754. An Schiller

[Weimar, den 12. Juni 1800]

Der kühne Gedanke eine Communion auf’s Theater zu bringen, ist schon ruchbar, geworden und ich werde veranlaßt Sie zu ersuchen die Function zu umgehen. Ich darf jetzt bekennen daß es mir selbst dabei nicht wohl zu Muthe war, nun da man schon im voraus dagegen protestirt, ist es in doppelter Betrachtung nicht räthlich. Mögen Sie mir vielleicht den fünften Act mittheilen, und mich diesen Morgen nach zehn Uhr besuchen? damit wir die Sache besprechen könnten. Vielleicht gingen Sie auch einmal das Schloß zu sehen? wozu es heut ein schöner Tag ist.

G.

H 746 | S 744 | B 747

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753. An Goethe

[Weimar, den 23. Mai 1800.]

Es thut mir leid, daß Sie unsrer Leseprobe nicht beiwohnen können, ich werde Ihnen morgen einen treuen Rapport davon erstatten.

Bei der Abendvorlesung der Maria wünschte ich Sie eigentlich nicht anwesend, weil ich Ihnen die ganze zweite Hälfte des Stücks, die Sie noch nicht kennen, lieber auf einmal vorlegen möchte, und bei dem verzettelten Lesen das Beste verloren geht.

Leben Sie indessen recht wohl. Ich wünsche gute Faustische Erscheinungen.

Sch.

H 737 | S 743 | B 746

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752. An Goethe

Weimar, den 9. Mai 1800

Ich erfahre in diesem Augenblick, daß jemand aus Ihrem Hause nach Leipzig abgeht, und benütze diese Gelegenheit, Ihnen nur ein paar Worte zum Gruß zu schreiben. Ihre Abwesenheit empfinde ich sehr, und doppelt empfinde ich sie, weil ich mich jetzt nicht in meiner Arbeit verlieren kann, denn die Proben von Macbeth zerschneiden mir die Zeit gewaltig, und zum fünften Act der Marie habe ich nicht kommen können, auch nicht wollen, weil ich dazu einer eigenen Stimmung bedarf.

Wie man mir sagt, so kommen sie erst auf den Mittwoch zurück. Wir können Sie also gleich mit dem Macbeth empfangen, denn dieser ist bis dahin verlegt worden.

Meine Gesundheit hat sich immer recht wohl gehalten, ich gehe mit Meyern viel spazieren.

Meine Kleine ist seit fünf Tagen inoculirt worden, und wir erwarten nun mit Furcht und Hoffnung den Ausbruch der Blattern.

Ich muß eilen, weil man im Augenblick abreist.

Leben Sie recht wohl, kommen Sie gesund zurück. Leider werde ich Sie nur Einen Tag hier sehen, und dann meine poetische Einsamkeit beziehen.

Sch.

Inlage bitte ich an Cotta zu besorgen. Er wird mit etwas Geld schicken, und ich bitte Sie, wenn es Sie nicht beschwert, es mir mitzubringen.

H 745 | S 742 | B 745

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751. An Goethe

Weimar, den 5. Mai 1800

Haben Sie Dank für Ihren lieben Brief, es war mir gar ungewohnt, so lange nichts von Ihnen zu sehen und zu hören. So sehr ich Sie aber auch hier vermisse, so freut mich doch um Ihretwillen die Zerstreuung die Sie sich nach dem langen Winter machen, und die Sie gewiß heiterer zurückführen wird. In Ihrer Abwesenheit habe ich mich, was das physische betrifft, recht gut gehalten, ich bin viel im Freien gewesen, und fange nachgerade an, mich wie einen Gesunden zu betrachten. Sonst habe ich mich in diesen Tagen damit beschäftigt, die vier ersten Acte der Maria für den Theaterzweck in Ordnung zu bringen, und bin auch damit fertig, so daß ich jetzt schon den fünften Akt zur Hand genommen. Von Macbeth sind unsere* Proben gewesen und ich hoffe alles Gute davon, doch wird die erste Vorstellung erst am Mittwoch über acht Tage stattfinden können.

Sie werden unterdessen Cotta schon gesprochen, und sich von seinen Schicksalen unterrichtet haben.

Die Schützische Replik auf Schellings Angriff wird Ihnen gleichfalls bekannt geworden seyn. Leider ist vorherzusehen, daß Schelling die Majorität nicht auf seiner Seite haben wird; es ist gar übel, wenn man angriffsweise verfährt, sich viele Blößen zu geben. Er ist jetzt nach Bamberg abgereist, [und wie ich höre, so ist ihm Madame Schlegel nachgezogen, die in Franken ein Bad besuchen will]**.

Man sagte mir, daß Kotzebue in einem neuen Stück, der Besuch, sich verschiedenes gegen die Propyläen herausgenommen habe. Wenn dem so ist, so hoffe ich, daß Sie den jämmerlichen Menschen seine entsetzliche Sottise werden fühlen lassen.

Von Weimar weiß ich Ihnen nicht viel zu schreiben. Ich bin unterdessen einmal bei einem Thee und Souper im Palais gewesen, wo ich ¾ Stunden lang französische Verse anhören mußte.

Ob Sie sich in Leipzig gleich nicht sehr geistreich unterhalten können, so muß Ihnen doch die Klarheit, die sie über diese irdischen Dinge haben, auch in dieser Existenz viel Vergnügen und Nutzen finden lassen.

Die Beschreibung, die Sie von dem dortigen Theater geben, zeigt eine Stadt an, und ein Publicum, das wenigstens auch keinen Anspruch auf Kunst und Kunstrichterei macht, und bloß amüsirt und gerührt seyn will. Es ist aber traurig, daß die dramatische Kunst in so schlechten Umständen sich befindet. Ich habe Obitzen meinen Macbeth angeboten, aber noch nichts von ihm gehört.

Noch habe ich vernommen, daß zwischen Friedrich Schlegel, der kürzlich hier war, und Jean Paul eine große Freundschaft sich angeknüpft, und daß auch Seckendorf mit Schlegeln sich viel eingelassen, und ihn bei sich bewirthet und geehrt habe.

Richter ist jetzt mit Herdern abgereist, um sich von diesem copuliren zu lassen.

Meine Frau grüßt Sie auf’s freundlichste. Leben Sie gesund, und kehren Sie erheitert zu uns zurück.

Sch.

H 744 | S 741 | B 744

* So H, recte: mehrere
** Nicht bei H, zitiert nach S.

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750. An Schiller

Leipzig, den 4. Mai 1800

Nach meiner langen Einsamkeit macht mir der Gegensatz viel Vergnügen. Ich gedenke auch noch die nächste Woche hier zu bleiben.

So eine Messe ist wirklich die Welt in einer Nuß, wo man das Gewerb der Menschen, das auf lauter mechanischen Fertigkeiten ruht, recht klar anschaut. Im Ganzen ist übrigens so wenig was man Geist nennen möchte, daß alles vielmehr einem thierischen Kunsttrieb ähnlich sieht.

Von dem, was man eigentlich Kunst nennt,findet sich, man darf dreist sagen, in dem was der Moment producirt, keine Spur.

Von Gemälden, Kupfern und dergleichen findet sich manches Gute, aber aus vergangenen Zeiten.

Ein Porträt von einem Maler, der sich jetzt in Hamburg aufhält, das bei Bausen steht, ist von einem unglaublichen Effect; aber auch gleichsam der letzte Schaum, den der scheidende Geist in den Kunststoffen erregt. Eine Wolke für eine Juno.

In dem Theater wünschte ich Sie nur bei Einer Repräsentation. Der Naturalism und ein loses, unüberdachtes Betragen, im Ganzen wie im Einzelnen, kann nicht weiter gehen. Von Kunst und Anstand keine Spur. Eine Wiener Dame sagte sehr treffend: die Schauspieler thäten auch nicht im geringsten als wenn Zuschauer gegenwärtig wären. Bei der Recitation und Declamation der meisten bemerkt man nicht die geringste Absicht verstanden zu werden. Des Rückenwendens, nach dem Grunde Sprechens ist kein Ende, so geht’s mit der sogenannten Natur fort, bis sie bei bedeutenden Stellen gleich in die übertriebenste Manier fallen.

Dem Publicum hingegen muß ich in seiner Art Gerechtigkeit widerfahren lassen, es ist äußerst aufmerksam, man findet keine Spur von Vorliebe für einen Schauspieler, das aber auch schwer wäre. Man applaudirt öfters den Verfasser, oder vielmehr den Stoff, den er behandelt, und der Schauspieler erhält gewöhnlich nur bei’m Übertriebenen lauten Beifall. Dieß sind, wie Sie sehen, alles Symptome eines zwar unverdorbenen, aber auch ungebildeten Publicums, wie es eine Messe zusammen kehrt.

Nun leben Sie recht wohl und gedenken mein. Mündlich noch gar manches.

G.

H 743 | S 740 | B 743

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