904. An Goethe

[Weimar, 8. Februar 1803]

Wir werden uns heute Abend nach dem Concerte sämmtlich bei Ihnen einstellen und uns freuen etwas Schönes zu sehen und zu hören.

Der Schlitten wird mir und meiner Frau um halb Eins recht willkommen seyn. Früher habe ich, da ich spät aufgestanden, noch einige Geschäfte zu expediren.

Der Chor hat sich bereits in einen Cajetan, Berengar, Manfred, Bohemund, Roger und Hippolyt, so wie die zwei Boten in einen Lanzelot und Olivier verwandelt, so daß das Stück jetzt von Personen wimmelt.

Sch.

H 887 | S 893 | B 897

903. An Schiller

Weimar, den 8. Februar 1803

Könnte ich bald erfahren, ob Sie heute Abend, eingeladenermaßen, zu mir kommen? Ob nach dem Concert oder früher?

Mögen Sie bei dem schönen Wetter Schlitten fahren, so schicke ich das Fuhrwerk gegen Mittag.

G.

H 886 | S 892 | B 896

902. An Goethe

[Weimar, 5. Februar 1803]

Die gestrige Vorlesung, von der ich mir eine sehr mäßige Erwartung machte, weil ich mir mein Publicum nicht dazu auswählen konnte, ist mir durch eine recht schöne Theilnahme belohnt worden, und die heterogenen Bestandtheile meines Publicums fanden sich wirklich in einem gemeinsamen Zustande vereinigt. Die Furcht und der Schrecken erwiesen sich in ihrer ganzen Kraft, auch die sanftere Rührung gab sich durch schöne Äußerungen kund; der Chor erfreute allgemein durch seine naiven Motive und begeisterte durch seinen lyrischen Schwung, so daß ich, bei gehöriger Anordnung, mir auch auf den Brettern eine bedeutende Wirkung von dem Chore versprechen kann.

Ich habe Beckern mit zu der gestrigen Vorlesung eingeladen; Sie können also, wenn Sie ihn sprechen, abnehmen, wie sich diese neue Erscheinung in seinem Theaterkopfe darstellt. Er war sehr hingerissen und ist von der theatralischen Wirkung des Chors überzeugt.

Das Exemplar aus welchem ich gestern vorlas, muß ich, der Verhältnisse wegen, dem Herzog schicken, weil er erwarten kann, unter den Ersten zu seyn, denen ich das Stück mittheile, und meine gestrige Vorlesung davon sprechen gemacht hat. Vielleicht kann ich Ihnen doch noch vor Abend ein anderes Exemplar verschaffen. Alsdann wollen wir, wenn es Ihnen recht ist, etwa morgen Mittag zusammenkommen und darüber conferiren; denn ich wünschte das Stück, wenn es die Bühne betreten soll, bald möglichst zu diesem Gebrauche einzurichten, um es auch nach Berlin, Hamburg und Leipzig versenden zu können.

Daß Sie den Cellinischen Anhang so weit fertig gebracht, höre ich sehr gerne; es ist in dieser Art von Arbeiten so etwas Endloses, weil sie ihrer Natur nach atomistisch sind und sich schwer in eine Form bringen lassen.

Was Ihre freundliche Einladung betrifft, so will ich meinen Schwager erst vernehmen, welchen Abend er frei hat, und Ihnen noch heute Antwort sagen.

Leben sie recht wohl.

Sch.

H 885 | S 891 | B 895

901. An Schiller

Weimar, am 5. Februar 1803

Sagen Sie mir doch ein Wort wie die gestrige Vorlesung abgelaufen, denn ein geübter Autor weiß wahre Theilnahme von Überraschung zu unterscheiden, sowie Höflichkeit und Verstellung zu würdigen. Zunächst bitte ich um Mittheilung des Stücks, wodurch mir für diese Abende ein großes Fest bereitet würde.

Ferner ergehet Anfrage und Bitte freundlichste dahin: daß Sie mit Ihrem Herrn Schwager und beiden Damen, entweder Montags statt der Komödie, oder Dienstags nach dem Chladnischen Concert, bei mir einsprächen, auf alle Fälle aber ein freundschaftliches Abendessen bei mir einnähmen.

Daß ich indessen mit dem Cellinischen Anhang beinahe fertig geworden, wird Ihnen auch erfreulich seyn. Sie wissen daß es keine verwünschtere Aufgabe gibt, als solche Resultate aufzustellen. Wie viel muß man lesen und überlegen, wenn es nicht auf eine Spiegelfechterei hinauslaufen soll! Auch bin ich mit Einsiedeln, wegen der veränderten Mohrensclavin, völlig einig und erwarte nur die Ansicht von höhern Orten. Ich kenne zwar Ihre Plane nicht, aber indessen, wenn dieses Lustspiel einstudirt wird, könnte man die Rollen Ihrer Tragödie ausschreiben, alles überlegen und gleich zum Werke schreiten; doch davon mündlich das Nähere.

Mit lebhaften Wünschen für Ihr Wohl.

G.

H 884 | S 890 | B 894

900. An Goethe

[Weimar, 4. Februar 1803]

Mein Stück ist fertig und da ich etwas davon in diesen Tagen verlauten ließ, so hat der Herzog von Meiningen den Wunsch geäußert es zu hören. Weil es nun mein Dienstherr ist, dem ich einige Attention schuldig bin, und es sich gerade trifft daß ich seinen Geburtstag dadurch feiere, so werde ich es heute Abend um fünf Uhr in einer Gesellschaft von Freunden und Bekannten und Feinden vorlesen. Sie will ich nicht dazu einladen, weil Sie nicht gern ausgehen und, wie ich glaube, auch lieber das Stück allein lesen oder hören. Ich habe mich in der Katastrophe viel kürzer gefaßt als ich erst wollte, überwiegender Gründe wegen.

Ihre heutige Einladung können wir also zwar nicht annehmen, aber welchen Tag Sie uns sonst bestimmen, wollen wir erscheinen. Mich verlangt sehr die unterbrochenen Mittheilungen wieder zu erneuern.

Die Venus habe ich vorläufig bei meinem Schwager gesehen, zu meinem großen Vergnügen. Auch einen andern Kopf werden Sie bei ihm finden, der von großer Schönheit ist, und im Abguß vortrefflich gerathen.

Ein herzliches Lebewohl von Ihrem

Sch.

H 883 | S 889 | B 893

899. An Schiller

Weimar, am 4. Februar 1803

Lassen Sie mich nun auch wieder bei Ihnen anfragen, wie es geht und ob ich auch bald von dem tragischen Schmause etwas werde zu genießen haben.

Was mich betrifft, so kann ich weder auf mich selbst, noch auf etwas Geleistetes zu Gaste bitten; doch ist ein vortrefflicher Abguß der Büste, der sogenannten Venus von Arles, womit mich der Prinz durch Ihren Herrn Schwager beglückt hat, wohl einer Wallfahrt in meine Einsiedelei werth.

Mögen Sie mich heute Abend besuchen, so wird es mich sehr freuen Sie einmal wieder zu sehen. Sollte es Ihrem Herrn Schwager und den beiden Damen gleichfalls beliebig seyn, so würde es an einiger Unterhaltung und an nothdürftiger Nahrung nicht fehlen, worüber ich mir bei Zeiten einen Entschluß erbitte.

Indessen ein herzliches Lebewohl wünschend.

G.

H 882 | S 888 | B 892

898. An Goethe

[Weimar, 26. Januar 1803]

Gegen die reiche Abwechslung Ihrer Beschäftigungen sticht meine auf einen einzigen Punkt gerichtete Thätigkeit sehr dürftig ab; auch kann ich Ihnen das Resultat meiner Einsamkeit nur durch die That beurkunden. Ich habe ein mißliches und nicht erfreuliches Geschäft, nämlich die Ausfüllung der vielen zurückgelassenen Lücken in den vier ersten Acten nun beendigt, und sehe auf diese Weise wenigstens fünf Sechstheile des Ganzen fertig und säuberlich hinter mir, und das letzte Sechstheil, welches sonst immer das wahre Festmahl der Tragödiendichter ist, gewinnt auch einen guten Fortgang. Es kommt dieser letzten Handlung sehr zu Statten, daß ich das Begräbniß des Bruders von dem Selbstmord des andern ganz getrennt habe, daß dieser jenen Actus vorher rein beendigt, als ein Geschäft dem er vollkommen abwartet, und erst nach Endigung desselben, über dem Grabe des Bruders, geschieht die letzte Handlung, nämlich die Versuche des Chors, der Mutter und der Schwester, den D. Cesar zu erhalten, und ihr vereitelter Erfolg. So wird alle Verwirrung und vorzüglich alle bedenkliche Vermischung der theatralischen Ceremonie mit dem Ernst der Handlung vermieden.

Übrigens haben sich im Lauf meines bisherigen Geschäfts noch verschiedene bedeutende Motive hervorgethan, die dem Ganzen sehr dienen.

Schwerlich aber werde ich mich vor vierzehn Tagen am Ziel meiner Arbeit sehen, so gern ich gewünscht hätte das Werk noch auf den fünften Februar, als den Geburtstag des Archichancelier, fertig zu bringen, um ihm, der sich mit einem schönen Neujahrspräsent eingestellt hat, meine Aufmerksamkeit zu bezeugen.

Sonst haben mich die neuesten französischen Theatralia aus der Bibliothek beschäftigt, die der Herzog wollte daß ich sie lesen sollte. Noch habe ich nichts darunter gefunden, das mich erfreut hätte, oder das sich nur irgend zu einem Gebrauch qualificirte. Aber eine französische Übersetzung von Alfieri habe ich zu lesen angefangen, worüber ich aber jetzt noch nichts sagen mag. Aufmerksamkeit verdient übrigens diese Erscheinung, und ich freue mich, wenn ich mich durch die ein und zwanzig Stücke hindurchgelesen habe, diese Angelegenheit zu verhandeln. Ein Verdienst muß ich ihm auf jeden Fall zugestehen, welches aber freilich zugleich einen Tadel enthält. Er weiß einem den Gegenstand zu einem poetischen Gebrauch zuzubringen, und erweckt die Lust, ihn zu bearbeiten: ein Beweis zwar daß er selbst nicht befriedigt, aber doch ein Zeichen, daß er ihn aus der Prosa und Geschichte glücklich herausgewunden hat.

Wenn Sie Ihre Quarantäne zu brechen versucht werden können, so kommen Sie doch auf morgen Abend zu uns und lassen mich morgen Vormittag es wissen.

Den Chladni werde ich Nachmittags mit Vergnügen sehen.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 881 | S 887 | B 891

897. An Schiller

Weimar, am 26. Januar 1803

Schon einigemal dachte ich zu fragen wie es Ihnen ginge, und thue es jetzt. Damit Sie aber Lust haben einigermaßen ausführlich zu seyn, so erzähle ich folgendes von mir:

An dem Supplement zu Cellini ist es zeither sachte vorwärts gegangen. Ich habe manches Fördernde gelesen und gedacht.

Einige neue Kupfer sind mir zugekommen, die mir Vergnügen und Unterhaltung gewähren.

Einen ungeschickten Abguß des Kopfs einer Venus Urania, von Kassel, ahbe ich mit Liebe ausgeputzt und restaurirt, damit er nur einigermaßen anzusehen sey. Ich mußte theilweise das Nebulistische vorwalten lassen, das denn, bei der bestehenden köstlichen Grundform, in diesem Collisivfalle gelten mag.

An Humboldt habe ich einen langen Brief abgelassen.

An den Münzen ist wenig geschehen, doch gibt jeder Ein- und Anblick neue Belehrung.

Doctor Chladni ist angekommen und hat seine ausgearbeitete Akustik in einem Quartbande mitgebracht. Ich habe sie schon zur Hälfte gelesen und werde Ihnen darüber mündlich über Inhalt, Gehalt, Methode und Form manches Erfreuliche sagen können. Er gehört, wie Eckhel, unter die Glückseligen, welche auch nicht eine Ahnung haben, daß es eine Naturphilosophie gibt, und die nur mit Aufmerksamkeit suchen die Phänomene gewahr zu werden, um sie nachher so gut zu ordnen und zu nutzen als es nur gehen will, und als ihr angebornes, in der Sache und zur Sache geübtes Talent vermag.

Sie können denken, daß ich sowohl beim Lesen des Buchs, als bei einer mehrstündigen Unterhaltung, immer nach meiner alten Direction fortgeforscht habe, und ich bilde mir ein einige recht gute Merkpuncte zu weiteren Richtungen bezeichnet zu haben.

Überhaupt sehe ich es als ein gutes Omen an, daß er eben jetzt kommt, da wir mit einiger Wahrscheinlichkeit Zeltern erwarten.

Auch hatte ich eben die Farbenlehre einmal wieder durchgedacht, und finde mich durch die in so vielem Sinn kreuzenden Bezüge, sehr gefördert.

Möchten Sie wohl Chladni eine Viertelstunde gönnen? damit Sie doch auch das Individuum kennen lernen, das auf eine sehr entschiedene Weise sich und seinen Wirkungskreis ausspricht. Vielleicht geben Sie ihm, da er von Jena aus gern Rudolstadt besuchen möchte, eine empfehlende Zeile mit.

So weit für dießmal, ob ich gleich noch einiges Plus und Minus zu vertrauen hätte, wovon denn eins das andere übertragen mag.

Leben Sie recht wohl und sagen mir auch von sich etwas Ausführliches und lassen Sie uns, da wir uns beide gegen das Ausgehen sträuben, wenigstens, wie jene Verliebte, über den Schirm correspondiren.

G.

H 880 | S 886 | B 890

896. An Schiller

Weimar, am 13. Januar 1803

Gestern hörte ich, daß Sie die vorjährige Idee, eine Abendgesellschaft, Sonnabends nach der Komödie, einzuleiten wieder aufgenommen, und vergaß Sie darüber zu fragen.

Sagen Sie mir doch, wie weit Sie damit gekommen sind. Ich vernehme daß Durchlaucht der Herzog etwas Ähnliches vorhaben, und wünschte daß beide Plane sich begegneten und nicht aufhüben.

Wohl zu leben wünschend.

G.

H 879 | S 885 | B 889

895. An Schiller

Weimar, den 6. Januar 1803

Lassen Sie mich wissen wie es Ihnen geht? Mein einziger Trost ist der numismatische Talisman, der mich, auf eine bequeme und reizende Weise, in entfernte Gegenden und Zeiten führt. Sagen Sie mir, ob Sie etwa heute Abend mich besuchen mögen. Wollen Sie aber sich noch in der Stille verschlossen halten, so wünsche ich guten Erfolg.

G.

H 878 | S 884 | B 888