402. An Schiller

Weimar, den 20. Dezember 1797

Ich wünsche und hoffe daß gegenwärtiger Brief Sie wieder in leidlichen Gesundheitsumständen finden möge, und danke für das Schreiben Ihrer lieben Frau, die mir durch Mittheilung der energischen märkischen Kunstproducte eine besondere Freude gemacht hat.

Ihr Brief vom zweiten October ist nebst dem Almanach auch wieder zurückgekommen und fehlt also nichts mehr an unserer wechselseitigen Correspondenz.

Oberons goldne Hochzeit haben sie mit gutem Bedachte weggelassen. Sie ist die Zeit über um das Doppelte an Versen gewachsen, und ich sollte meinen im Faust müßte sie am besten ihren Platz finden.

Seit der Erscheinung der Schlegel’schen Recension meines Hermanns habe ich die Gesetze der Epopöe und des Dramas wieder durchgedacht und glaube auf gutem Wege zu seyn. Die Schwierigkeit bei diesen theoretischen Bemühungen ist immer: die Dichtarten von allem Zufälligen zu befreien. Nächstens erhalten Sie wohl einen kleinen Aufsatz darüber, und ich mag daher nichts weiter voraussagen.

Den Verfasser der Elegien im Almanach kennt Meyer recht gut und wird Ihnen dereinst selbst eine Schilderung machen; er ist eigentlich Bildhauer. Nach nichts verlangt mich jetzo mehr als nach Ihrem Wallenstein.

Erholen Sie sich ja bald wieder von Ihrem Übel. Möchte ich doch schon diese Tage, die sich heiter anlassen, bei Ihnen zubringen können!

G.

H 397 | S 392 | B 392

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