Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

224. An Goethe

Jena, 12. Oktober 1796

Nach und nach kommen wir zur Ordnung und Ruhe. Das vermißte Hundert Exemplarien hat sich gefunden und Titelkupfer sind bestellt, so viel noch zu dem zwanzigsten Hundert fehlen. Titelblätter hat Göpferdt zum Glück über die Zahl drucken lassen, so daß sich noch ein Vorrath beim Buchbinder fand. Gebunden ist jetzt alles, was gebunden werden sollte; zwei große Lieferungen, vier Centner schwer, sind nach Leipzig; wegen des an Cotta in’s Reich bestimmten Quantums habe ich schon mit dem Fuhrmann contrahirt, der es in etlichen Tagen nach Frankfurt mitnimmt. Mit dem Sonnabend fällt mir die ganze Last vom Halse.

Die Nachfrage nach Exemplarien ist hier noch immer stark; aber alles will schreibpapiere, die uns grade fehlen, und postpapierne habe ich keine mehr vorräthig. Hier erhalten Sie das letzte für Hoffmann. Können Sie das übercomplete in gelb Papier gebundene, das Sie von mir haben, schonen, so ist mir’s lieb, weil wir jetzt alle gute Exemplare zu Rath halten müssen. Ich habe einzelne Bogen defecter Exemplare auf Velin- und Postpapier, woraus wir zu dem Behuf der Correctur noch ein vollständig Exemplar zusammen bringen können.

Hier allein sind sieben Velin- und acht holländische Exemplarien aufgebraucht worden, und beinahe noch einmal so viel wäre gegangen, wenn ich noch vorräthig gehabt hätte. Auch habe ich mir’s für alle künftige Fälle zur Regel gemacht, alles was ich drucken lasse gut und kostbar drucken zu lassen; so geht es am gewissesten ab, denn auch der elendeste Lump will nicht mehr mit Lumpen vorlieb nehmen.

Die erste Lieferung, so viel nämlich davon in Ein Heft kommt, habe nebst Abdruck des Kupfers heute abgesendet. Der Rest ist noch nicht ganz abgeschrieben.

Unterdessen erinnern Sie sich doch auch wieder des Cellini. Wie froh wäre ich, wenn wir noch etwas Neues und Lustiges zu lesen zum Schluß des zweiten Horen-Jahrgangs auftreiben könnten.

Wenn Sie doch gelegentlich Herdern bedeuten wollten, daß er noch keine Horenstücke haben kann. Er hat davon gehört daß einzelne Stücke (die mir Cotta durch Briefpost geschickt) in Weimar spucken, und glaubt man hätte ihn vergessen.

Für den Hecht danken wir schönstens und wünschen sehr, daß Sie ihn mit uns verzehren möchten. Leben Sie recht wohl.

Alles grüßt.

Sch.

H 225 | S 223 | B 224