792. An Goethe

[Weimar, den 12. Dezember 1800]

Eben schreibt mir Iffland daß er vierzehn Tage nach Neujahr zu kommen hoffe, und fragt an, ob uns, im Fall seines Nichtkommens, Flecks willkommen seyn würden. Da ich ihm schnell zurückschreiben muß, so hinterlassen Sie mir oder dem Herrn Hofkammerrath Ihre Vollmachten wegen Flecks.

Guten Morgen und glückliche Reise.

Sch.

H 779 | S 782 | B 784

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791. An Goethe

[Weimar, den 11. Dezember 1800]

Ich habe, wie Sie wissen, in Angelegenheiten der Musik und Oper so wenig Competenz und Einsicht, daß ich Ihnen mit meinem besten Willen und Vermögen bei dieser Gelegenheit wenig taugen werde; besonders, da man es in Opersachen mit sehr heiklichen Leuten zu thun hat. In den Nachmittagstunden von drei bis fünf Uhr will ich mit Vergnügen bei den Proben gegenwärtig seyn, aber mehr als die Gegenwart kann ich nicht leisten. Heute gegen vier Uhr suche ich Sie in der Probe auf, früher kann ich nicht abkommen.

Sie wollen uns die Schöpfung von Haydn verschaffen, wie Sie schreiben, und vorhin sagte mir der Capellmeister Kranz von Ihrentwegen, daß ich sie schaffen möchte, und zwar durch den Herrn Coadjutor; man wolle gleich einen Expressen mit dem Brief abschicken. Ich schrieb diesen Brief auf der Stelle und erwarte nun den Expressen der ihn abholen soll.

Das Weitere mündlich.

Sch.

H 787 | S 782 | B 783

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790. An Schiller

[Weimar, den 11 Dezember 1800]

Ich wünschte, wie Sie wissen, morgen nach Jena zu gehen; nun ist aber Iphigenia von Gluck in Arbeit, und wenn die Repräsentation nicht mit Leben und Geschick arrangirt wird, so möchte wenig davon zu hoffen seyn. Ich ersuche Sie daher sich derselben anzunehmen. Vielleicht fahren Sie um drei Uhr mit in die Probe, um sich einen allgemeinen Begriff zu machen. Geht es gut so wäre es auch gleich eine Oper zum Secularfest.

Dagegen soll auch alles angewendet werden die Schöpfung zu Stande zu bringen.

G.

H 782 | S 780 | B 782

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789. An Schiller

Weimar, den 2. Dezember 1800

Wenn Sie mir heute Abend das Vergnügen machen wollen mit mir, in Gesellschaft des Professor Gentz, zu essen, so soll es mir sehr angenehm seyn. Ich muß Sie aber bitten erst um acht Uhr zu kommen, weil wir vorher eine Visite bei Gores machen. Wenn Sie zusagen, so haben Sie die Güte beiliegendes Billet an den Überbringer zu geben, daß er es zu Mellish trage den ich auch einlade.

G.

H 781 | S 779 | B 781

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788. An Goethe

Weimar, den 19. November 1800

Der Geheimerath Voigt hat Geschäfte bekommen, die ihm diese Woche nicht erlauben nach Jena zu gehen, ich werde also nur mit Meyern kommen, und auf den Freitag, weil da auch meine Schwiegermutter und Schwägerin von Rudolstadt durch Jena passiren. Doch kann ich diese nicht bei Lodern einladen, weil es ungewiß ist, ob sie zu rechter Zeit eintreffen.

Vielleicht entschließen Sie sich dann, wieder mit uns herüber zu kommen.

Ich war in diesen Tagen ziemlich bei meiner Arbeit, und habe die Scenen mit den Trimeters beendigt.

Wegen unsrer secularischen Festlichkeiten habe ich bei Iffland und auch bei Opitz angefragt, und erwarte nun ihre Antwort. Iffland schrieb mir vor einigen Tagen wegen der Maria, die jetzt bald soll gegeben werden. Ich sehe aus seinen Äußerungen, daß er mit seiner Lage in Berlin unzufrieden ist und sich besonders auch als Schauspieler zurückgesetzt sieht, so daß er nach einer Rolle die ihn wieder heben kann, schmachtet. Da Fleck, wie er schreibt, in der Maria spielen wird, so muß es mit seiner Krankheit nicht so arg seyn als man gemacht, und es wäre vielleicht möglich, wenn uns Iffland nicht besuchen kann, Fleck mit seiner Frau hieher zu bekommen. Unsere Vorschläge wegen des Jubiläums circuliren jetzt hier, man wird dieser Tage den Herzog darum angehen, daß von dieser Seite kein Hinderniß entsteht. Wenn ich nach Jena komme, so wollen wir unsre Ideen zusammen tragen.

Leben Sie recht wohl und genießen Ihren Aufenthalt. Lodern bitte mich schönstens zu empfehlen.

Sch.

H 778 | S 778 | B 780

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787. An Schiller

Jena, den 18. November 1800

Wohin sich die arme Poesie zuletzt noch flüchten soll weiß ich nicht; hier ist sie abermals in Gefahr von Philosophen, Naturforschern und Consorten sehr in die Enge getrieben zu werden. Zwar kann ich nicht läugnen, daß ich die Herren selbst einlade und auffordere, und der bösen Gewohnheit des Theoretisirens aus freiem Willen nachhänge, und also kann ich niemand anklagen als mich selbst. Indessen werden recht gute Dinge auf recht gute Weise in Anregung gebracht, so daß ich meine Zeit vergnügt genug hinbringe.

Loder hofft Sie Donnerstags zu sehen; Geheimerath Voigt hatte, wie man sagt, auch nicht übel Lust; vielleicht machen Sie zusammen eine Partie und brächten Meyern mit. Sagen Sie mir aber doch hierüber etwas Näheres mit den Boten, damit wir indessen unsere Einrichtung machen können.

Wenn Sie zu uns kommen so werden Sie viel Enthusiasmus für das Festum Saeculare finden; man hat wirklich einige gute Gedanken gehabt die vielleicht ausführbar sind.

Zur Helena haben sich einige gute Motive gefunden, und wenn ich ein Dutzend Briefe die ich schuldig war, bei meinem hiesigen Aufenthalt los werde, so ist auch von der Seite was gewonnen.

Ich wünsche gleiches zu allen Ihren Unternehmungen.

G.

H 777 | S 777 | B 779

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786. An Schiller

Weimar, den 9. November 1800

Indem ich anfrage ob Sie mir heute Abend das Vergnügen machen wollen mich zu besuchen, füge ich folgende Puncte hinzu:

  1. Möchten sei wohl an die Preisaufgabe des Intriguenstücks denken, da der letzte Bogen der Propyläen endlich gefördert werden soll.
  2. Wollten Sie mir wohl Alte und Neue Zeit zurückschicken, so wie
  3. die paar Manuscripte unbrauchbarer Schauspiele, die Sie von mir haben, sodann gelegentlich
  4. die gedruckten Schauspiele ansehen, welche ich hier übersende.

G.

H 176 | S 175 | B 176

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785. An Schiller

Jena, den 3. Oktober 1800

Ich habe mich entschlossen morgen als den vierten October von hier abzugehen.

Ob ich gleich gerade das nicht zu Stande gebracht was ich mir vorgesetzt, so habe ich doch meine Zeit gut zugebracht und bin in manchem vorwärts gekommen.

Mögen Sie morgen Abend mich besuchen, so consultiren wir zusammen, indeß die Welt sich am Bayard ergötzt. Es muß nothwendig unter uns dreien noch erst ein Consilium gehalten werden, ehe ich an die Ausarbeitung meiner Schemate denken kann, die ein wunderliches Ansehen gewonnen haben; soviel ich übersehen kann werden wir die fünf noch fehlenden Bogen hinreichend füllen. Leben Sie recht wohl; das Übrige mündlich.

G.

H 775 | S 775 | B 777

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784. An Goethe

Weimar, den 1. Oktober 1800

Ihre historischen Resultate aus den eingeschickten Preisstücken hat mir Meyer neulich gleich mitgetheilt, und wir haben uns beide recht darüber erfreut. Und wäre wirklich aus dem ganzen Institut nur dieses einzige Resultat gewonnen worden, so verlohnte es schon der Mühe, daß diese neunundzwanzig Künstler sich beschäftigt hätten, denn es gibt einen sehr charakteristischen und zu vielerlei Gebrauch fruchtbaren Blick über die jetzige Kunststatistik. Auch wird gerade diese Bemerkung am allgemeinsten interessiren.

Daß Sie mit meiner Arbeit zufrieden sind und sie mit Ihrem Zweck zusammenstimmend finden, muß mir doppelt lieb seyn, weil ich sie wirklich mehr auf Ihren Wunsch als aus eigenem Trieb unternommen; denn Sie werden gefunden haben, daß gerade das was mich ganz am Anfang dazu bestimmte, die Ergießung meiner Empfindungen über Nahls Zeichnung, nicht die Hauptsache darin geworden ist.

Wenn ich aus dem was Meyer gethan und was ich selbst gesagt, urtheilen soll, was eigentlich noch vorzüglich auszusprechen wäre, so bietet sich mir besonders folgendes an:

Meyer ist in’s Künstlerische, ich bin in’s Poetische und allgemein Philosophische gegangen; nun möchte noch etwas Allgemeines, und wenn Sie wollen Scientifisches, über das eigentlich Künstlerische zu sagen seyn. Ich fühlte wohl die Nothwendigkeit, auf meinem Wege, auch daran zu rühren, aber da es ganz außer meiner Competenz und Wissenschaft lag, so habe ich mich nur an den bloßen Gedanken des Bildes gehalten. Es wäre also noch nöthig über die malerische Behandlung, die sinnliche Anordnung, kurz über dasjenige was alsdann zu thun ist, wenn der Gedanke gefunden und nun durch die Mittel der bildenden Kunst darzustellen ist, etwas allgemeines Wissenschaftliches auszusprechen. Zwar ruhen Meyers Urtheile schon darauf, aber er schränkt sich mehr auf’s Urtheilen ein, und da wäre als die Major zu seiner Minor noch auszusprechen.

Für Mittheilung der Humboldtischen Arbeit danke ich Ihnen sehr; ich hoffe allerlei daraus zu lernen. Es wird mir schwer mit Hermanns Buch zurecht zu kommen und schon vorn herein finden sich Schwierigkeiten; ich bin neugierig wie es Ihnen mit diesem Buche ergangen, und hoffe, daß Sie mir ein Licht darin aufstecken werden.

Die Schauspieler sind nun wieder hier und schimpfen sehr auf Rudolstadt, wo sie schlechten Dank scheinen geerntet zu haben. Es ist lustig wie diese Herrn sich über Kotzebue moquiren, als wenn sie wirklich Geschmack hätten. Indeß ist nicht zu läugnen, daß sie manchen Tadel wirklich richtig meinen und begründen, nur hängt es bei ihnen nicht zusammen. Ihre Bemerkungen über Macbeth wollen wir so gut als möglich zu nutzen suchen. Da ohnehin eine andere Besetzung des Stücks nothwendig wird, weil Vohs nicht den Macbeth spielen kann, und Spangler abgegangen ist, so könnte man über die Besetzung der Hexen vielleicht noch etwas anders beschließen.

Cotta scheint ein Wort von Ihnen zu erwarten und ist Ihres Stillschweigens wegen in Sorgen. Die Nachdrucker machen ihm jetzt wegen des Wallenstein zu schaffen. Einer in Bamberg hat ihn schon gedruckt und versendet, ein anderer in Wien hat ein kaiserliches Privilegium darüber erhalten. So kommt uns von dorther nie etwas Gutes, aber sie stören und hindern desto mehr.

Leben sie recht wohl, und beendigen Sie bald Ihr Geschäft, um sich hier wieder einzufinden und zusammen zu ziehen, eh der Winter kommt.

Sch.

H 774 | S 774 | B 776

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783. An Schiller

Jena, den 30. September 1800

Das Wetter fährt fort von der Art zu seyn, daß es Sie wohl nicht reizen kann. In diesen Tagen habe ich den Eingang zu unserer Preisertheilung geschrieben und den Schluß dazu schematisirt; ich muß nun abwarten wie er zu Ihrer und Meyers Arbeit paßt.

Wenn ich Mittwoch Abends Meyers letzte Hälfte und Ihr Ganzes erhalten könnte, so wär’ ich freilich sehr gefördert: denn ich wünschte nicht eher wegzugehen, bis alles ein Ganzes ist. In Weimar gelingt mir so etwas nicht, ich weiß es schon, denn ich brauche fast mehr Sammlung zum Rhetorischen als Poetischen. Es fiel mir ein daß ich noch einen Aufsatz von Humboldt über den Trimeter habe. Leider habe ich ihn, als er abgeschrieben war, nicht corrigirt; es kommen daher einige mir wenigstens unheilbare Schreibfehler darin vor. Auch liegt ein Theil seines Agamemnons bei; beides wird einigermaßen Ihren Wünschen entgegenkommen.

Wenn ich übrigens mit Niethammer und Friedrich Schlegel transscendentalen Idealism, mit Rittern höhere Physik spreche, so können Sie denken, daß die Poesie sich beinahe verdrängt sieht; doch läßt sich hoffen daß sie wieder zurückkehren werde.

Übrigens mag ich nun nach Hause gehen wenn ich will, so habe ich meine vier Wochen nützlich zugebracht und finde mich von allen Seiten gefördert. Manches habe ich nun zu verarbeiten, und wenn ich diesen Winter noch einen Monat hier zubringen kann, so wird es in mehr als Einem Sinne gut stehen.

Leben Sie recht wohl, gedenken mein und seyn Sie auf Ihre Wiese fleißig.

G.

Ich lege noch vorjährige Bemerkungen über den Macbeth bei, die ich zum Theil noch erst werde commentiren müssen. Heben sie solche bei sich auf oder geben sie Beckern.

Eben wollte ich meine Depesche schließen, als zu meiner größten Freude Ihr Aufsatz anlagt. Ich habe ihn geschwind gelesen und finde ihn so schön, gut und zweckmäßig, als Sie es selbst nicht wissen. Es fiel mir dabei ein, daß jede Partei in Venedig zwei Advocaten von verschiedenem Charakter beim Plaidiren der Prozesse aufstellt, einen der den Vortrag macht und einen andern der concludirt.

Aus unserm Dreiklang soll dießmal etwas recht Artiges entstehen. Meine Peroration, die Sie mir zum Theil weggenommen haben, will ich nun zu der Einleitung schlagen, und was mir ja noch übrig bliebe zu der Preisaufgabe auf’s folgende Jahr, wo sich auch noch mancherlei sagen läßt. Doch das wird sich alles erst finden, wenn ich Meyers Recension habe, auf die ich morgen hoffe. Die Einheit in der Verschiedenheit der drei Töne wird sich recht gut ausnehmen. Ich danke Ihnen tausendmal für guten Beistand. Ich wollte auch die Motive classificiren, ich fürchtete aber, schon bei Durchsicht meines Schema’s, daß ich in’s Trockne fallen könnte. Bei Ihnen ist nun alles im Fluß.

Leben Sie recht wohl, und schenken Sie doch auch der flüchtigen Skizze einen Blick, die ich Meyern über die verschiedene Lage der Kunst in Deutschland zuschickte.

G.

[Bemerkungen zu Macbeth

  1. Versuch die Stimmen der Hexen unkenntlicher zu machen.
  2. Ihre symmetrische Stellung zu nuancieren.
  3. Ihnen einige Bewegung zu geben.
  4. Wo es nötig, längere Kleider, um den Kothurn zu bedecken.
  5. Donalbains Schwert muß neuer aussehen.
  6. Rosse und der König müssen andere Abgänge arrangiren.
  7. Macbeth und Banquo, wenn sie mit den Hexen sprechen, treten mehr gegen das Proszenium. Die Hexen treten näher zusammen.
  8. Lady Macbeth spricht nicht rückwärts im ersten Monolog.
  9. Fleance muß einen andern Leuchter haben.
  10. Gebt mir mein Schwert. Zweifel über diese Stelle des Banquo.
  11. Nicht so starr.
  12. Eine tiefere Glocke ist anzuschaffen.
  13. Macbeth sollte als König prächtiger erscheinen.
  14. Die Tafel sollte nicht so modern besetzt sein.
  15. Der Mittelaufsatz müßte verguldet sein um gegen das Gespenst besser abzustechen.
  16. Die Lichter sind gerad zu stecken und müssen stärkere Lichter genommen werden.
  17. Banquos Gesicht ist blässer zu machen.
  18. Es ist für Stühle zu sorgen, die nicht fallen.
  19. Ein großer Helm ist zu machen.
  20. Die Kinder müssen wieder heraus aus dem Kessel, sie sind zu maskidren und auffallender zu decoriren.
    NB. Die Schatten langsamer und die Gestalten im Charakter mehr abgeändert.
  21. Nach der Hexenszene sollte etwas Musik sein, ehe Malcolm und Macduff eintreten.
  22. Fragen, ob man nicht einen Monolog von Malcolm sollte vorausgehen lassen, in welchem er die Sorge von Verräterei ausdruckt. Ich weiß nicht, woran es lag, aber der Effekt dieser Szene ging mir ganz verloren.
  23. Macduffs Gebärden, da er den Tod der Seinigen erfährt.
  24. Eylenstein als Arzt muß nicht so gebückt sitzen und nicht so sehr in sich reden.
  25. Arrangement und Wandeln in dieser Szene.
  26. Mannigfaltigere Motive des Gefechts.
  27. Stärkere Klingen für die Hauptfechtenden.
  28. Sollte man nicht die Rolle des jungen Seiwards einer andern Person zu geben suchen? Demoiselle Caspers wird an dieser Stelle auch noch für Donalbain gehalten.]*
H 772/773 | S 773 | B 775

* Nicht bei H, zitiert nach S

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