabends nach der Komödie, einzuleiten wieder aufgenommen, und vergaß Sie darüber zu fragen.

Sagen Sie mir doch, wie weit Sie damit gekommen sind. Ich vernehme daß Durchlaucht der Herzog etwas Ähnliches vorhaben, und wünschte daß beide Plane sich begegneten und nicht aufhüben.

Wohl zu leben wünschend.

G.

H 879 | S 885 | B 889

895. An Schiller

Weimar, den 6. Januar 1803

Lassen Sie mich wissen wie es Ihnen geht? Mein einziger Trost ist der numismatische Talisman, der mich, auf eine bequeme und reizende Weise, in entfernte Gegenden und Zeiten führt. Sagen Sie mir, ob Sie etwa heute Abend mich besuchen mögen. Wollen Sie aber sich noch in der Stille verschlossen halten, so wünsche ich guten Erfolg.

G.

H 878 | S 884 | B 888

894. An Schiller

Weimar, den 26. December 1802

Mögen Sie heute Mittag mit mir, in Gesellschaft von Schelling und eines kaiserl. k. Bergraths von Podmanitzky aus Schemnitz speisen, so sende gegen Ein Uhr den Wagen.

G.

H 877 | S 883 | B 886

893. An Schiller

[Weimar, ]Den 19. December 1802

Bei uns geht es nicht gut, wie Sie mir vielleicht gestern in der Oper anmerkten. Der neue Gast wird wohl schwerlich lange verweilen und die Mutter, so gefaßt sie sonst ist, leidet an Körper und Gemüth. Sie empfiehlt sich Ihnen bestens und fühlt den Werth Ihres Antheils.

Heute Abend hoffe ich doch zu kommen um die Lücken meines Wesens durch die Gegenwart der Freunde auszufüllen.

G.

H 876 | S 882 | B 885

892. An Schiller

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Herzlich danke ich für den freundschaftlichen Anteil. Ein ganz kleines Mädchen ist bei uns glücklich angekommen. Bis jetzt geht alles gut. Die Kleine wird sich Ihres Andenkens recht erfreuen.

G.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 881 | B 884

891. An Goethe

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Ich erfahre soeben zufällig, daß man Ihnen zu einem angenehmen Ereignis im Hause Glück zu wünschen hat. Ich wünschte es vo ihnen bestätigt zu hören, denn ich hab mit herzlichem Anteil so wie auch meine Frau darauf gewartet, und es wird uns herzlich erfreuen, wenn alles glücklich gegangen und auch für die Zukunft zu hoffen ist. Empfehlen Sie mich der Kleinen recht freundlich und versichern sie meines besten Anteils.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 880 | B 883

890. An Schiller

Weimar, am 16. October 1802

Ich überschicke hier ein kleines Promemoria über meine neue Ausgabe des Cellini, zu gefälliger Durchsicht. Man könnte es an Cotta communiciren, zu Einleitung näherer Verhandlung, auch daraus, wenn man einig wäre, gleich eine Anzeige formiren. Vielleicht mögen Sie daß ich heute Abend nach der Komödie mit Ihnen nach Hause gehe, damit man sich näher bespräche. Morgen gehe ich vielleicht wieder nach Jena um noch einiger guten Tage zu genießen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

G.

H 875 | S 879 | B 882

889. An Schiller

Weimar, den 15. September 1802

Zu der Deutschen Andria lege ich das erste Buch meines Cellini, mit Bitte gelegentlich einen Blick hineinzuthun, besonders etwa von vorn herein ein halb Dutzend Lagen zu lesen und zu beurtheilen ob das so gehen kann?

G.

H 874 | S 878 | B 880

888. An Goethe

Weimar, 18. August 1802

Sie können nie unthätig seyn, und was Sie eine unproductive Stimmung nennen, würden sich die meisten andern als eine vollkommen ausgefüllte Zeit anrechnen. Möchte nur irgend ein subalterner Genius, einer von denen die gerade auf Universitäten wohnen und walten, die letzte Hand an Ihre wissenschaftlichen Ideen thun, um sie zu sammeln, leidlich zu redigiren und so für die Welt zu erhalten. Denn Sie selbst werden dieses Geschäft leider immer in die Ferne schieben, weil Ihnen, däucht mir, das eigentlich Didaktische gar nicht in der Natur ist. Sie sind eigentlich recht dazu geeignet, um von andern bei Lebzeiten beerbt und ausgeplündert zu werden, wie Ihnen schon mehrmal widerfahren ist, und noch mehr widerfahren würde, wenn die Leute nur ihren Vortheil besser verständen.

Hätten wir uns ein halb Dutzend Jahre früher gekannt, so würde ich Zeit gehabt haben, mich Ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen zu bemächtigen; ich würde Ihre Neigung vielleicht unterhalten haben, diesen wichtigen Gegenständen die letzte Gestalt zu geben, und in jedem Fall würde ich ein redlicher Verwalter des Ihrigen gewesen seyn.

Ich habe in diesen Tagen einige Notizen über den ältern Plinius gelesen, die mich in Rücksicht auf das was der Mensch aus einer guten Anwendung seiner Zeit machen kann, in Erstaunen gesetzt haben. Gegen einen solchen Mann war selbst Haller noch ein Zeitverschwender. Aber ich fürchte, er hatte über dem ungeheuren Bücherlesen, Excerpiren und Dictiren zum freien Nachdenken nicht recht Zeit, und er scheint alle Thätigkeit des Geistes in das Lernen gesetzt zu haben, denn er nahm es seinem Neffen einmal sehr übel, da er ihn ohne ein Buch in der Hand im Garten auf und ab gehen sah.

Ich bin in diesen letzten Tagen nicht ohne Succeß mit meinem Stück beschäftigt gewesen, und ich habe noch bei keiner Arbeit so viel gelernt als bei dieser. Es ist ein Ganzes das ich leichter übersehe, und auch leichter regiere; auch ist es eine dankbarere und erfreulichere Aufgabe, einen einfachen Stoff reich und gehaltvoll zu machen, als einen zu reichen und zu breiten Gegenstand einzuschränken.

Sonst aber zerstreut mich jetzt manches, und da die politischen Dinge auch auf meinen Zustand einen Einfluß haben können, so sehe ich diesem Ziehungstag meines Looses nicht ohne Spannung entgegen. Es sind auch noch andere Dinge, die mich aus meiner alten Lage zu reißen drohen, und die mir deßwegen nicht erfreulich sind.

Meine Baureparaturen und sonstige Einrichtungen werden, wie ich hoffe, mit dieser Woche zu Ende gehen, und ich kann Sie bei Ihrer Zurückkunft in einem reinlichen und freundlichen Hause bewillkommen.

Leben sie recht wohl und lassen mich bald hören, daß Sie mit einer reichen Gabe zurückkehren.

Sch.

H 873 | S 877 | B 879