399. An Schiller

Weimar, den 13. Dezember 1797

Die neuen Kunstwerke in unserm Hause ziehen uns heute früh einen Damenbesuch zu, deswegen nur so viel in Eile.

Eine Schilderung der Fähigkeiten unseres Theaterpersonals will ich Ihnen ehestens selbst machen, besonders bezüglich auf Ihr Stück dessen Bedürfnisse ich im allgemeinen doch kenne.

Übrigens fahren Sie nur ohne Sorge fort. Die innere Einheit, die der Wallenstein haben wird, muß gefühlt werden und Sie haben große Privilegien auf dem Theater. Ein ideales Ganze imponirt den Menschen, wenn sie es auch nicht im Einzelnen zu dechiffriren, noch den Werth der einzelnen Theile zu schätzen wissen.

Durch eine sonderbare Veranlassung bin ich aufgefordert über das deutsche Theater im allgemeinen zu denken, und da ich doch manchmal wider Willen im Schauspiel sitzen muß, so suche ich aus dieser Aufopferung einigen Gewinn zu ziehen.

Leben Sie recht wohl, ich freue mich daß die Zeit herannaht die mir ein gesammeltes Daseyn und Ihre Nähe bescheeren soll.

G.

H 394 | S 389 | B 389

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