Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

235. An Goethe

Jena, den 25. Oktober 1796

Nur einen Gruß für heute, zur Begleitung dieser Zwiebacke, welche Ihnen meine Frau schickt. Wir hoffen, Sie sind, so wie wir, durch das heutige freundliche Wetter wieder aufgeheitert worden.

Ich sende hier den Rest des Hirtischen Aufsatzes, wenn Sie etwa einen leeren Augenblick dazu anwenden wollten. Sie senden ihn wohl Sonnabend durch das Botenmädchen wieder.

Nun mahnt es mich doch, für etwas zu sorgen, wodurch der zweite Jahrgang der Horen brillant beschlossen würde; denn von dem Erfolg des nächsten Abonnement scheint das fernere Schicksal der Horen abzuhängen. Noch seh’ ich nichts vor mir, und von dem Himmel ist in diesen zwei Jahren so wenig gefallen, daß ich kein sonderliches Vertrauen zu diesen zufälligen Gaben habe. In der That müssen wir der schrecklichen Schwere des Hirtischen Aufsatzes etwas entgegen setzen.

Wenn Sie doch noch so ein Paket Briefe fänden, wie die aus der Schweiz; alle Redacitonsarbeit nähme ich Ihnen mit Freuden ab.

Von Neuigkeiten weiß ich nichts zu berichten. Schlegel erzählt, daß der Herzog von Gotha über die Xenien sehr ungehalten sey und zwar wegen Schlichtegrolls, den er sehr hoch halte. Auch hör’ ich, daß sich Schütz, der Recension unsers Almanachs wegen, nicht zu rathen und zu helfen wisse. Ich glaub’ wohl.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 235 | S 234 | B 235