690. An Schiller

Weimar, den 9. Dezember 1799

Als ich heute frühe ausging, hoffte ich bei Ihnen einzusprechen, es war mir aber nicht möglich. Mittags bin ich bei Hofe und bitte Sie mir zu sagen wie Sie es diesen Abend halten, damit ich mich einrichten kann Sie zu sehen.

G.

H 681 | S 679 | B 683

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689. An Goethe

Weimar, den 7. Dezember 1799

Es war mir sehr erfreulich heute noch von Ihnen zu hören. Die Pole an unserer magnetischen Stange haben sich jetzt umgekehrt und was Norden war ist jetzt Süden. Die Ortsveränderung habe ich übrigens noch nicht viel empfunden, weil es in den ersten Tagen so viel theils in meinem eigenen Hause zu thun gab, theils noch alte Reste von Briefen und andern Expeditionen mabgethan werden mußten, damit ich die neue Existenz auch neu beginnen kann. Nur dem Herzog habe ich mich vorgestern präsentirt und eine Stunde dort zugebracht. Den Inhalt des Gesprächs mündlich.

Die Frau hat sich in diesen fünf Tagen gleichförmig wohl befunden, ohne die geringste Spur der vorigen Zustände; Gott gebe nun daß es auf dem guten Wege bleibe und die eintretenden Perioden kein Recidiv bewirken.

Das bekannte Sonett hat hier eine böse Sensation gemacht und selbst unser Freund Meyer hat die Damenwelt verführt, es in Horreur zu nehmen. Ich habe mich vor einigen Tagen sehr lebhaft dafür wehren müssen. Mich soll es im geringsten nicht befremden, wenn ich hier auch keine andere Erfahrung mache als die des Widerspruchs mit dem Urtheil des Tages.

Den Werth, welchen Eschenburg seiner neuen Ausgabe Shakespeare’s nicht gab, wird nun wohl Schlegel der seinigen zu geben nicht zögern. Dadurch käme gleich ein neues Leben in die Sache und die Leser, die nur auf’s Curiose gehen, fänden hier wieder so etwas wie bei dem Wolfischen Homer.

Fichte ist, wie ich gehört, nun in Jena angelangt, ich bin neugierig ob mit Ihrem Fuhrwerk.

Wenn es nicht eine große Gefälligkeit mißbrauchen heißt, so wünschte ich wohl mich Ihres Geschirres noch einmal bedienen zu dürfen, um alle meine in noch in Jena zurückgebliebene Schränke und andre Sachen noch herüber zu schaffen; denn das hiesige Local fordert solche, und die weibliche Regierung besonders vermißt diese Bequemlichkeiten ungern. Ist es aber auch jetzt nicht sogleich thunlich, so kann es noch einige Wochen damit anstehen.

Mit großem Verlangen erwarte ich Sie morgen.

Leben Sie recht wohl und haben die Güte mich Grißsbachs und Loders freundschaftlich zu empfehlen.

Sch.

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688. An Schiller

Jena, den 6. Dezember 1799

Die paar Tage nach Ihrer Abreise habe ich in der beliebten beinahe absoluten Einsamkeit zugebracht. Ein Besuch bei Mellisch, ein Abend bei Loders und eine Vorlesung der Genoveva von Tieck auf meinem Zimmer haben einige Diversion gemacht.

Dem alten englischen Theater bin ich um vieles näher. Malones Abhandlung über die wahrscheinliche Folge in welcher Shakespeare seine Stücke gedichtet, ein Trauer- und ein Lustspiel von Ben Johnson, zwei apokryphische Stücke von Shakespeare und was dran hängt, haben mir manche gute Ein- und Aussichten gegeben.

Wie Eschenburg sich hat entgehen lassen seiner neuen Ausgabe diesen kritischen Werth zu geben, wäre nicht zu begreifen, wenn man nicht die Menschen begriffe. Mit sehr kurzen Einleitungen in jedes Stück, theils historischen theils kritischen, wozu der Stoff schon in der letzten englischen Ausgabe von Malone bereit liegt, und die man mit einigen wenigen Aperçus hätte aufstutzen können, war der Sache ein großer Dienst geleistet und mit dieser Art Aufklärung hätte jedermann denken müssen neue Stücke zu lesen. Wahrscheinlich wird er das, und vielleicht umständlicher als nöthig ist, wie schon vormals geschehen, in einem eigenen Bande nachbringen. Aber wie viele Menschen suchen’s und lesen’s dahinten.

Sie sehen daß ich noch der reinen Jenaischen Ruhe genieße, indem die Weimarische Societätswoge wahrscheinlich schon bis an Sie heranspült. Sonntag Nachmittag lasse ich anfragen wo ich Sie treffe. Leben Sie recht wohl und grüßen die Ihrigen.

G.

H 679 | S 677 | B 681

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687. An Goethe

Weimar, den 4. Dezember 1799

Unsre Reise ist gut von Statten gegangen und meine Frau, die bei Frau von Stein wohnt, hat auf die Troubles des vorigen Tages recht gut geschlafen, ohne eine Spur ihrer alten Zufälle. Der Anfang ist also glücklich gemacht, und ich hoffe das Beste für die Zukunft.

Übrigens habe ich von hiesigen Personen, außer meinen Anverwandten und Frau von Stein, noch niemand zu sehen Zeit gehabt.

Leben Sie recht wohl und kommen Sie nur bald.

Sch.

H 678 | S 676 | B 680

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686. An Goethe

[Jena, den 2. De7ember 1799.]

Ich muß Ihnen heut einen schriftlichen guten Abend sagen, denn meine Packanstalten und übrigen Arrangements werden mich, wie ich befürchte, bis um zehn Uhr beschäftigen. Morgen nach zehn Uhr hoffe ich Sie noch einen Augenblick vor der Abreise zu sehen. Mit der Frau ist es Gott Lob heute gut geblieben. Ich selbst aber besinne mich kaum.

Anbei sende ich was Ihnen gehört. Beiliegende Charten bitte auf Büttner’s Bibliothek zu senden.

Sch.

H 677 | S 675 | B 679

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