2. An Schiller
Weimar, 24. Juni 1794
Ew. Wohlgeboren
eröffnen mir eine doppelt angenehme Aussicht, sowohl auf die Zeitschrift welche Sie herauszugeben gedenken, als auf die Theilnahme zu der Sie mich einladen. Ich werde mit Freuden und von ganzem Herzen von der Gesellschaft seyn.
Sollte unter meinen ungedruckten Sachen sich etwas finden das zu einer solchen Sammlung zweckmäßig wäre, so theile ich es gerne mit; gewiß aber wird eine nähere Verbindung mit so wackern Männern, als die Unternehmer sind, manches, das bei mir in’s Stocken geraten ist, wieder in einen lebhaften Gang bringen.
Schon eine sehr interessante Unterhaltung wird es werden, sich über die Grundsätze zu vereinigen, nach welchen man die eingesendeten Schriften zu prüfen hat, wie über Gehalt und Form zu wachen, um diese Zeitschrift vor andern auszuzeichnen und sie bei ihren Vorzügen wenigstens eine Reihe von Jahren zu erhalten.
Ich hoffe bald mündlich hierüber zu sprechen und empfehle mich Ihnen und Ihren geschätzten Mitarbeitern auf’s beste.
Goethe.


6 Kommentare zu 2. An Schiller
sinforosa schreibt:
25. Juni 2009, um 11:11
oh, wunderbar ! … aufwiedersehen !
Spamschlucker schreibt:
26. Juni 2009, um 15:24
Aha. Ein sehr geschäftsmäßiger Tonfall vom alten Goethe.
Giesbert Damaschke schreibt:
29. Juni 2009, um 19:41
Was ich an Goethes erster Antwort bemerkenswert finde: Er benennt gewissermaßen die beiden zentralen Themen des Briefwechsels. Der Dialog mit Schiller bringt seine Kreativität in der Tat in Fluss. Und man definiert die Grundsätze der Klassik.
bunte schreibt:
8. Juli 2009, um 9:31
Was soll denn diese Pseudozeitverschiebung … es kann soziophilosophisch keine “Echtzeit” geben … hat Ihnen, guter Mann, denn das wirklich noch niemand gesagt ?
Und Tschüssie …
Bunte, 080709
Peter Pupke schreibt:
15. Juli 2009, um 6:33
Ein sehr erfreuliches Unternehmen, das Sie hier gestartet haben. Man wird die allmähliche Annäherung, die zunehmende Vertrautheit der beiden “erleben” können, was bei einer komprimierten Lektüre des Briefwechsels nicht möglich wäre. Und wenn es dann noch sachbezogene Hinweise und Kommentare gibt (und weniger dummes Geschwätz von überheblichen Wichtigtuern),wird der Vorgang noch interessanter.
Ich wünsche Erfolg und Durchhaltevermögen und freue mich auf die Fortsetzung…
Prof. Klaus Steidl schreibt:
1. August 2009, um 18:22
Ihr Vorhaben finde ich toll und gratuliere zunächst herzlich! Als Deutsch-Lehrer an einer höheren Schule in Österreich (www.villablanka.com) bin ich stets dankbar für jede pfiffige Idee, die in Richtung Literaturvermittlung geht…die KollegInnen in Deutschland werdens da ähnlich schwer haben wie wir (vermut ich mal). Die fast Zwanzigjährigen meiner Abschlussklassen hat bisher immer Friedrich Hölderlin fasziniert und so mancher konnte sich dazu durchkämpfen, das Thema “Klassik” auch zum mündlichen Abitur zu nehmen. Mal sehen, wie der Online-Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller im kommenden Schuljahr ankommt…Jedenfalls danke nochmals für die gute Idee, die Kurzweil schafft, sowie für die Menge aufgehalster Arbeit, die hinter einem solchen Projekt steckt. Liebe Grüße aus Tirol!
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