Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

218. An Goethe

Jena, den 9. Oktober 1796

Ich habe durch meinen Schwager diesen Morgen hundert Terpsichore und hundert Titelblätter gesendet; aber nach meiner Rechnung ist beides schon längst nach Weimar geliefert gewesen, und diese heut überschickten Abdrücke von Titel und Kupfer mußte ich von den rohen Exemplarien des Almanachs nehmen. Beide sind also verloren gegangen, wenn sie nicht entweder bei Ihnen oder bei dem Buchbinder liegen. In meinem Brief vom 5. müßte es, glaube ich, stehen, wie viel Terpsichores ich Mittwoch Abends geschickt habe.

Mit den Titelblättern ist es aber so. Ich muß hundert von diesen neu drucken lassen; es ist Schade um das Geld. So sehe ich mich frühe für das Böse gestraft, das wir den schlechten Autoren erzeigt haben. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, mit wie vielen kleine fatalen Details mich die Besorgung des Almanachs in diesen Tagen plagt, und die zu späte Sendung der Melodien macht mir schon allein drei und sechzig neue Pakete nothwendig. Es ist weder die Zeit noch die Gelegenheit die Melodien noch zu binden; sie mögen so mitlaufen; ohnehin dankt niemand den Aufwand und die Mühe.

Auf neue Decken wartet der hiesige Buchbinder mit Schmerzen. Sollte mein Schwager mir heute nichts mitbringen, so bitte ich Sie inständig mir morgen mit dem frühesten zu schicken, was bis dahin fertig werden kann. Ich begreife nicht warum uns der Abdrucker sechs Tage gar nichts mehr geschickt hat.

Hier wird noch immer nach Almanachs gefragt, aber nach lauter guten Exemplaren, womit mir gar kein Dienst geschieht. Ich fürchte wir setzen die schlechteren nicht ab, und da der guten nur fünfhundert sind, so wird es zugleich an Almanachen für die Käufer und an Käufern für die Almanache fehlen.

Wie sind Sie mit der Musik zufrieden? Was ich, in einem sehr unvollkommenen Vortrag, davon gehört, hat mir sehr gefallen. Mignon ist rührend und lieblich; auch der Besuch von mir hat einen sehr angenehmen Ausdruck. Wollen Sie so gütig seyn, von beiliegenden sieben Exemplaren der Melodien sechs an Herder und eins an Geheimerath Voigt abgeben zu lassen?

Einen Brief von Körner lege ich bei, weil er einiges über den Almanach enthält. Wir sollten ordentlich Acta über alle schriftliche und gedruckte Urtheile vom Almanach halten, um einmal, wenn es der Mühe werth ist, daraus referiren zu können.

Ich habe nicht aufgeschrieben, wie viel Exemplare des Almanachs der Buchbinder in Weimar hat. Nach dem Bestand der Auflage, die bei mir liegt und bei dem hiesigen Buchbinder noch restirt, müßten etwa noch hundert und achtzig in Weimar seyn. Wollen Sie durch Geist nachsehen lassen?

Alles befindet sich hier leidlich wohl und grüßt Sie auf’s beste.

Sch.

H 219 | S 217 | B 218