Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe

199. An Schiller

Weimar, 26. Juli 1796

Ich schicke hier einen guten Brief von Meyer; es ist der zweite den ich von Florenz erhalte, wo er sich ganz wohl befindet; ich wünsche nur daß er sich mit recht breiter Ruhe daselbst festsetzen möge.

Auf den Sonnabend schicke ich wohl noch ein paar Dutzend Xenien. Könnten Sie mir nicht, wie Sie bei’m Almanach vorwärts rucken, das Manuscript erst herüberschicken. Ich habe in den Xenien manche Stelle verändert, auch hie und da noch Überschriften gefunden, vielleicht wäre etwas davon zu brauchen.

Die Abschrift des Romans geht vorwärts und ich finde noch mancherlei darin zu thun; ich hoffe ihn den 3ten oder den 6. August zu schicken; den 10ten besuche ich Sie und da, hoff’ ich, wollen wir bald zum Schluß kommen.

Bis dahin wird sich auch wohl das politische Unheil mehr aufgeklärt haben; Thüringen und Sachsen hat, so scheint es, Frist sich zu besinnen, und das ist schon viel Glück.

Kants Aufsatz über die vornehme Art zu philosophiren, hat mir viel Freude gemacht; auch durch diese Schrift wird die Scheidung dessen, was nicht zusammen gehört, immer lebhafter befördert.

Die Auto da Fe der Stolberge und die Epigramme der Baggesen sollen ihnen übel bekommen; sie haben ja so nur einen Credit weil man sie tolerirt hat, und es wird keine große Mühe kosten sie in den Kreis zu bannen wohin sie gehören. Leben Sie recht wohl! Ich wünsche Ihrer Frau bei der Veränderung gute Gesundheit und dem Kleinen, bei seiner neuen Nahrung, Gedeihen. Ich werde indessen so fleißig als möglich seyn, um einige Zeit in Ruhe bei Ihnen bleiben und mich über manche neue Unternehmung mit Ihnen unterhalten zu können.

G.

H 199 | S 198 | B 199