Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

229. An Goethe

Jena, den 18. Oktober 1796

Hier sende ich Ihnen Körners Brief, der bei der Unbedeutendheit und Flachheit des gewöhnlichen Urtheils ein recht tröstlicher Laut ist. Senden Sie ihn mir, sobald Sie ihn gelesen, zurück.

Ich habe mir nicht gemerkt, wie viele Exemplare der Horen von jedem Monat und jeder Sorte ich Ihnen gestern gesendet, und kann darum heute den Rest nicht nachsenden.

Humboldts schrieben neulich, daß sie mit Ende dieser Woche von Berlin abreisen, sich unterwegs zehn Tage aufhalten, und etwa den 1sten November hier eintreffen würden.

Von den Xenien habe weiter nichts erfahren. Schlegel, der wieder angekommen, war zu kurze Zeit in Leipzig, da er auch einen Abstecher nach Dessau gemacht, um viel erfahren zu können. Bei seiner Zurückkunft von Dessau, sagte er, hätten sie schon ehr in Leipzig rumort.

Ich höre, daß man auch unter andern die Herzogin in W. unter der zierlichen Jungfrau versteht.

Das Xenion: „Wieland! Wie reich ist dein Geist etc.“ halten einige für eine Satyre auf Wieland und auf die neue Ausgabe! und so fort.

Leben Sie wohl. Man unterbricht mich.

Sch.

H 230 | S 228 | B 229