Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

206. An Goethe

Jena, 5. August 1796

Matthisson ist heute hier durchgereist. Er kommt unmittelbar aus Italien über Triest und Wien. Seinen Versicherungen nach soll die Reise nach Italien nicht so bedenklich seyn. Er glaubt der Weg von Triest nach Rom über Ancona sollte keine Schwierigkeit haben. Es ist ihm selbst auf der Reise keine Unannehmlichkeit begegnet, und aufgehalten wurde er bloß in Nürnberg, wo es an Pferden fehlte. Wenn es also binnen drei, vier Wochen entschieden würde, ob Sie für Haus und Herd nichts zu fürchten haben, so wäre die Reise doch noch nicht aufzugeben. Auch Hirt hat Italien verlassen; Matthisson hat sich in Wien von demselben getrennt; doch sagt er, Hirt würde auch hierher kommen. Von Meyern wußte er nicht mehr zu erzählen als wir wissen, und überhaupt hat er nicht viel neues über die neuesten Ereignisse zu erzählen gehabt.

Ich sende Ihnen hier eine Anzahl ernsthafter Xenien, die ich, aus den Ihrigen und den Meinigen gemischt, in Einen Strauß zusammen gebunden habe, damit doch auch, in Absicht auf die ernsthaften Stücke, die Idee einiger beiderseitigen Vereinigung in etwas erfüllet werde. Haben Sie die Güte, das Manuscript anzusehen und zu bemerken, wo Sie etwas anders wünschen. Fänden Sie keine Erinnerung zu machen, so erbitte ich mir das Manuscript mit retournirendem Botenmädchen zurück, um es gleich an Göpferdt zu geben.

Von andern Sachen das nächstemal. Ich bin nicht allein. Möge Sie dieser Brief heiter und beruhigt finden! Bei mir ist alles recht wohl, und meine Frau läßt Sie herzlich grüßen.

Sch.

H 206 | S 205 | B 206