633. An Goethe

Jena, den 12. Juli 1799

Die Vortheile, die Sie mir so freundlich bewilligen, kommen mir bei meiner kleinen Haushaltung so erquicklich und erwünscht, wie der Regen der seit vorgestern unser Thal erfreut und erfrischt hat. Auch die Facilität des Hofkammerraths erfreut mich, in so fern sie mir beweist, daß er mit meiner theatralischen Gabe nicht unzufrieden war. Daß uns ein schönes Geschenk von Silberarbeit von Seiten der regierenden Herzogin erwarte, haben wir auch schon vernommen. Die Poeten sollten immer nur durch Geschenke belohnt, nicht besoldet werden; es ist eine Verwandtschaft zwischen den glücklichen Gedanken und den Gaben des Glücks: beide fallen vom Himmel.

Ich habe die Aufsätze über Akademien und Zeichenschulen nun mit Aufmerksamkeit durchlesen und große Freude daran gehabt, ja ich konnte nicht davon wegkommen bis ich am Ende war. Außerdem daß sie so richtig gedacht und so praktisch überzeugend sind, sind sie auch äußerst anziehend geschrieben und müßten nothwendig, wenn man das Publicum nicht ganz und gar widerstreben annehmen muß, für sich allein schon die Propyläen in Aufnahme bringen. Jetzt müssen wir vorerst nur an die möglichste Verbreitung und Bekanntmachung der Propyläen denken, und es würde zu diesem Zwecke nicht übel gethan seyn einige Dutzend Exemplare an die rechten Plätze zu verschenken. Auch wollen wir, wenn Sie hieher kommen, zusammen ein halbes Dutzend Anzeigen des Journals für die öffentlichen Blätter aufsetzen; Cotta wird sie schon anzubringen wissen.

Mit meiner Arbeit geht es zwar nicht sehr schnell, aber doch seit einiger Zeit ohne Stillstand fort. Die nöthige Exposition des Prozesses und der Gerichtsform hat, außerdem daß solche Dinge mir nicht geläufig sind, auch eine Tendenz zur Trockenheit, die ich zwar überwunden zu haben hoffe, aber doch nicht ohne viel Zeit dabei zu verlieren, und zu umgehen war sie nicht. Die englische Geschichte von Rapin Thoyras, die ich seit dieser Zeit lese, hat den guten Einfluß mir das englische Locale und Wesen immer lebhaft vor der Imagination zu erhalten.

Möchten Sie nur auch blad hier seyn können. Selbst mein Garten, wo die Rosen und Lilien in der Blüthe stehen, würde Sie reizen.

Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Meyern. Von meiner Frau viel schöne Grüße.

Sch.

H 626 | S 624 | B 627

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632. An Schiller

Weimar, den 10. Juli 1799

Sie haben sehr wohl gethan bei der Gelegenheit die sich zeigte einige Bedingungen zu machen, welche der sonst ökonomische Freund sowohl als ich mit Vergnügen erfüllen wird. Man ist so gewohnt die Geschenke der Musen als Himmelsgaben anzusehen, daß man glaubt der Dichter müsse sich gegen das Publicum verhalten wie die Götter gegen ihn. Übrigens habe ich Ursache zu glauben daß Sie bei dieser Gelegenheit von einer andern Seite noch was Angenehmes erfahren werden.

Wegen der Propyläen bin ich völlig Ihrer Meinung; Verfasser, Herausgeber, Verleger scheinen mir sämmtlich interessirt daß die Schrift nicht abreiße. Verminderung der Auflage, Nachlaß am Honorar, Zaudern mit den nächsten Stücken, scheint das erste zu seyn wozu man sich zu entschließen hätte, alsdann läßt sich das Weitere überlegen und ausführen. Es ist der Fall von dem verlornen Pfeil, dem man einen andern nachschießt, nur freilich kann man dem Verleger nicht zumuthen ihn allein zu riskiren.

Ich wünsche nun gar sehr bald wieder bei Ihnen zu seyn, so wie ich unserer Gegend Regen wünsche, damit mein Inneres wie das Äußere gedeihe.

Leben sie indessen recht wohl und grüßen Ihre liebe Frau.

G.

H 625 | S 623 | B 626

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631. An Schiller

Weimar, den 9. Juli 1799

Leider muß ich durch dieses Blatt anzeigen daß ich noch nicht kommen kann. Durchlaucht der Herzog glauben, daß meine Gegenwart bei’m Schloßbau nützlich seyn könne, und ich habe diesen Glauben, auch ohne eigne Überzeugung, zu verehren. Daneben gibt es denn freilich so mancherlei zu thun und zu besorgen, daß die Zeit, wo nicht angewendet, doch wenigstens verwendet werden kann. Ich trinke meine Portion Pyrmonter Brunnen und thue übrigens was so vorkommt. Möge Ihnen die Muse günstiger seyn, damit ich, wenn ich früher oder später komme, Ihre Arbeit brav vorgerückt finde. Lassen Sie mich bald von sich hören, damit ich angefrischt werde mich wenigstens schriftlich mit Ihnen zu unterhalten, wozu ich heute weder Sitz noch Stimmung finde. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau.

G.

H 624 | S 622 | B 625

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630. An Goethe

Jena, den 9. Juli 1799

Ohne Zweifel hat Ihnen der Hofkammerrath seine Noth geklagt, und die Bedingung notificirt, unter welcher ich ihm die Aufführung meiner Stücke zu Lauchstedt accordiren kann. Er wird nun schwerlich mehr Lust dazu haben, aber ich mußte auf diesem Äquivalent bestehen, da die Bequemlichkeit der Hallenser und Leipziger die Stücke in Lauchstedt zu sehen meiner Negotiation mit Opitz nachtheilig werden kann. Die Neugier des Publicums ist das Einzige wovon was zu hoffen ist, und wenn diese abgeleitet ist, ist auf nichts mehr zu rechnen. Übrigens bestehe ich nicht gerade auf der Einnahme für die Vorstellungen, mir ist jede Auskunft lieb, welche zugleich mit der Convenienz des Theaters und der meinen bestehen kann. Ich habe noch einen Wunsch wegen Besetzung der Thekla hinzugesetzt, den Sie ohne Zweifel gut heißen werden, und die Ansprüche die etwa eine andere daran hätte machen mögen, glaube ich dadurch entfernt zu haben.

Übrigens bin ich, seit meiner Zurückkunft von Weimar, nicht viel weiter vorgerückt; die große Hitze wirkte gleich nachtheilig auf meine Stimmung und meine Gesundheit. So viele Anstalten zu Gewittern auch am Himmel indeß gewesen, so hat uns noch kein Regen erquickt; das Gras in meinem Garten ist ganz wie verbrannt.

Ich bin begierig zu erfahren, was Sie in Absicht auf die Propyläen beschließen werden. Alles wohl erwogen und die nöthige Rücksicht auf das von Cotta zugesetzte Geld genommen, hielt ich es doch für’s beste, zu versuchen, ob man die Schrift nicht jetzt noch poussiren und dadurch die erstern Hefte zugleich flott manchen kann. Bei der gehörigen Hinsicht auf dasjenige, was das Publicum vorzüglich wünscht und sucht, sollte dieß, däucht mir, nicht fehlschlagen. Man macht für’s erste kleinere Auflagen, um die Unkosten zu vermindern, Sie lassen vielleicht von dem Preise nach, man sucht dem Journal durch Zeitungen und andere Blätter mehr Publicität zu geben. Bei der ersten Ansicht verlor ich die Hoffnung zu bald; man muß aber doch nicht zu schnell das Feld räumen. Wenn Sie etwas von dem Faust hineinrückten, so würde es viel gute Folgen haben. Gegen Ende des Jahrs, nicht früher, erschiene das fünfte Stück; zu diesem könnte ich vielleicht auch etwas aus der Maria hergeben, wodurch der darstellende Theil, der immer am meisten Liebhaber findet, ein Übergewicht bekäme. Lassen Sie uns das wohl zusammen überlegen, ein festes Beharren gewinnt endlich vielleicht doch den Prozeß. Leben Sie recht wohl. Herzliche Grüße von meiner Frau.

Sch.

H 623 | S 621 | B 624

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629. An Schiller

Weimar, den 6. Juli 1799

Zwar kann ich heute noch nicht sagen, wann ich kommen werde, doch habe ich mich schon ziemlich losgemacht und hoffe nicht lange mehr zu verweilen.

Die kurzen Augenblicke unsers letzten Zusammenseyns wollte ich Ihnen mit der Geschichte nicht verderben, die Ihnen nun auch einen unangenehmen Eindruck gemacht hat. Unterdessen geht die Sache so natürlich zu, daß man sich darüber gar nicht wundern soll. Denn man sollte ja doch das Ganze, das man nicht kennt, aus den vielen integrirenden Theilen schätzen, die man kennt. Wenn wir zusammen kommen, wird sich näher überlegen lassen was zu thun ist.

Die Bücher und die Liste sollen besorgt werden. Wollten sie doch bad möglichste Wallenstein’s Lage und die Piccolomini’s an Kirms schicken. Den Wallenstein habe ich von dem Prinzen zurück erhalten. Wir wollten die Stücke gern einmal in Lauchstedt geben. Der Souffleur hat sich ad protocollum mit seinem sämtlichen Vermögen verbürgt daß er für die Stücke stehen wolle.

Bei dieser warmen Jahreszeit ist freilich Ihr Gartenhaus den Sonnenstrahlen und der heißen Luft zu sehr ausgesetzt, ich wünsche bald Regen und angenehme Kühlung, nichts aber so sehr als bald wieder in Ihrer Nähe zu seyn. Leben Sie recht wohl, und grüßen Sie Ihre liebe Fraus.

G.

H 622 | S 620 | B 623

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628. An Goethe

Jena, den 5. Juli 1799

Ich fand bei meiner Ankunft in Jena einen Brief von Cotta, worin er mir seine Unruhe über einen Brief zu erkennen giebt, den er der Propyläen wegen an Sie geschrieben habe. Was er von dem Absatz des Journals schreibt, ist zum Erstaunen, und zeigt das kunsttreibende und kunstliebende Publicum in Deutschland von einer noch viel kläglichern Seite, als man bei noch so schlechten Erwartungen je hätte denken mögen. Da man keine Ursache hat, ein Mistrauen in Cotta’s Redlichkeit zu setzen, so möchte freilich an keine Fortsetzung zu denken seyn, denn der Absatz müßte dreimal stärker werden als er ist, wenn Cotta aus dem Verlust kommen sollte. Zwar ist zu hoffen, daß das neuste Stück mehr Käufer anlocken wird, aber bei der Kälte des Publicums für das bisherige, und bei der ganz unerhörten Erbärmlichkeit desselben, die sich bei dieser Gelegenheit manifestirt hat, läßt sich nicht erwarten, daß selbst dieses Stück das Ganze wird retten können, welches übrigens abzuwarten ist. Ich darf an diese Sache gar nicht denken, wenn sie mein Blut nicht in Bewegung setzen soll, denn einen so niederträchtigen Begriff hat mir noch nichts von dem deutschen Publicum gegeben. Man sollte aber von nichts mehr überrascht werden; und wenn man ruhig nachdenkt und vergleicht, so ist leider alles sehr begreiflich.

Ich kann und mag heute von nichts anderm mehr schreiben, habe auch nicht viel zu berichten. Die Hitze ist hier unerträglich und setzt mir so zu, daß ich zu jedem guten Gedanken unfähig bin, auch habe ich zwei Nächte nicht schlafen können.

Ich vergaß neulich anzufragen, an wen ich den Zettel wegen der Bücherpreise für die Auction zu senden habe, und ersuche Sie, solchen nebst den zwei Bänden von Montesquieu, die neulich zurückgeblieben, an die Behörde abgeben zu lassen. Die Preise, die ich auf dem Zettel angemerkt, sind die niedrigsten, unter denen ich die Bücher nicht lasse, doch steht es dem Besorger frei, wenn er ein vorhergegangenes Buch über dem von mir angesetzten Preis angebracht hat, eins der folgenden alsdann auch etwas wohlfeiler zu lassen, wenn nur die Summe im Ganzen herauskommt.

Morgen hoffe ich zu erfahren, wann wir Sie erwarten können. Ich sehne mich recht nach einem längern Zusammenseyn. Meyern viele Grüße. Die Frau empfiehlt sich Ihnen herzlich. Leben Sie recht wohl und heiter.

Sch.

H 621 | S 619 | B 622

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627. An Schiller

Weimar, den 29. Juni 1799

Da ich die Hoffnung habe Sie morgen zu sehen, so mag Ihnen dieses Blatt auch nur einen Gruß zurückbringen. Sollten Sie sich entschließen bei uns zu bleiben, so könnte ein Bett bald aufgestellt werden, wenn Sie bei mir einkehren und die beiden Tage der königlichen Gegenwart mit uns überstehen wollten. Ich wünsche daß der Juli unsere Wünsche und Zwecke besser befriedigen möge als der abscheidende Monat, und verlange gar sehr Sie über verschiedenes zu sprechen.

Leben Sie beiderseits recht wohl.

G.

H 620 | S 618 | B 621

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626. An Goethe

Jena, den 28. Juni 1799

Ich sage Ihnen für heute bloß einen freundlichen Gruß; ich habe Gesellschaft diesen Abend, auf den Sonntag sehe ich Sie vielleicht selbst. Diese Woche ist nicht viel geschehen, wiewohl sie nicht ganz ohne Frucht war. Die drei nächsten Monate sollen desto ernstlicher benutzt werden, so wie sie auch, hoffe ich, Ihnen förderlich seyn werden. Sind Sie nur erst wieder von Weimar hinweg, so wird der gute Geist über Sie kommen, wenn Sie sich auch in den dicksten Thüringerwald oder auf eine andere Wartburg zurückziehen müßten.

Leben Sie recht wohl. Von meiner Frau die schönsten Grüße an Sie.

Sch.

H 619 | S 617 | B 620

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625. An Goethe

Jena,den 26. Juni 1799

Die Fahrläßigkeit meiner Botenfrau, die meinen Brief gestern liegen ließ, ist Schuld daran, daß Sie heute nichts erhielten. Eben da ich Ihren Brief erhalte, bringt man mir den meinigen zurück.

Unger hat mir heute geschrieben, aber ohne mir auf den Wink, den ich ihm wegen Ihrer Gedichtsammlung neulich gab, etwas zu antworten. Vielleicht schrieb er Ihnen selbst. Aber meinen Vorschlag, eine Sammlung deutscher Schauspiele herauszugeben, und zwar so, daß des Jahrs zehn Stücke herauskämen und über jedes eine Kritik, nimmt er mit Vergnügen an, und will hundert Carolin Honorar für diese zehn Stücke und deren Beurtheilung zahlen, wenn das Werk von uns herausgegeben würde. Wir können sehr leicht zu diesem Verdienste kommen, wenn wir das kritische Geschäft gesprächsweise unter uns abthun, in zehn bis fünfzehn Abenden ist es abgethan und für jeden sind dreihundert Thaler verdient.

Endlich habe ich auch nach langem Warten etwas von Berlin aus über den Wallenstein gehört. Er ist am 17ten Mai zum erstenmal gespielt worden, also vier Wochen später als in Weimar. Unger lobt die Aufführung so wie die Aufnahme des Stücks bei dem Publicum gar sehr. Auch hat sich schon ein Berliner Schmierer weitläufig in den Annalen der preußischen Monarchie darüber herausgelassen, das Stück zwar sehr gepriesen, aber die Stellen auch recht à la Böttiger herausgezerrt, und seinen Aufsatz damit gespickt.

Leben sie recht wohl; wir machen morgen einen Besuch bei Mellisch; Schade, daß Sie nicht auch daseyn können. Zu den optischen Beschäftigungen wünsche ich Glück. So lang Sie dafür noch etwas thun können, ist Ihre Zeit in Weimar immer wohl angewandt.

Sch.

H 618 | S 616 | B 619

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624. An Schiller

Weimar, den 26. Juni 1799

Ich habe heute keinen Brief von Ihnen erhalten und mich deswegen kaum überzeugen können daß es Mittwoch sey. Möge das Hinderniß aus keiner unangenehmen Ursache entsprungen seyn! Was mich betrifft, so rege ich mich wenigstens, da ich mich nicht bewegen kann.

Ich lasse meine kleinen Gedichte zusammen schreiben, woraus ein wunderlicher Codex entstehen wird.

Ich habe bei dieser Gelegenheit Ihren Taucher wieder gelesen, der mir wieder außerordentlich wohl und, wie mich sogar dünkt, besser als jemals gefallen hat.

Die Phänomene der sogenannten Inflexion waren auch heute wieder, bei dem schönen Sonnenschein, an der Tagesordnung.

Es ist bald gesagt: man solle genau beobachten! Ich verdenke es aber keinem Menschen wenn er geschwind mit einer hypothetischen Enunciation die Erscheinungen bei Seite schafft. Ich will in gegenwärtigem Falle alles was nur an mir ist zusammennehmen und brauchen, es ist aber auch nöthig. Dagegen sehe ich wohl daß es vielleicht der letzte Knoten ist der mich bindet, durch dessen Auflösung wahrscheinlich die schönste Freiheit über das Ganze zu erringen ist.

Leben Sie recht wohl und fleißig.

G.

H 617 | S 615 | B 618

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