Weimar, den 28. April 1798
Ich bin, um mit Lieutenant Wallen zu reden, so zu sagen in Verzweiflung daß Sie dießmal an unsern theatralischen Abenteuern keinen Antheil nehmen können, sowohl weil Sie einen hohen Genusses entbehren, als auch weil alles zur Sprache kommt was uns im dramatischen Fache interessiren kann, und worüber man doch nur eigentlich mit dem sich zu unterhalten im Stande ist, der das unmittelbare Anschauen davon gehabt hat.
So war gestern eine äußerst interessante Repräsentation. Pygmalion machte Anspruch an die höchste theatralische Würde und Fülle, und so wie Iffland den Wallen nimmt ist es die personificirte Weltleerheit, durch einen pudelnärrischen Humor ausgestopft und ausgestattet. Was er in beiden Rollen geleistet hat wird durch keine Worte auszudrücken seyn; doch müssen wir abwarten was Freund Böttiger leisten wird. Mündlich geht es eher an daß man darüber sich einigermaßen erkläre.
Montag wird Benjowsky seyn, Mittwoch der taube Apotheker; was er Donnerstags zum Schlusse gibt, weiß ich noch nicht. Sobald er fort ist, eile ich mein Haus zu bestellen, um wieder bald bei Ihnen zu seyn.
Für Cotta’s Erklärung danke ich, doch halte ich’s für besser, ehe man sich näher bestimmt, ein paar Bände Manuscript rein fertig zu haben. Was einen etwas mannigfaltigeren Inhalt betrifft, darüber habe ich schon selbst gedacht, es wäre eine Gelegenheit manches, wo man sonst nicht mit hin weiß, anzubringen, und was dem Buchhändler nutzt, nutzt auch in jedem Sinne dem Autor; wer gut bezahlt wird, wird viel gelesen und das sind zwei löbliche Aussichten.
Ebenso will ich meinen Faust auch fertig machen, der seiner nordischen Natur nach ein ungeheures nordisches Publikum finden muß. Freund Mayer[!] wird es auch für keinen Raub achten, zu dieser barbarischen Production Zeichnungen zu verfertigen. Wir haben den Gedanken, die Umrisse auf graubraun Papier drucken zu lassen, und sie alsdann auszutuschen, und mit dem Pinsel aufzuhöhen, eine Operation die vielleicht nirgends so gut und wohlfeil als hier gemacht werden könnte. Es sollen bald einige Versuche der Art vom Vorschein kommen.
Ich will nun auch Freund Humboldt antworten und ihn besonders ersuchen mit Brinkmann einen prosodischen Congreß über Hermann und Dorothea zu halten, so wie ich ihnen noch mehr dergleichen Fragen im allgemeinen vorzulegen gedenke.
Indem Sie nur der Ilias erwähnen fühle ich schon wieder ein unendliches Verlangen mich an jene Arbeit zu machen, von der wir schon so viel gesprochen haben. Hoffentlich gelingen mir dieses Jahr noch ein paar Gesänge, indessen muß man alle Chorizonten mit dem Fluche des Bischofs Ernulphus verfluchen, und wie die Franzosen, auf Leben und Tod, die Einheit und Untheilbarkeit des poetischen Werthes in einem feinen Herzen festhalten und vertheidigen. Leben Sie recht wohl, ich muß mich schon wieder anziehen, weil die Zeit eines musikalischen Frühstücks herannaht. Die schönen Morgen sind diesen Festen günstig, da auch der Garten von der Gesellschaft mitgenossen werden kann, denn fast ist mein Haus für den Zufluß zu klein.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau und schicken Sie uns dieselbe wenigstens Montags.
Übrigens darf ich wohl mit einigem Triumph bemerken daß ich, als Impresar, richtig gerechnet habe. Denn ohnerachtet der erhöhten Preise ist das Haus noch immer voller als das vorigemal gewesen, so daß wir, wenn es so fortgeht, dießmal auf die sieben Vorstellungen fast so viel als auf die vorigen vierzehen einnehmen. Sollte Schröder kommen, so kann man auf’s Doppelte gehen, und selbst wenn Iffland künftig wieder kommen sollte, steigre ich wieder, denn das Geld wird immer noch wohlfeiler werden. Leben Sie nochmals recht wohl, genießen Sie der schönen Tage in der Stille, indeß ich noch acht recht unruhige auszudauern habe, unterdessen wird’s auch im Saalthale recht schön grün und wir beginnen unser altes Leben.
G.
H 460 | S 456 | B 456
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Jena, den 27. April 1798
Ich sende Ihnen hier Cotta’s Antwort auf meine Anfrage wegen der zu verlegenden kleinen Abhandlungen. Es ist ihm, wie Sie sehen, zu viel daran gelegen, etwas von Ihnen zum Verlag zu bekommen, als daß er seine Desideria und Wünsche bei diesem Werke ganz offen hätte heraussagen sollen. So viel aber zeigt sich, daß er bei diesem überwiegenden kunstwissenschaftlichen Inhalt ein zu eingeschränktes Publikum fürchtet, und deßwegen einen mehr allgemeinen Inhalt wünscht. Ich kann ihm darin vom buchhändlerischen Standpunkt aus gar nicht Unrecht geben, da aber auf der andern Seite von dem Plane des Werks nicht erlassen werden kann, so wäre mein Vorschlag, ihm die Exspectanz auf Ihr nächstes poetisches Werk, etwa den Faust, zu geben, oder es ihm lieber gleich zu veraccordiren. Wenn ich bei dieser Gelegenheit einen Vorschlag zu thun hätte, so würde ich für den Bogen der theoretischen Abhandlungen, uhngefähr gedruckt wie Meisters Lehrjahre, 4 Louisd’or und für den Bogen vom Faust 8 Louisd’or zu fordern rathen. Wenn Sie aber denken, daß Unger oder Vieweg besser bezahlen, so kann Cotta es auch, und ich erwarte nur, daß Sie ein Gebot thun, so will ich es Cotta, der jetzt in Leipzig ist, sogleich melden.
Wie ich höre, so spielt Iffland heute Pygmalion. Daß er seinen Calcul auf das Publicum wohl zu machen versteht, habe ich nie gezweifelt. Er wird auch in dieser Rolle bedeutend und verständig seyn, aber ich kann darum meine Meinung nicht ändern und der Erfolg wird mich nicht widerlegen.
Mit meiner Gesundheit geht es von Tag zu Tag besser, doch habe ich noch keine Stimmung zu meiner Arbeit finden können. Dafür lese ich in diesen Tagen den Homer mit einem ganz neuen Vergnügen, wozu die Winke, die Sie mir darüber gegeben, nicht wenig beitragen. Man schwimmt ordentlich in einem poetischen Meere; aus dieser Stimmung fällt man auch in keinem einzigen Punkte und alles ist ideal bei der sinnlichsten Wahrheit. Übrigens muß einem, wenn man sich in einige Gesänge hineingelesen hat, der Gedanke an eine rhapsodische Aneinanderreihung und an einen verschiedenen Ursprung nothwendig barbarisch vorkommen: denn die herrliche Continuität und Reciprocität des Ganzen und seiner Theile ist eine seiner wirksamsten Schönheiten.
Die unterstrichene Stelle in Humboldt’s Briefe, den ich Ihnen zurücksende, ist ihm vermuthlich selbst noch nicht so recht klar gewesen, und dann scheint das Ganze mehr eine Anschauung als einen deutlichen Begriff auszusprechen. Er will, däucht mir, überhaupt nur sagen, daß das Gemeinsame, folglich Nationelle, in den Franzosen sowohl in ihren gewöhnlichen Erscheinungen, als in ihren Vorzügen und Verirrungen, eine Wirksamkeit des Verstandes und seiner Adhärenzien, nämlich des Witzes, der Beobachtung etc. sey, ohne verhältnißmäßige Mitwirkung des Ideenvermögens, und daß sie mehr physisch als moralisch rührbar seyen. Das ist keine Frage daß sie bessere Realisten als Idealisten sind, und ich nehme daraus ein siegendes Argument, daß der Realism keinen Poeten machen kann.
Leben Sie recht wohl für heute, und möchten Sie in dem Gewühl von Menschen, das Sie jetzt öfters umgibt, sich recht angenehm unterhalten.
Sch.
H 459 | S 454 | B 454
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Weimar, am 25. April 1798
Ich kann Ihnen nur so viel sagen daß ich mich freue wieder einen Brief von Ihrer Hand zu sehen. Möchte sich Ihre Gesundheit doch immer zunehmend bessern.
Iffland hat seinen Essigmann fürtrefflich gespielt. Naturell, Studium, Überlegung, alte und gewohnte Übung dieser Rolle, Mäßigkeit, Mannigfaltigkeit, Lieblichkeit und Kraft war an ihm zu bewundern. Das Stück ging im ganzen nicht fließend genug, weil unsere Schauspieler es erst vor kurzem gelernt hatten und nicht einmal so gut spielten als sie fähig gewesen wären; daher ihm selbst manches verloren ging und er statt eines freien Spiels hie und da Contenance brauchte, wobei er sich aber selbst meisterlich zeigte.
Heute ist der Hausvater; was den Freitag gespielt wird wissen wir noch nicht.
Es ist wirklich der Pygmalion von Benda der noch gegeben wird; ich bin äußerst neugierig darauf. Das Stück kenn’ ich und habe es mehrmals gesehen; es ist ein sonderbares Unternehmen, indessen ist doch Iffland viel zu klug als daß er etwas wählen sollte, wo er nicht eines gewissen Effectes sicher wäre. Sie haben nächstens wieder Nachricht von mir.
G.
H 458 | S 453 | B 453
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Jena, den 24. April 1798
Endlich bin ich wieder im Stande Ihnen selbst von meinem Befinden Nachricht zu geben. Vierzehn Tage war ich zu allem unfähig, weil sich der Rheumatism in den Kopf gesetzt hatte, und noch darf ich vor den nächsten acht Tagen nicht hoffen, ein Geschäft vorzunehmen. Es ist recht Schade, daß ich bei dieser Unfähigkeit zum Arbeiten nicht wenigstens von den theatralischen Unterhaltungen in W. profitiren kann; aber wenn mich auch nicht mein fortdauernder Husten in’s Haus spräche, so fehlte es mir doch gänzlich an Stimmung für irgend einen Geistesgenuß, und ich muß mich hüten, mich an ästhetische Dinge auch nur zu erinnern.
Ich wünsche Ihnen desto mehr Vergnügen an Iffland’s theatralischem Besuch. Über die Wahl der Stücke haben wir uns hier gewundert, besonders aber hat mich die Wahl des Pygmalion befremdet. Denn wenn darunter wirklich das Monodram gemeint ist, welches, däucht mir Benda componirt hat, so werden Sie mit Meyern einen merkwürdigen Beleg zu den unglücklichen Wirkungen eines verfehlten Gegenstandes erleben. Es ist mir absolut unbegreiflich, wie ein Schauspieler, auch bloß von einer ganz gemeinen Praxis, den Begriff seiner Kunst so sehr aus den Augen setzen kann, um in einer so frostigen, handlungsleeren und unnatürlichen Fratze sich vor dem Publicum abzuquälen. Dazu kommt noch, daß Iffland in seinem Leben nie eine Schwärmerei oder irgend eine exaltirte Stimmung weder zu fühlen noch darzustellen vermocht hat, und als Liebhaber immer abscheulich war.
Doch Sie werden ja sehen, und vielleicht ist auch an den Pygmalion nicht gedacht worden.
Zu den Fortschritten im Faust wünsche ich Glück. Diese theatralische Zerstreuungen sollen Sie, denk’ ich, eher darin fördern als stören. Leben Sie recht wohl. Meine Frau grüßt schönstens.
Sch.
H 457 | S 452 | B 452
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Weimar, den 11. April 1798
So ungern ich von Jena abreiste, so war es doch eben die rechte Zeit. Manches was hier stockte mußte wieder in Gang gebracht werden und nun rücken sowohl allgemeine als besondere Angelegenheiten besser vorwärts.
Iffland gibt wirklich, vom 24sten an, sechs Repräsentationen. Wenn ich nicht fehl schließe, so wird der Zudrang noch lebhafter seyn als das erstemal. Schon in der Stadt haben wir mehr Fremde als damals und die Liebhaberei zum Theater ist sowohl hier als in der Nähe gewachsen.
Damit mir die nächsten vier Wochen die ich doch hier zubringen werde nicht ungenutzt verstreichen, habe ich gleich den Faust vorgenommen und finde Ihre Bemerkung richtig: daß die Stimmung des Frühlings lyrisch ist, welches mir bei dem rhapsodischen Drama sehr zu Gute kommt.
Jakobi, der an Sie geschrieben hat, ist der Sohn, der in Jena studirte; die Gedichte, die ich zurückschicke, konnte ich nicht durchlesen, ich bin ganz in entgegengesetzten Beschäftigungen und Stimmungen. Die nächsten vierzehn Tage überhaupt wird es wieder ein wenig bunt gehen. Ich setze voraus daß Sie Montag den 23sten bei uns eintreffen und das theatralische Fest mit uns celebriren werden. Sei können neben Meyern sich recht gut einquartieren. Leben Sie recht wohl.
G.
H 456 | S 451 | B 451
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Jena, den 10. April 1798
An dem Amor, der hier zurückfolgt, erkennt man gleich die kräftige und solide Kunst unsers Meisters, wenn er sich nur nicht an der Spitze des kleinen Werkleins, vor dem er zu stehen kommen soll, etwas zu streng und zu ernsthaft ausnimmt. Es wird recht gut seyn, wenn Sie aus Ihrer Sammlung etwas für den Almanach wählen und Meyer es zeichnet. Ich brauche nicht zu sagen daß eine poetische Idee von der Art, wie diese mit dem Amor, die zweckmäßigste seyn wird; und weil der Almanach seines kleinen Formats und spielenden Gebrauchs wegen auch nur kleine Dimensionen erlaubt, so schien mir ein solcher Gegenstand, wo weniger auf der Ausführung als auf dem Gedanken beruht, der passendste zu seyn. Doch das ist Ihre Sache, Sie werden schon das beste erwählen.
Ich lege Ihnen hier einen Brief nebst Gedichten von einem gewissen Jakobi bei, der sich an mich um Nachrichten von Ihnen gewendet hat. Die Gedichte habe ich kaum flüchtig angesehen und weder Gutes noch Schlimmes darin bemerkt. Indessen wäre mir’s nicht unlieb, wenn ich eins davon in das letzte Horenstück brauchen könnte, da mir gerade noch soviel daran fehlt. Haben Sie die Güte mir diese Gedichte, im Fall eins davon zu brauchen wäre, morgen durch die Botenfrau wieder zu schicken, da ich es an dem nämlichen Abend noch fortbringen kann.
Wenn Sie beim Geheimerath Voigt ein gutes Wort für unsern Niethammer sprechen wollten, so würden Sie etwas Gutes befördern. Ich habe Ursache zu glauben, daß er wenig Eifer für ihn hat, ja wirklich zu wenig, und hingegen seinen unbedeutenden Rivalen begünstiget. Findet sich Gelegenheit, Schellings Sache, die bei Voigten zu liegen scheint, noch einmal in Bewegung zu bringen, so wäre es auch sehr gut für uns jenaische Philosophen, und selbst Ihnen würde es nicht unangenehm seyn, das hiesige Personal mit einem so guten Subjekt vermehrt zu haben.
Obgleich das schöne Wetter hier noch fortdauert, so hat doch die schnelle Kälte mir wieder einen heftigen Katarrh mitgebracht und mein altes Übel erneut. Die Arbeit rückt langsam fort, und ich stehe gerade an einem Punkt, wo die Stimmung alles thun muß.
Hier sagt man, daß Iffland am 24sten dieses Monats nach Weimar kommen würde, um acht Tage dort zu spielen. Da Sie bei Ihrem Hierseyn noch gar nichts davon zu wissen schienen, so kann ich es kaum glauben. Wäre es aber, so zweifelte ich sehr, daß er noch den alten Empfang finden würde, und unser würdiger gestiefelter Kater würde in einiges Gedränge kommen.
Leben Sie recht wohl. Ich höre von meinem Schwager der heute hier war, daß Thouret nun nächstens kommen wird. So ist es auch in dieser Rücksicht gut für Sie gewesen, daß Sie gerade jetzt in Weimar sind und nicht mitten in der Arbeit unterbrochen werden.
Meine Frau grüßt Sie auf’s beste. Leben Sie recht wohl.
Sch.
H 455 | S 450 | B 450
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Weimer, den 7. April 1798
Hätten mich die kleinen häuslichen Geschäfte, welche jetzt nothwendig abgethan seyn wollen, nur in Ruhe gelassen, so wäre ich gewiß nicht so bald von Ihnen weggegangen, um so weniger als ich, bei Ankunft des schönen Wetters, auch eine recht gute Disposition zu meiner Arbeit fühlte. Ich habe mich nun drein ergeben und denke mich nun nach und nach hier wieder frei zu arbeiten, um desto länger das nächstemal bei Ihnen bleiben zu können.
Wir haben gewiß alle Ursache uns unsers Verhältnisses zu freuen, da wir uns nach einer so langen Entfernung nur näher fühlen und die Opposition unserer Naturen eine Wechselwirkung desto wünschenswerther macht, von der wir auch für die Zukunft das Beste hoffen können.
Was Sie von der zunehmenden Materialität unserer Freundin sagen, ist mir auch bei vielen andern Personen merkwürdig. Es scheint daß die meisten Naturen die kleine Portion der idealischen Ingredienzien durch ein falsches Streben gar bald aufzehren und dann durch ihre eigne Schwere wieder zur Erde zurückkehren.
An Ihren Wallenstein denke ich mit Vergnügen zurück, und habe die besten Hoffnungen davon. Die Anlage ist von der Art daß Sie, wenn das Ganze beisammen ist, die ideale Behandlung mit einem so ganz irdisch beschränkten Gegenstande in eine bewundernswürdige Übereinstimmung bringen werden.
Ich lege einen derben Amor, von Guttenberg, nach Meyer, bei, mit dem wir ganz wohl zufrieden sind, obgleich einiges, z. B. das Gesicht sehr verfehlt ist.
Meyer weiß nun was und wie jener arbeitet und kann sich in einer nächsten Zeichnung darnach richten. Ist es Ihnen recht, so besorgen wir gleich etwas Ähnliches für den Almanach, und wie dieses mein gewöhnlicher Siegelring ist, so nehmen wir vielleicht einen andern Stein aus meiner Sammlung.
Leben Sie recht wohl und nehmen Sie mit Ihrer lieben Frau Dank für alle Vorsorge.
Das Büchelchen soll nur das Kupfer unbeschädigt hin und wieder bringen.
G.
H 454 | S 449 | B 449
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Jena, den 6. April 1798
Heute früh, oder vielmehr heute Mittag als ich aufstand und mich nach Ihnen erkundigte, fand ich unsre unglückselige C., die ich länger als ein Jahr nicht gesehen und nicht viel verbessert fand. Sie ist wo möglich noch materieller geworden und ihr gespanntes freudloses unerquickliches Daseyn hat mir keine gute Stimmung gegeben.
Ihr Aufenthalt hier kommt mir jetzt noch kürzer vor als er war. Er ging gar schnell vorüber und für eine so lange Abwesenheit war es wirklich zu wenig.
Unterdessen will ich suchen mich wieder recht in die Arbeit zu werfen, daß ich nur erst das Gedankenbild aus mir herausstelle, weil ich es dann heller anschauen kann. Ich freue mich, denken zu dürfen, daß Sie mit meinem Wallenstein im Ganzen zufrieden sind und vorzüglich darüber, daß Sie keinen Widerspruch weder mit dem Gegenstande noch mit der Kunstgattung zu der er gehört darin rügten; denn über die theatralischen Forderungen denke ich schon noch weg zu kommen, wenn die tragisch-dramatischen nur befriedigt sind.
Leben Sie wohl für heute. Meine Frau grüßt Sie bestens, und wir vermissen Sie leider sehr.
Sch.
H 453 | S 448 | B 448
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[Jena, vermutlich den 4. April 1798]
Ich muß doch noch einmal wegen Schlegel’s anfragen, dessen ich schon in einem Briefe erwähnte. Haben Sie auch für die Zukunft seine Verbannung fest beschlossen, so lassen wir alles ruhen und ich werde mich darnach benehmen. Möchten sie aber vielleicht ihm einen sparsamen Zutritt gönnen, so wäre jetzt, da Tischbein Sie zu besuchen wünscht, die beste Gelegenheit und, da S. nach Ostern fortgeht, für den Sommer keine Zudringlichkeit zu befürchten. Da ich diese Personen sehen muß, und Tischbein zu besuchen nicht vermeiden kann, so wünschte ich Ihre Gesinnungen zu vernehmen, weil man von mir immer eine Mittlerschaft erwartet. Wünsche übrigens gute Fortschritte.
G.
H 437 | S 447 | B 447
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[Jena, 21. März 1798]
Da ich Sie vor Abend nicht sehe, so werde ich bis dahin in meinem vierten Act suchen vorwärts zu kommen. Ich habe heute früh die Phädra des Euripides, freilich nur nach einer sehr geistleeren Übersetzung von Steinbrüchel gelesen, aber es ist mir doch unbegreiflich, wie leicht und obenhin dieser schöne Stoff behandelt worden ist.
Leben Sie recht wohl.
Sch.
H 452 | S 446 | B 446
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