593. An Goethe

Jena, den 12. März 1799

Daß meine zwei ersten Acte eine so gute Aufnahme gefunden, freut mich sehr; die drei letzten, wenn ich sie auch nicht ganz so genau auszuführen Zeit habe, sollen wenigstens dem ganzen Effect nach nicht hinter den ersten zurückbleiben. Die Arbeit avancirt jetzt mit beschleunigter Bewegung, und wenn ich jeden Tag anwenden kann, wie diese letztern, so ist es nicht unmöglich, daß ich Ihnen den ganzen Rest des Wallenstein’s kommenden Montag durch einen Expressen sende, um das Manuscript, im Fall keine Erinnerungen dagegen zu machen wären, mit der Montag-Abendspost an Iffland zu expediren.

Erwarten Sie darum in dieser Woche nicht viel von mir zu hören.

Daß das trojanische Feld sich anfängt um Sie auszubreiten höre ich mit wahrer Freude. Bleiben Sie in dieser guten Stimmung und möge das heitere Wetter Sie dabei secundiren.

Leben Sie recht wohl. Meine Frau, die wieder wohl ist, grüßt Sie herzlich. Der Gries ist angelangt von Dresden; es ist ein schwerer Kasten und wir wollen ihn, wenn Sie ihn nicht sogleich verlangen, mit einer Gelegenheit abschicken. Es ist nur für drei Thaler und einige Groschen, weil nicht mehr Vorrath da gewesen; die Mühle war wegen des Frosts still gestanden.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 585 | S 583 | B 586

Keine Kommentare |

592. An Schiller

Weimar, den 10. März 1799

Nur mit ein paar Worten und mit einem herzlichen Gruße von Meyern begleite ich diese Sendung. Es ist ihm wie mir gegangen, er konnte im lesen keine Pause machen. Von dem theatralischen Effect kann man gewiß seyn. Seit einigen Tagen halte ich mich mit aller Aufmerksamkeit auf der Ebene von Troja fest. Wenn meine Vorbereitung glücklich von Statten geht, so kann die schöne Jahrszeit mir viel bringen. Verzeihen Sie mir daher, wenn ich mich einige Zeit stille halte, bis ich etwas aufweisen kann. Leben Sie recht wohl und vollenden glücklich Ihr Werk.

G.

H 584 | S 582 | B 585

Keine Kommentare |

591. An Schiller

Weimar, den 9. März 1799

Die zwei Acte Wallenstein’s sind fürtrefflich und thaten beim ersten Lesen auf mich eine so lebhafte Wirkung, daß sie gar keinen Zweifel zuließen.

Wenn sich der Zuschauer bei den Piccolomini’s aus einem gewissen künstlichen, und hie und da willkürlich scheinenden Gewebe nicht gleich herausfinden, mit sich und andern nicht völlig Eins werden kann, so gehen diese neuen Acte nun schon gleichsam als naturnothwendig vor sich hin. Die Welt ist gegeben in der das alles geschieht, die Gesetze sind aufgestellt nach denen man urtheilt, der Storm des Interesses, der Leidenschaft, findet sein Bette schon gegraben in dem er hinabrollen kann. Ich bin nun auf das übrige sehr verlangend, das mir nach Ihrer neuen Anlage ganz neu seyn wird.

Nachdem ich heute früh Ihre beiden Acte mit wahrem Antheil und inniger Rührung gelesen, kommt mir das dritte Stück vom Athenäum zu, in das ich mich einlasse und worüber mir die Zeit verstreicht. Die Botenstunde schlägt und hier nur noch gute Nachricht: daß ich, durch Ihren Zuruf ermuntert, diese Tage meine Gedanken auf dem trojanischen Felde festgehalten habe. Ein großer Theil des Gedichts, dem es noch an innerer Gestalt fehlte, hat sich bis in seine kleinsten Zweige organisirt, und weil nur das unendlich Endliche mich interessiren kann, so stelle ich mir vor daß ich mit dem Ganzen, wenn ich alle meine Kräfte drauf wende, bis Ende Septembers fertig seyn kann. Ich will diesen Wahn so lange als möglich bei mir zu erhalten suchen.

Wallenstein schicke ich morgen wieder zurück.

Grüßen Sie Ihre liebe Frau, der ich eine bessere Gesundheit wünsche, und rücken Sie dem Schlusse des Trauerspiels glücklich immer näher.

G.

H 583 | S 581 | B 584

Keine Kommentare |

590. An Goehte

Jena, den 7. März 1799

Versprochenermaßen sende hier die zwei ersten Acte des Wallenstein’s, denen ich eine gute Aufnahme wünsche. Sagen Sie mir wo möglich gleich morgen ein Wörtchen darüber, und senden mir das Manuscript durch die Sonntagabendspost wieder zu, da ich keine lesbare Abschrift davon habe, und meinen Copisten auch nicht feiern lassen darf.

Zugleich lege ich Iffland’s Nachricht von der Vorstellung der Piccolomini bei, nebst dem Komödienzettel. Es ist gerade so ausgefallen, wie ich muthmaßte, und man kann für’s erste damit zufrieden seyn. Das dritte Stück wird durchbrechen wie ich hoffe.

Ich habe es endlich glücklicherweise arrangiren können, daß es auch fünf Acte hat, und den Anstalten zu Wallenstein’s Ermordung ist eine größere Breite sowohl als theatralische Bedeutsamkeit gegeben. Zwei resolute Hauptleute, die die That vollziehen, sind handelnd und redend eingeflochten, dadurch kommt auch Buttler höher zu stehen, und die Präparatorien zu der Mordscene werden furchtbarer. Freilich hat sich dadurch auch meine Arbeit um ein ziemliches vermehrt.

Leben Sie recht wohl für heute. Meine Frau, die nicht ganz wohl war, aber wieder besser ist, grüßt herzlich. Für die Rüben danken wir schön.

Sch.

H 582 | S 580 | B 583

Keine Kommentare |

589. An Schiller

Weimar, den 6. März 1799

Ich muß mich nur, nach Ihrem Rath, als eine Zwiebel ansehen, die in der Erde unter dem Schnee liegt, und auf Blätter und Blüthen in den nächsten Wochen hoffen.

Der Druck der Propyläen ist im Gange, und ich bringe nach meiner gewöhnlichen Art manches andere bei Seite um mir bald möglichst einige freie Wochen zu verschaffen, die ich zum Besten anzuwenden gedenke. Es ist sehr sonderbar, daß meine Lage, die im allgemeinen genommen nicht günstiger seyn könnte, mit meiner Natur sehr im Widerstreite steht. Wir wollen sehen, wie weit wir’s im Wollen bringen können.

Sie erhalten die Piccolomini und den Brief. Eben die Hand dieses allgegenwärtigen Freundes werden sie in den Acten über die Veruntreuung von Wallenstein’s Lager antreffen. Seine ganze Existenz gründet sich auf Mäkelei und Sie werden wohl thun ihn von sich zu halten. Wer Pech knetet klebt seine eigenen Hände zusammen. Es paralysirt nichts mehr als irgend ein Verhältniß zu solchen Schuften, die sich unterstehen können den Octavio einen Buben zu nennen.

In diesem Wintertagen, die sich erneuern, ist Palmira ein recht erwünschtes Geschenk. Ich kann kaum erwarten bis die Oper wieder aufgeführt wird, und es geht mehr Leuten so.

Leben Sie recht wohl und verzeihen Sie der abermaligen Unfruchtbarkeit dieses Briefes, der ich durch eine Portion Rüben nachzuhelfen suche.

Grüßen Sie Ihre liebe Frau und fahren Sie fort mir in guten und bösen Stunden durch die Kraft Ihres Geistes und Herzens beizustehen.

G.

H 581 | S 579 | B 582

Keine Kommentare |

588. An Goethe

Jena, den 5. März 1799

Es hat mich diesen Winter oft geschmerzt, Sie nicht so heiter und muthvoll zu finden, als sonst, und eben darum hätte ich mir selbst etwas mehr Geistesfreiheit gewünscht, um Ihnen mehr seyn zu können. Die Natur hat Sie einmal bestimmt, hervorzubringen; jeder andere Zustand, wenn er eine Zeitlang anhält, streitet mit Ihrem Wesen. Eine so lange Pause, als Sie dasmal in der Poesie gemacht haben, darf nicht mehr vorkommen, und Sie müssen darin ein Machtwort aussprechen und ernstlich wollen. Schon deßwegen ist mir Ihre Idee zu einem didaktischen Gedichte sehr willkommen gewesen; eine solche Beschäftigung knüpft die wissenschaftlichen Arbeiten an die poetischen Kräfte an und wird Ihnen den Übergang erleichtern, an dem es jetzt allein zu fehlen scheint.

Wenn ich mir übrigens die Masse von Ideen und Gestalten denke, die Sie in den zu machenden Gedichten zu verarbeiten haben, und die in Ihrer Phantasie lebendig liegen, so daß ein einziges Gespräch sie hervorrufen kann, so begreife ich gar nicht, wie Ihre Thätigkeit auch nur einen Augenblick stocken kann. Ein einziger dieser Plane würde schon das halbe Leben eines andern Menschen thätig erhalten. Aber Ihr Realism zeigt sich auch hier; wenn wir andern uns mit Ideen tragen und schon darin eine Thätigkeit finden, so sind Sie nicht eher zufrieden, als bis Ihre Ideen Existenz bekommen haben.

Das Frühjahr und der Sommer werden alles gut machen, Sie werden sich nach der langen Pause desto reicher entladen, besonders wenn Sie den Gesang aus der Achilleis gleich vornehmen, weil dadurch eine ganze Welt in Bewegung gesetzt wird. Ich kann jenes kurze Gespräch, wo Sie mir den Inhalt dieses ersten Gesangs erzählten, noch immer nicht vergessen, so wenig als den Ausdruck von heiterem Feuer und aufblühendem Leben, der sich bei dieser Gelegenheit in Ihrem ganzen Wesen zeigte.

Hier wieder ein Brief von Ubique. Der Mensch kann doch nicht ruhen sich in andere Affairen zu mischen. Und seine schreckliche Saalbaderei über Wallenstein und die Weiber des Stücks! Ich werde mein Stück dazu nicht hergeben, Schröder’s Müthlein and en Hamburger Schauspielern zu kühlen.

Opitz will die Stücke für die Leipziger Bühne haben. Seyen Sie doch so gütig mir mit dem Botenmädchen die Piccolomini zu schicken, die das Theater jetzt nicht braucht. Ich muß sie abschreiben lassen.

Von Iffland habe ich noch nichts gehört, wohl aber erfuhr ich auf einem andern Weg daß Iffland die erste Vorstellung der Piccolomini nach dem unverkürzten Exemplar gegeben, daß sie bis halb Eilf soll gewährt haben, und daß er bei der zweiten Vorstellung gezwungen gewesen, das abgekürzte Stück zu geben und solches auch auf dem Komödienzettel anzukündigen. Es ist mir sehr verdrießlich, und da er die Länge des Stücks aus den Proben recht gut muthmaßen konnte, so ist es sehr ungeschickt von ihm gewesen. Er soll den Octavio gespielt haben, wie Böttiger schreibt, Thekla sey von Mad. Fleck gespielt worden. Vom Succeß selbst habe ich noch nichts gehört, wahrscheinlich kam die Nachricht, die mir Gries mittheilte, aus dem Schlegelschen Hause.

Auf den Freitag sende ich die zwei ersten Acte des Wallenstein’s. An Iffland sende ich nichts, bis er mir geschrieben hat.

Leben Sie recht wohl und erheitern Sie sich trotz des wiederkehrenden Winters, der hier sehr traurig aussieht. Herzlich grüßen wir Sie beide.

Sch.

H 580 | S 578 | B 581

Keine Kommentare |

587. An Schiller

Weimar, den 3. März 1799

Ihr Brief kam mir gestern sehr spät zu und ich antworte heute um diese Communication wieder in Gang zu bringen.

Ich freue mich, daß dieser Winter überhaupt Ihnen günstig war, da er sich so schlecht gegen mich betrug. Es ist keine Frage daß wir zusammen in manchem Sinne vorwärts gekommen sind, und ich hoffe die gute Jahrszeit wird uns die Stimmung geben um es auch praktisch zeigen zu können.

Körners Brief kommt mir wunderbar vor, wie überhaupt alles Individuelle so wunderbar ist. Es weiß sich kein Mensch weder in sich selbst noch in andere zu finden und muß sich eben sein Spinnengewebe selbst machen, aus dessen Mitte er wirkt. Das alles weist mich immer mehr auf meine poetische Natur zurück. Man befriedigt bei dichterischen Arbeiten sich selbst am meisten und hat noch dadurch den besten Zusammenhang mit andern.

Wegen Wallensteins Lager will ich eine strenge Untersuchung anstellen lassen. Ihre Vermuthung scheint mir nur allzu gegründet. In diesen glorreichen Zeiten, wo die Vernunft ihr erhabenes Regiment ausbreitet, hat man sich täglich von den würdigsten Männern einer Infamie oder Absurdität zu gewärtigen.

Ich betreibe nun meine hiesigen Geschäfte und Angelegenheiten so daß ich mich dadurch auf die nächste Zeit frei mache. Übrigens bin ich vom schlimmsten Humor, der sich auch wohl nicht verbessern wird, bis irgend eine Arbeit von Bedeutung wieder gelungen seyn wird.

Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Ihre liebe Frau und seyen Sie recht fleißig. Was mich betrifft, so sehe ich voraus daß ich keine zufriedene Stunde haben werde, bis ich mich wieder in Ihrer Nähe befinde, um auf eine erwünschte Weise thätig seyn zu können. Auf den Sommer muß ich mir was erfinden es sey was es will, um mir eine gewisse Heiterkeit wieder zu geben, die ich in der schlimmsten Jahrszeit ganz vermißte.

G.

H 579 | S 577 | B 580

Keine Kommentare |

586. An Goethe

Jena, den 1. März 1799

Nach acht Wochen Stillstand beginnt also das Commercium durch die Botenfrau wieder. Ich glaube in eine viel ältere Zeit zu blicken, als es wirklich ist. Das theatralische Wesen, der mehrere Umgang mit der Welt, unser anhaltendes Zusammenseyn haben meinen Zustand indessen um vieles verändert, und wenn ich erst der Wallensteinischen Massa werde los seyn, so werde ich mich als eine ganz neuen Menschen fühlen.

Körner hat geschrieben, ich lege seinen Brief bei.

Das Humboldtische Werk scheint auch bei ihm kein Glück zu machen; es ist wirklich nöthig, daß man einen passenden Auszug daraus vor das Publicum bringe, daß das Gute und Schätzenswerthe seiner Ideen in Curs gesetzt wird. [Wie gut ist es übrigens, daß Sie bei den Propyläen nicht auf Humboldt gerechnet haben, da man sieht, wie es ihm bei allem Scharfsinn und Geist nicht möglich ist, den Leser festzuhalten. Es ist doch eine sonderbare Erscheinung, daß er, indem er der Flachheit und dilettantischen Leichtigkeit, welche sonst die autores nobiles charakterisiert, zu entgehen suchte, in diese trockne Manier verfallen mußte]*.

Ich erhielt heute einen Brief von der Schimmelmann, der mir einen sehr schicklichen Anlaß gibt, die bewußte Sache anhängig zu machen. Auch erfuhr ich darin, zu meinem nicht geringen Erstaunen, daß Wallensteins Lager in Coppenhagen ist, denn es ist da bei Schimmelmanns vorgelesen und sogar an seinem Geburtstag von guten Freunden aufgeführt worden. Ich wüßte keinen andern Weg als von Weimar aus, und fürchte daß Ubique auch hier seine Hand im Spiele habe. Haben Sie doch die Güte es zu untersuchen, und besonders bitte ich, die Piccolomini zu sich in’s Haus zu nehmen; denn es wäre doch ein fataler Streich, wenn die Sachen in der Welt herumliefen. Auf Iffland kann ich keinen Verdacht haben. Ubique hat neuerlich in Coppenhagen Mäkelei getrieben, und von seiner Indiscretion ist alles zu erwarten.

Ich kann Ihnen heute nichts mehr sagen, die Post drängt mich, und ich muß auch den Ubique abfertigen. Leben Sie recht wohl, Meyern viele Grüße. Meine Frau empfiehlt sich bestens; sie hat gestern der Loderischen Komödie beigewohnt und sich ganz artig amusirt.

Sch.

* Nicht bei H, zitiert nach S.

H 578 | S 576 | B 579

Keine Kommentare |

585. An Schiller

Jena, den 17. Februar 1799

Hier schicke ich die erste Lage, mit der Bitte die politische Möglichkeit, sich zum König von Böhmen zu machen, kürzlich auszuführen. Man kann dieses und was sonst noch einzuschalten nöthig wäre, auf besondere Blätter schreiben und einlegen, ohne daß man nöthig hätte das Ganze nochmals abzuschreiben. Bis Ein Uhr hoffe ich ziemlich weit vorgerückt zu seyn und Sie alsdann wieder bei mir zu sehen, wo es über Ifflands Brief manche Betrachtungen geben wird.

G.

H 577 | S 575 | B 578

Keine Kommentare |

584. An Schiller

Weimar, den 3. Februar 1799

Es war mir sehr angenehm zu hören daß die gestrige Aufführung um vieles besser als die erste gegangen ist; es läßt sich nun überlegen was man thut um nach einer Pause die dritte noch weiter zu treiben.

Erzeigen Sie mir heute das Vergnügen Sie Mittags zu Tische bei mir zu sehen, morgen sind Sie zu Durchlaucht dem Herzog auf’s Zimmer eingeladen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

G.

H 576 | S 574 | B 576

Keine Kommentare |