298. An Schiller

Weimar, den 12. April 1797

Möge doch der kleine Ernst bald die gefährliche Krise überstehen und Sie wieder beruhigen!

Hier folgt Cellini, der nun bald mit einer kleinen Sendung völlig seinen Abschied nehmen wird. Ich bin, indem ich den patriarchalischen Überresten nachspürte, in das alte Testament gerathen und habe mich auf’s neue nicht genug über die Confusion und die Widersprüche der fünf Bücher Mosis verwundern können, die denn freilich, wie bekannt, aus hunderterlei schriftlichen und mündlichen Traditionen zusammen gestellt seyn mögen. Über den Zug der Kinder Israel durch die Wüste habe ich einige artige Bemerkungen gemacht, und es ist der verwegne Gedanke in mir aufgestanden: ob nicht die große Zeit welche sie darin zugebracht haben sollen, erst eine spätere Erfindung sey? Ich will gelegentlich, in einem kleinen Aufsatze, mittheilen was mich auf diesen Gedanken gebracht hat.

Leben Sie recht wohl und grüßen Humboldt’s mit Überreichung beiliegender Berlinischen Monatschrift, und geben mir bald von sich und den Ihrigen gute Nachricht.

G.

H 296 | S 298 | B 298

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2 Kommentare zu 298. An Schiller

Hubatka schreibt:
12. April 2012, um 10:01

Ist der kleine Aufsatz Wirklichkeit geworden?
Mit freundlichem Dank.

Giesbert Damaschke schreibt:
24. April 2012, um 22:32

Lt. Kommentar bei Beetz erschien der Aufsatz “erst 1819 in den Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des Westöstlichen Divans (Alttestamentliches, Israel in der Wüste)”.

Die “Noten” können zB hier nachgelesen werden: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/14.htm

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