Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

217. An Schiller

Weimar, den 8. Oktober 1796

Aus dem ruhigen Zustande, den ich in Ihrer Nähe zugebracht habe, bin ich gleich auf ganz andere Schauplätze gerufen worden; gestern und vorgestern war ich auf Ettersburg und in Schwansee, und heute früh hat uns ein Brand in der Jakobsvorstadt in Bewegung gesetzt. Von Bertuchs Hause sieht man gerade hinüber in die Lücke.

Indessen haben unsere mordbrennerischen Füchse auch schon angefangen ihre Wirkung zu thun. Des Verwunderns und Rathens ist kein Ende. Ich bitte Sie um alles, ja kein zweifelhaftes zu gestehen, denn der Sinn der Räthsel wird, wie ich sehe, tausendfach.

An dem Buchbinder will ich treiben was ich kann. Dienstag erhalten Sie eine Ladung; schicken Sie aber nur wieder Titelblätter und Kupfer; ich schreibe baldmöglichst, wie wir überhaupt stehen.

Wenn es Ihnen recht ist, so will ich das eine incomplete Exemplar dazu benutzen, um die Druckfehler zu notiren; machen Sie sich auf die zweite Ausgabe bereit, und veranstalten Sie solche in klein Octav, wie Sie neulich sagten.

Hier folgt ein reiner Abdruck der Hirt’schen Platte; sie soll Montags nach Frankfurt; wenn ich die Fortsetzung des Manuscripts erhalte, corrigire ich auch die andere. Schreiben Sie mir nur bei Zeiten, worin ich Ihnen beistehen kann, denn ich sehe viele Zerstreuung voraus. Sagen Sie doch Ihrem Herrn Schwager, nebst vielen Empfehlungen, er möge den Scheffauerschen Antrag nicht geradezu ablehnen; ich habe einen Gedanken darüber, den ich Ihnen nächstens mittheilen will. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie die Frauenzimmer schönstens.

G.

H 218 | S 216 | B 217