Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

256. An Schiller

Weimar, den 10. Dezember 1796

Für das übersendete Exemplar zweiter Ausgabe danke ich schönstens; sie nimmt sich recht gut aus und wird wahrscheinlich nicht liegen bleiben.

Daß Sie sich der Elegie erfreuen, thut mir sehr wohl; ich vermuthe daß einige Gesellen bald nachfolgen werden. Was das Drucken betrifft, darüber bleibt Ihnen das Urtheil ganz anheim gestellt; ich bin auch zufrieden daß sie noch ruht. Ich werde sie indeß in der Handschrift Freunden und Wohlwollenden mittheilen; denn ich habe aus der Erfahrung, daß man zwar bei entstandenem Streit und Gährung seine Feinde nicht bekehren kann, aber seine Freunde zu stärken Ursache hat.

Man hat mir wissen lassen daß nächstens etwas für den Almanach erscheinen werde, in welcher Form und in welchem Gehalt ist mir unbekannt. Überhaupt, merke ich, wird es schon Buchhändlerspeculation pro oder contra etwas drucken zu lassen. Das wird eine schöne Sammlung geben! Von dem edlen Hamburger, dessen Exercitium ich hier zurückschicke, wird es künftig heißen:

Auch erscheint ein Herr F* rhetorisch, grimmig, ironisch,
Seltsam geberdet er sich, plattdeutsch, im Zeitungsformat.

Eine schnelle Übersetzung des Stael’schen Werks ist zu vermuthen, und ich weiß nicht ob man daher einen Auszug wagen soll. Nutzt doch am Ende jeder eine solche Erscheinung auf seine Weise. Vielleicht nähme man nur wenig heraus, wodurch man dem Publico und jenem Verleger den Dienst thäte, daß jedermann schnell darauf aufmerksam würde.

Die Art, wie Voß sich beim Almanach benimmt, gefällt mir sehr wohl; auf seine Ankunft freue ich mich recht sehr.

Auf meinen gestrigen Brief erwarte ich eine baldige Antwort. Diderots Werk wird Sie gewiß unterhalten. Leben Sie recht wohl, grüßen alles, und erhalten mir Ihre so wohl gegründete Freundschaft und Ihre so schön gefühlte Liebe, und seyn Sie das gleiche von mir überzeugt.

G.

H 256 | S 255 | B 256