869. An Schiller

Jena, den 7. Mai 1802.

Madame Bürger hat uns bis jetzt noch verschont, wenn sie nicht etwa morgen noch kommt und auf eine Sonntagsdeclamation Anspruch macht. Auf alle Fälle werde ich mich in eine Ecke des Saals, nicht weit von der Thüre, setzen und nach Beschaffenheit der Umstände aushalten oder auf und davon gehen.

Was Sie mir von Iphigenia sagen, ist mir erfreulich. Könnten und möchten Sie das Werk bis zur Aufführung treiben, ohne daß ich eine Probe sähe, und es Sonnabend den 15ten geben, so bleibe ich noch eine Woche hier und brächte maches vor und hinter mich.

Wie ich höre geht der Theaterbau zu Lauchstedt recht gut von Statten. Ich bin recht neugierig wie dieser Pilz aus der Erde wachsen wird.

Wenn Sie eine Leseprobe von Alarkos gehalten haben, so sagen Sie mir doch ein Wort davon.

Es ist mir diese Tage ein anderes neues dramatisches Product zugeschickt worden, das mir, ich mag wohl so sagen, Kummer macht. Ein unverkennbares Talent, sorgfältiges Nachdenken, Studium der Alten, recht hübsche Einsicht, brauchbare Theile und im Ganzen unzulänglich, indem es weder vor- noch rückwärts Face macht. Den zehnten Theil davon hätte man vielleicht produciren können, aber, so wie es liegt ist es ganz und gar unmöglich. Wie ich zurückkomme, sollen Sie es sehen und werden wahrscheinlich noch größere Klagelieder anstimmen. Sagen Sie aber niemand nichts davon, auch nichts von meiner vorläufigen Anzeige; denn wir müssen es unter uns in der Stille zurecht legen.

Das Bibliothekswesen construirt sich nach und nach, obgleich noch immer langsam genug. Ich halte meine Taktik und suche nur immer von Epoche zu Epoche vorzurücken.

Irgend eine poetische Stunde und sonst ein wissenschaftlicher Gewinn fällt auch mit ab.

Leben Sie recht wohl und richten sich recht behaglich ein.

G.

H 856 | S 858 | B 860

868. An Goethe

Weimar, den 5. Mai 1802

Ich komme in diesem Augenblick aus der Regierung, wo man mich länger warten lassen als ich dachte, und kann Ihnen also, da das Botenmädchen gleich fort will, bloß das Nöthigste schreiben.

Iphigenia wäre auf keinen Fall auf den Sonnabend zu zwingen gewesen, weil die Hauptrolle sehr groß, und schwer einzulernen ist. Es war schlechterdings nöthig der Vohs Zeit dazu zu geben. Ich hoffe übrigens das Beste für dieses Stück; es ist mir nichts vorgekommen, was die Wirkung stören könnte. Gefreut hat es mich, daß die eigentlich poetisch schönen Stellen und die lyrischen besonders auf unsere Schauspieler immer die höchste Wirkung machten. Die Erzählung von den Thyestischen Gräueln, und nachher der Monolog des Orest, wo er dieselben Figuren wieder in Elysium friedlich zusammen sieht, müssen als zwei sich aufeinander beziehende Stücke und als eine aufgelöste Dissonanz vorzüglich herausgehoben werden. Besonders ist alles daran zu wenden, daß der Monolog gut executirt werde, weil er auf der Gränze steht, und wenn er nicht die höchste Rührung erweckt, die Stimmung leicht verderben kann. Ich denke aber er soll eine sublime Wirkung machen.

Den übeln Erfolg der Ariadne wird Ihnen der Hofkammerrath schon berichtet haben. Sie können ihm alles Schlimme glauben, was er Ihnen davon schreiben mag; denn diese Elise ist eine armselige herz- und geistlose Komödiantin von der gemeinen Sorte, die durch ihre Ansprüche ganz unausstehlich wird. Doch Sie werden sie selbst sehen und hören, wenn Sie länger in Jena bleiben, denn sie denkt in etlichen Tagen ein Declamationsconcert dort zu geben.

Wir sind seit sechs Tagen eingezogen und freilich noch in größer Confusion, doch habe ich mich in den Morgenstunden in etwas zur Arbeit sammeln können und hoffe nun bald recht in Gang zu kommen.

Zu der lyrischen Ausbeute gratulire ich. Genießen Sie die schöne Jahrszeit auf’s beste und denken unser.

Sch.

H 855 | S 857 | B 859

867. An Hofrath Kirms

Weimar, den 4. Mai 1802

Madame B. hat freilich gestern so allgemein mißfallen, daß man sich durch eine zweite Rolle die man ihr gestattet, bei dem Publicum schlecht empfehlen wird. Ariadne ist zwar keine Rolle gewesen, um das Verdienst einer Schauspielerin ins Licht setzen zu können, aber ihr Unverdienst hat sie leider dadurch vollkommen an den Tag gelegt. Außerdem also, daß Sie, wenn sie den Sonnabend noch einmal auftritt, ihr ein doppeltes Viaticum auf den Weg geben müssen, riskiren Sie auch ein leeres Haus und kommen in Schaden. Diese Gründe, nebst der wirtschaftlichen Unbrauchbarkeit der Dame zum Theater, dürften wohl hinreichend seyn, auch den Hrn. Geheimen Rath zu überzeugen, daß es besser gethan war sich derselben bald auf eine gute Art zu entledigen.

Eh. Wohlgeboren
geh. Diener
Schiller

H 854 | S | B

866. An Schiller

Jena, den 4. Mai 1802

Zuerst meinen herzlichen Wunsch daß die Veränderung des Quartiers möge glücklich abgelaufen seyn! Es soll mich sehr freuen Sie in einer neuen, freundlichen, gegen die Sonne und das Grüne gerichteten Wohnung gesund thätig anzutreffen.

Nun wünscht’ ich aber auch von Ihnen über unsere theatralischen Angelegenheiten etwas zu vernehmen. Was auguriren Sie von Iphigenien, die sich, wie voraus zu sehen war, etwas verspätet? Was sagen Sie vom Madame Bürger, deren Erscheinung ich wohl gern selbst mit abgewartet hätte.

Bei der Bibliothekseinrichtung steht mir die Art der Jenenser, die sich nahezu mit der Italiäner göttlichem Nichtsthun vergleicht, auf eine verdrießliche Weise entgegen. Ich gebe die Bemerkung zum besten, daß das Arbeiten nach vorgeschriebener Stunde, in einer Zeitenreihe regelmäßig vorgenommen, solche Menschen hervorbringt und bildet, die auch nur das Allernothdürftigste, stundenweis und stundenhaft möchte man sagen, arbeiten. ich werde so lange als möglich hier bleiben, weil ich überzeugt bin, daß, wie ich weggehe, das Ganze wieder mehr oder weniger stocken wird.

Was mich übrigens selbst und mein Näheres betrifft, so geht mir manches von statten. Einiges Lyrische hat sich wieder eingefunden und ich habe die Urquelle der nordischen Mythologie, weil ich sie eben vor mir fand, in ruhigen Abenden durchstudirt, und glaube darüber ziemlich im Klaren zu seyn; wie ich mich deßhalb, wenn ich wieder komme, legitimiren werde. Es ist gut auch in einem solchen Felde nur einmal einen Pfahl zu schlagen und eine Stange aufzustellen, nach der man sich gelegentlich orientiren kann.

So spricht auch ein solches Bibliothekswesen uns andere lebhaft an, selbst wenn man nur minutenweis in die Bücher hineinsieht. Sehr günstig finde ich die Wirkung meiner physischen, geognostischen und naturhistorischen Studien. Alle Reisebeschreibungen sind mir als wenn ich in meine flache Hand sähe.

Daß die Gegend in dieser Blüthenzeit außerordentlich schön sey, darf ich Ihnen nicht sagen; ein Blick aus Ihrer obern Gartenstube, mit der Sie, wie ich höre, einen Philosophen beliehen haben, würde jetzt sehr erquicklich seyn.

Leben Sie recht wohl und sagen mir ein Wort.

G.

Daß Loder seinen Schwiegervater, Frau und Kind nach Warschau bringt, daß die Krankheit unserer Freundin Paulus sich in einen gesunden Knaben aufgelöst hat gehört wohl für Sie nicht unter die Neuigkeiten.

H 853 | S 856 | B 858

865. An Schiller

Weimar, den 25. April 1802

Hiebei übersende die verlangte Summe und die beiden ersten Hogarthischen Lieferungen, die ich eben vorfinde.

Dabei frage ich an wie Sie es heute halten wollen. Wenn Sie Abends nicht gern ausgehen, so könnten Sie ja früher kommen und vor Sonnenuntergang wieder zu Hause seyn. Wollen Sie mir hierüber Ihren Entschluß wissen lassen, so bestelle ich Ehlers wegen einiger musikalischen Späße.

G.

H 852 | S 855 | B 857

864. An Schiller

Weimar, den 20. April 1802

Da wir wahrscheinlich auf den Sonnabend Turandot geben, so ersuche ich Sie um die neuen Räthsel, damit wir solche bei Zeiten an die nicht allzeit fertigen Schauspieler abgeben können.

G.

H 851 | S 854 | B 856

863. An Goethe

[Weimar, den 16. April 1802]

Ich sage Ihnen einen freundlichen Gruß zum Abschied und wünsche viel Vergnügen und schönes Wetter.

Von den Rätseln sende ich das eine, welches ich gestern niedergeschrieben. An die zwei andern will ich heute morgen denken; man kann dergleichen nur ruckweise expedieren.

Lassen Sie mir doch mündlich durch Überbringer wissen, wenn Turandot eigentlich soll gespielt werden?

S.

H – | S 834 | B 855

Datierung nach B

862. An Goethe

Weimar, den 20. März 1802

Ich freue mich daß Sie bald wieder hier seyn und daß wir den Eintritt des Frühjahrs zusammen zubringen werden, der mich immer traurig zu machen pflegt, weil er ein unruhiges und gegenstandloses Sehnen hervorbringt.

Gern will ich das Mögliche thun, um die Iphigenia zur theatralischen Erscheinung zu bringen; es ist bei einem solchen Geschäft immer viel zu lernen, und an dem Erfolg zweifle ich nicht, wenn unsre Leute das Ihrige leisten. Es ist mir neulich sogar aus Dresden geschrieben worden, daß man die Iphigenia dort auf die Bühne bringen will, und gewiß werden noch andre Theater nachfolgen.

Mit dem Karlos bin ich auf ziemlich gutem Wege und hoffe in acht oder zehn Tagen damit zu Stande zu seyn. Es ist ein sicherer theatralischer Fond in dem Stück, und es enthält vieles, was ihm die Gunst verschaffen kann. Es war freilich nicht möglich, es zu einem befriedigenden Ganzen zu machen, schon darum weil es viel zu breit zugeschnitten ist; aber ich begnügte mich, das Einzelne nur nothdürftig zusammen zu reihen und so das Ganze bloß zum Träger des Einzelnen zu machen. Und wenn vom Publicum die Rede ist, so ist das Ganze doch das, was zuletzt in Betrachtung kommt.

Die Jungfrau v. O. Wollen wir aber erst in Lauchstedt spielen lassen, ehe wir hier damit auftreten. Ich muß mir dieses ausbitten, weil sich der Herzog einmal bestimmt dagegen erklärt hat, und ich auch nicht von ferne den Schein haben möchte, als wenn ich die Sache betrieben hätte. Mündlich darüber mehr. Der zweite Grund ist, weil ich im vorigen Jahre der Jagemann die Johanne zugetheilt, so würde es sonderbar aussehen, wenn ich ihr die Rolle jetzt nehmen wollte. Wird aber das Stück in Lauchstedt zuerst und die Johanna durch die Vohs gespielt, so kann jene alsdann auch bei der hiesigen Repräsentation keinen Anspruch mehr daran machen. Ich will das Stück in den letzten Wochen des hiesigen Theaterjahrs einlernen lassen und selbst einige Proben dirigiren, daß es gut gelernt wird und daß man in Lauchstedt in allen Ehren damit auftreten kann.

Für meine andern ältern Stücke kann ich dieses Jahr nichts mehr thun; auch eilt es damit nicht, denn wenn nur noch die Iphigenia zu Stande kommt, so kommt die Gesellschaft dieses Jahr reicher als niemals nach Lauchstedt. Ja, es wäre kaum möglich, noch mehrere Stücke einzulernen.

Noch habe ich eine neue Übersetzung der Frauenschule von Molière in meiner Verwahrung, die ganz gewiß zu brauchen seyn wird, wenn man nur erst noch einiges dafür gethan hat. Außerdem ist mir noch ein anderes Stück mitgetheilt worden, das viel Gutes enthält, aber freilich, da es aus einem Roman entstanden, viele dramatische Fehler hat.

Madame Mereau sagte mir, daß sie den Cid des Corneille bearbeite; wir wollen suchen auf diese Arbeit einigen Einfluß zu gewinnen, um wo möglich eine Acquisition für das Theater dadurch zu machen.

Die Gesellschaft werde ich Ihrem Auftrage gemäß einladen, und bin voll Erwartung, ob man sich hinlänglich abgekühlt haben wird, um mit gutem Anstand zu einem freundschaftlichen Verhältniß zurückzukehren. Zeltern gab ich meine zwei Lieder mit auf den Weg und erwarte was er daraus machen wird. Übrigens ist die eine von den Körnerischen Melodien recht singbar, wenn unsere Singenden es nur besser verständen.

Leben Sie recht wohl. Es wäre möglich daß ich Sie auf den Montag in Jena sähe, weil meine Schwägerin durch Jena reist, um eine Freundin in der Nähe zu besuchen, und wir sie vielleicht begleiten. Doch ist es noch nicht gewiß.

Sch.

H 850 | S 853 | B 854

861. An Schiller

Jena, den 19. März 1802

Ich werde mich wohl bald entschließen meinen hiesigen Aufenthalt abzubrechen und wieder zu Ihnen zu kommen. Da freue ich mich denn auf unsere Abende, um so mehr als wir manches Neue einander werden zu communiciren haben.

Wenn die dabei interessirte Gesellschaft das Abenteuer vom fünften dieses einigermaßen verschmerzt hat, so wollen wir bald wieder einen Piknik geben und die neuen Lieder, die ich mitbringe, versuchen. Haben Sie denn die Ihrigen etwa Zeltern mitgegeben, da die Körnerischen Compositionen nicht greifen wollten?

Ich wünsche Ihnen einen recht guten Humor und eine recht derbe Faust, wenn sie auf die Irenische Einladung antworten. Es wäre recht schön wenn Ihnen eine Epistel glückte, die auf alle das Packzeug paßte, dem ich immer größern Haß widme und gelobe.

Ich freue mich zu hören daß Sie Ihre Johanna auch für uns der theatralischen Möglichkeit nähern wollen. Überhaupt müssen wir, da wir mit dieser Vorstellung so lange gezaudert, uns durch irgend etwas auszuzeichnen suchen.

Mit der Iphigenie ist mir unmöglich etwas anzufangen. Wenn Sie nicht die Unternehmung wagen, die paar zweideutigen Verse corrigiren, und das Einstudiren dirigiren wollen, so glaube ich nicht daß es gehen wird, und doch wäre es in der jetzigen Lage gut und sie würde dann für andere Theater verlangt, wie es ja schon mit dem Nathan gegangen ist. Rhadamist und Zenobia ist, bei näherer Betrachtung, ein sehr merkwürdiges Stück, der höchste Gipfel einer manierirten Kunst, wogegen die Voltaire’schen Stücke als reine Natur erscheinen. Das was an diesem Stücke imponirt ist wahrscheinlich die Kain’sche Lage des Helden und der unstete Charakter, der an das Schicksal jenes ersten Brudermörders erinnert. Es übrigens auf’s deutsche Theater zu heben, sehe ich noch keine Handhabe.

Zu der Bekanntschaft des heiligen Bernhards gratulire ich. Wir wollen sehen Specialiora von ihm zu erfahren.

Unsere hiesigen theologischen Freunde sind in üblen Umständen. Griesbach leidet an seinen Füßen und Paulus mit seiner Frau. Sie ist sehr übel dran, so daß ich für ihre Existenz fürchte, und die Natur kann nun wieder eine Weile operiren, bis sie ein so neckisches Wesen zum zweitenmale zusammen bringt.

Zelter hat sehr lebhafte Eindrücke zurückgelassen. Man hört überall seine Melodieen, und wir haben ihm zu danken daß unsere Lieder und Balladen durch ihn von den Todten erweckt worden.

Das Bibliothekswesen klärt sich auf. Bretter und Balken schwimmen die Saale hinunter, zu dem neuen Musentempel in Lauchstedt. Lassen sie doch auch dieses unser Unternehmen auf sich wirken und thun Sie für Ihre älteren Sachen was Sie können. Zwar weiß ich wohl wie schwer es hält, doch müssen Sie nach und nach, durch Nachdenken und Übung, dem dramatischen Metier so viel Handgriffe abgewinnen, daß Genie und reine poetische Stimmung nicht gerade zu jeder Operation nöthig sind.

Sonst habe ich einiges gelesen und getrieben. Sehr merkwürdig war mir ein Blick in das Original von Browns medicinischen Elementen. Es sieht einem daraus ein ganz trefflicher Geist entgegen, der sich Worte, Ausdrücke, Wendungen schafft und sich deren mit bescheidener Consequenz bedient, um seine Überzeugungen darzustellen. Man spürt nichts von dem heftigen terminologischen Schlendrian seiner Nachfolger. Übrigens ist das Büchlein im Zusammenhange schwer zu verstehen, und ich habe es deßwegen bei Seite gelegt, weil ich weder die gehörige Zeit noch Aufmerksamkeit darauf wenden kann.

Seitdem ich dieses dictirt, habe ich mich entschlossen Dienstag nach Weimar zu gehen, da Sie denn zum voraus auf den Abend schönstens eingeladen sind.

Wollten sie sich erkundigen, ob die Freunde Mittwoch Abends bei mir zusammenkommen wollen, und in jedem Falle das Ja oder Nein in mein Haus wissen lassen.

Da ich nun so bald das Vergnügen hoffe Sie zu sehen, füge ich nichts weiter hinzu.

G.

H 849 | S 852 | B 853

860. An Goethe

Weimar, den 17. März 1802

Ich freue mich zu hören, daß es Ihnen in Jena wohl geht und daß mitunter auch etwas Poetisches aufblüht. Sie haben unterdessen hier nichts versäumt, denn die Societät scheint nach den heftigen Zuckungen, die sie ausgestanden, noch ganz entkräftet und in kaltem Schweiß zu liegen.

Der Herzog, den man auch zu präoccupiren suchte, hat mich vor einigen Tagen quästionirt, und ich habe ihm die Sache in dem Licht vorgestellt, wie ich sie sehe. – Er hat den Regulus zu lesen gewünscht, weil ihm von Berlin geschrieben wurde, daß dieses Stück viel Verdienste habe, obgleich es bei der Aufführung nicht habe glücken wollen. Ich glaub’ es wohl, und möchte nur wissen, wo die Verdienste stecken. Unser gnädigster Herr hat das Opus gelesen und mir mit beiliegendem Billet zurückgeschickt. Sie sehen daraus, daß er es nicht ganz will fallen lassen, obgleich er es, ohne es selbst zu wissen oder zu wollen, condemnirt, denn er muß es doch zuletzt für eine langweilige Prosa erklären, und nun möchte ich wissen, was noch Gutes daran bleibt. Ich habe ihm das letzte Wort nicht gelassen und in einer kleinen Replik mir die Freiheit genommen, vorzustellen, daß ich die Regelmäßigkeit der Form nur alsdann für verdienstlich halten könne, wenn sie mit poetischem Gehalt verbunden sey.

Er sagte mir neulich daß Sie ihm einige Hoffnung gemacht den Rhadamist zu bearbeiten. Gott helfe Ihnen durch dieses traurige Geschäft.

Sie sind, mit mir, höflich eingeladen, einige Beiträge zu der Irene von Halem einzuschicken. Es ist doch eine wahre Bestialität, daß diese Herren, welche das Mögliche versuchen uns zu annihiliren, noch verlangen können, daß wir ihre Werke selbst fördern sollen. Ich bin aber Willens, Ungern, der mir diesen Antrag gethan, recht aus vollem Herzen zu antworten.

Ich habe mich dieser Tage mit dem heiligen Bernhard beschäftigt und mich sehr über diese Bekanntschaft gefreut; es möchte schwer seyn in der Geschichte einen zweiten so weltklugen geistlichen Schuft aufzutreiben, der zugleich in einem so trefflichen Elemente sich befände, um eine würdige Rolle zu spielen. Er war das Orakel seiner Zeit und beherrschte sie, ob er gleich und eben darum weil er bloß ein Privatmann blieb, und andere auf dem ersten Posten stehen ließ. Päste waren seine Schüler und Könige seine Creaturen. Er haßte und unterdrückte nach Vermögen alles Strebende und beförderte die dickste Mönchsdummheit, auch war er selbst nur ein Mönchskopf und besaß nichts als Klugheit und Heuchelei; aber es ist eine Freude, ihn verherrlicht zu sehen. Wenn Sie Griesbach oder Paulus sprechen, so lassen Sie sich doch von ihen erzählen; vielleicht können uns diese einige Schriften über ihn verschaffen.

Leben Sie recht wohl und denken Sie bald wieder auf Ihre Zurückkunft.

Sch.

H 848 | S 851 | B 852