893. An Schiller

[Weimar, ]Den 19. December 1802

Bei uns geht es nicht gut, wie Sie mir vielleicht gestern in der Oper anmerkten. Der neue Gast wird wohl schwerlich lange verweilen und die Mutter, so gefaßt sie sonst ist, leidet an Körper und Gemüth. Sie empfiehlt sich Ihnen bestens und fühlt den Werth Ihres Antheils.

Heute Abend hoffe ich doch zu kommen um die Lücken meines Wesens durch die Gegenwart der Freunde auszufüllen.

G.

H 876 | S 882 | B 885

892. An Schiller

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Herzlich danke ich für den freundschaftlichen Anteil. Ein ganz kleines Mädchen ist bei uns glücklich angekommen. Bis jetzt geht alles gut. Die Kleine wird sich Ihres Andenkens recht erfreuen.

G.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 881 | B 884

891. An Goethe

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Ich erfahre soeben zufällig, daß man Ihnen zu einem angenehmen Ereignis im Hause Glück zu wünschen hat. Ich wünschte es vo ihnen bestätigt zu hören, denn ich hab mit herzlichem Anteil so wie auch meine Frau darauf gewartet, und es wird uns herzlich erfreuen, wenn alles glücklich gegangen und auch für die Zukunft zu hoffen ist. Empfehlen Sie mich der Kleinen recht freundlich und versichern sie meines besten Anteils.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 880 | B 883

890. An Schiller

Weimar, am 16. October 1802

Ich überschicke hier ein kleines Promemoria über meine neue Ausgabe des Cellini, zu gefälliger Durchsicht. Man könnte es an Cotta communiciren, zu Einleitung näherer Verhandlung, auch daraus, wenn man einig wäre, gleich eine Anzeige formiren. Vielleicht mögen Sie daß ich heute Abend nach der Komödie mit Ihnen nach Hause gehe, damit man sich näher bespräche. Morgen gehe ich vielleicht wieder nach Jena um noch einiger guten Tage zu genießen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

G.

H 875 | S 879 | B 882

889. An Schiller

Weimar, den 15. September 1802

Zu der Deutschen Andria lege ich das erste Buch meines Cellini, mit Bitte gelegentlich einen Blick hineinzuthun, besonders etwa von vorn herein ein halb Dutzend Lagen zu lesen und zu beurtheilen ob das so gehen kann?

G.

H 874 | S 878 | B 880

888. An Goethe

Weimar, 18. August 1802

Sie können nie unthätig seyn, und was Sie eine unproductive Stimmung nennen, würden sich die meisten andern als eine vollkommen ausgefüllte Zeit anrechnen. Möchte nur irgend ein subalterner Genius, einer von denen die gerade auf Universitäten wohnen und walten, die letzte Hand an Ihre wissenschaftlichen Ideen thun, um sie zu sammeln, leidlich zu redigiren und so für die Welt zu erhalten. Denn Sie selbst werden dieses Geschäft leider immer in die Ferne schieben, weil Ihnen, däucht mir, das eigentlich Didaktische gar nicht in der Natur ist. Sie sind eigentlich recht dazu geeignet, um von andern bei Lebzeiten beerbt und ausgeplündert zu werden, wie Ihnen schon mehrmal widerfahren ist, und noch mehr widerfahren würde, wenn die Leute nur ihren Vortheil besser verständen.

Hätten wir uns ein halb Dutzend Jahre früher gekannt, so würde ich Zeit gehabt haben, mich Ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen zu bemächtigen; ich würde Ihre Neigung vielleicht unterhalten haben, diesen wichtigen Gegenständen die letzte Gestalt zu geben, und in jedem Fall würde ich ein redlicher Verwalter des Ihrigen gewesen seyn.

Ich habe in diesen Tagen einige Notizen über den ältern Plinius gelesen, die mich in Rücksicht auf das was der Mensch aus einer guten Anwendung seiner Zeit machen kann, in Erstaunen gesetzt haben. Gegen einen solchen Mann war selbst Haller noch ein Zeitverschwender. Aber ich fürchte, er hatte über dem ungeheuren Bücherlesen, Excerpiren und Dictiren zum freien Nachdenken nicht recht Zeit, und er scheint alle Thätigkeit des Geistes in das Lernen gesetzt zu haben, denn er nahm es seinem Neffen einmal sehr übel, da er ihn ohne ein Buch in der Hand im Garten auf und ab gehen sah.

Ich bin in diesen letzten Tagen nicht ohne Succeß mit meinem Stück beschäftigt gewesen, und ich habe noch bei keiner Arbeit so viel gelernt als bei dieser. Es ist ein Ganzes das ich leichter übersehe, und auch leichter regiere; auch ist es eine dankbarere und erfreulichere Aufgabe, einen einfachen Stoff reich und gehaltvoll zu machen, als einen zu reichen und zu breiten Gegenstand einzuschränken.

Sonst aber zerstreut mich jetzt manches, und da die politischen Dinge auch auf meinen Zustand einen Einfluß haben können, so sehe ich diesem Ziehungstag meines Looses nicht ohne Spannung entgegen. Es sind auch noch andere Dinge, die mich aus meiner alten Lage zu reißen drohen, und die mir deßwegen nicht erfreulich sind.

Meine Baureparaturen und sonstige Einrichtungen werden, wie ich hoffe, mit dieser Woche zu Ende gehen, und ich kann Sie bei Ihrer Zurückkunft in einem reinlichen und freundlichen Hause bewillkommen.

Leben sie recht wohl und lassen mich bald hören, daß Sie mit einer reichen Gabe zurückkehren.

Sch.

H 873 | S 877 | B 879

887. An Schiller

Jena, am 17. August 1802

Ob ich gleich von meinem hiesigen Aufenthalt wenig Productives rühmen kann und sonst eigentlich nicht wüßte warum ich hier seyn sollte, so will ich doch wieder von mir hören lassen und Ihnen im Allgemeinen sagen, wie es mit mir aussieht.

Heute bin ich 14 Tage da, und da ich auch sonst hier so viel Zeit brauchte, um mich in Positur zu setzen, so will ich sehen, ob von nun an die Thätigkeit gesegneter wird. Einige unangenehme äußere Vorfälle, die zufälligerweise auch auf mich stärker als unter andern Umständen einwirkten, haben mich auch hin und wieder retardirt. Selbst daß ich Morgens badete, war meinen Vorsätzen nicht günstig.

Hier haben Sie also die negative Seite. Dagegen habe ich einiges erfunden das auf die Zukunft etwas verspricht, besonders auch sind gewisse Betrachtungen und Erfahrungen im naturhistorischen Fache nicht unfruchtbar geblieben. Einige Lücken in der Lehre der Metamorphose der Insecten habe ich nach Wunsch ausgefüllt. Bei dieser Arbeit ist, wie Sie wissen, nur darum zu thun, daß die schon gefundnen Formeln anwendbarer werden und also gehaltvoller erscheinen, und daß man gedrängt werde neue Formeln zu erfinden, oder vielmehr die alten zu potentiiren. Vielleicht kann ich bald von beiden Operationen erfreuliche Beispiele geben.

Das Vorspiel habe ich nochmals durchgesehen und es an Cotta abgeschickt. Es mag nun auch in der weiten Welt grassiren.

Wegen des Honorars habe ich es in Suspenso gelassen und nur geäußert: daß ich von meiner Seite auf Sie zu compromittiren in jedem Falle gern gesinnt bin. Es kann ja ohnehin nur von etwas auf oder ab hier die Rede seyn.

Ich bin neugierig, ob Ihnen die Muse günstiger war, und ob sie mir vielleicht auch in diesen letzten Tagen noch etwas bescheren mag.

Die Erscheinung von einem friedlich Besitz nehmenden Herrn wird Ihnen einige Tage Unterhaltung geben. Was mich betrifft, so will ich wo möglich diese Expedition in der Stille abwarten und hinterdrein vernehmen wie es abgelaufen ist.

Leben Sie recht wohl. Sagen Sie mir ein Wort und trösten mich über meine lange Entfernung von Ihnen, welche nur durch eine bedeutende Fruchtbarkeit einigermaßen entschuldigt und entschädigt werden könnte.

G.

H 872 | S 874 | B 876

886. An Goethe

Weimar, den 11. August 1802

Sie werden dem Cotta mit dem Verlag des kleinen Werkes eine große Freude machen. Ich bin aber auch dafür, daß es durch keine Kupferverzierung verteuert und aufgehalten werde. Ich dächte, man ließ es so drucken, daß es zwischen 5 und 6 Bogen betrüge und er es um 12 Groschen verkaufen könnte. So hätte er für jedes Exemplar netto 8 Groschen und könnten Ihnen 50 Karolin für das Stück geben, weil er nach verkauften 1600 Exemplaren aus den Kosten wäre. Ist er so glücklich die ganze Auflage, die ich auf 3000 ansetze, zu verkaufen, so kenne ich ihn als honett genug um noch heraus zu bezahlen. Da der Druck möglichst beschleunigt werden muß, so riete ich, das Manuskript sogleich an Cotta zu schicken und seinen Konsens zu Ihren Foderungen ohne weiteres vorauszusetzen, wenn Sie auch eine größere Summe verlangen sollten. Er hat dann den Vorteil das Stück zugleich mit seinem Kalender zu versenden, der in 6 Wochen wird ausgegeben werden.

Wir haben hier in der großen Hitze nu so hinvegetiert udn nicht viel geleistet: ich bedaure, daß es Ihnen nicht viel besser gegangen ist. Indessen ist doch etwas geschehen, und mit der Gesundheit geht es auch wieder ordentlich, da sich der Husten weggemacht hat.

Ich wünsche IHnen schöne Tage und günstige Stunden. Leben Sie recht wohl.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 875 | B 877

885. An Schiller

Jena, am 10. August 1802

Anfangs war ich, wie Sie wissen, nicht sehr geneigt, mein Vorspiel drucken zu lassen, gegenwärtig aber wollte ich Ihnen folgendes vortragen und Ihre Gedanken darüber hören.

Gar viele Personen verlangen es zu lesen, besonders seit dem Aufsatz in der eleganten Zeitung. Nun bin ich auch bei der letzten Vorlesung wieder zu einiger Überzeugung gelangt: daß doch noch manches von der wunderlichen Erscheinung auf dem Papiere steht. Und so wäre ich nicht abgeneigt das Manuscript an Cotta zu schicken, der es denn, in klein Octav, eben wie Mahomet und Tancred, drucken möchte; zu einer größern Ausgabe mit Kupfern wäre ich nicht geneigt, weil es immer kostbar wird und mehr als billig ist zu thun macht, auch dadurch die Sachen in die Länge gezogen werden. Denn mir wäre vorzüglich darum zu thun, diesen Spaß los zu werden und an etwas anders zu gehen.

Was meinen Sie wegen des Honorars, und was könnte man mit Billigkeit fordern?

Haben Sie doch die Güte die Sache mit Meyern zu besprechen und mir Ihre Gedanken zu sagen. Geben sie mir auch Nachricht wie es Ihnen geht. Bei mir hat sich leider kaum eine Spur von Production spüren lassen, indessen will ich es noch einige Zeit geduldig ansehen und von der nächsten Zeit etwas hoffen.

Leben sie recht wohl und gedenken mein.

G.

H 871 | S 874 | B 876

884. An Schiller und Meyer

Weimar, den 26. Juli 1802

Herr Doktor Meyer von Bremen hat eine Ohm sehr guten Portwein angeboten, welche ohnegefähr 160 Bouteillen beträgt. Die Bouteille soll etwa 10 gute Groschen kosten. Ich bin geneigt diesen Wein kommen zu lassen, wenn einige Freunde daran teilnehmen wollen. Ich bitte hierbei die Zahl der Bouteillen zu bemerken. Wobei ich denn auf den unvorhergesehenen Fall die proportionierliche Teilnahme an dem allenfallsigen Schaden voraussetze.

Goethe.

Nicht bei H, hier zitiert nach S

H – | S 873 | B 875