643. An Schiller

Weimar, den 31. Juli 1799

Es ist recht hübsch daß ich Ihnen, in dem Augenblick da ich die Production ausschließlich preise und anempfehle, auf eine doppelte Weise dazu Glück wünschen kann. Möge in beiden Fällen alles glücklich von Statten gehen.

Ich konnte voraussehen daß Parny Ihnen Vergnügen machen würde. Er hat aus dem Sujet eine Menge sehr artiger und geistreicher Motive gezogen, und stellt auch recht lebhaft und hübsch dar. Nur ist er, dünkt mich, in Disposition und Gradation der Motive nicht glücklich, daher dem Ganzen die Einheit fehlt. Auch scheint mir der äußere Endzweck, die christkatholische Religion in den Koth zu treten, offenbarer als es ich für einen Poeten schicken will. Es kam mir vor als wenn dieses Büchlein expreß von den Theophilanthropen bestellt seyn könnte.

Allerdings passen diese und ähnliche Gegenstände besser zu komischen als zu ernsthafen Epopöen. Milton’s verlornes Paradies, das ich diese Tage zufällig in die Hand nahm, hat mir zu wunderbaren Betrachtungen Anlaß gegeben. Auch bei diesem Gedichte, wie bei allen modernen Kunstwerken, ist es eigentlich das Individuum das sich dadurch manifestirt, welches das Interesse hervorbringt. Der Gegenstand ist abscheulich, äußerlich scheinbar und innerlich wurmstichig und hohl. Außer den wenigen natürlichen und energischen Motiven ist eine ganze Partie lahme und falsche, die einem wehe machen. Aber freilich ist es ein interessanter Mann der spricht, man kann ihm Charakter, Gefühl, Verstand, Kenntnisse, dichterische und rednerische Anlagen und sonst noch mancherlei Gutes nicht absprechen. Ja der seltsame einzige Fall daß er sich als verunglückter Revolutionair besser in die Rolle des Teufels als des Engels zu schicken weiß, hat einen großen Einfluß auf die Zeichnung und Zusammensetzung des Gedichts, so wie der Umstand daß der Verfasser blind ist auf die Haltung und das Colorit desselben. Das Werk wird daher immer einzig bleiben, und, wie gesagt, so viel ihm auch an Kunst abgehen mag, so sehr wird die Natur dabei triumphiren.

Unter andern Betrachtungen bei diesem Werke war ich auch genöthigt über den freien Willen, über den ich mir sonst nicht leicht den Kopf zerbreche, zu denken; er spielt in dem Gedicht, so wie in der christlichen Religion überhaupt, eine schlechte Rolle. Denn sobald man den Menschen von Haus aus für gut annimmt, so ist der freie Willen das alberne Vermögen aus Wahl vom Guten abzuweichen und sich dadurch schuldig zu machen; nimmt man aber den Menschen natürlich als bös an, oder, eigentlicher zu sprechen, in dem thierischen Falle unbedingt man seinen Neigungen hingezogen zu werden, so ist alsdann der freie Wille freilich eine vornehme Person, die sich anmaßt aus Natur gegen die Natur zu handeln. Man sieht daher auch wie Kant nothwendig auf ein radicales Böse kommen mußte und woher die Philosophen, die den Menschen von Natur so scharmant finden, in Absicht auf die Freiheit desselben so schlecht zu rechte kommen, und warum sie sich so sehr wehren wenn man ihnen das Gute aus Neigung nicht hoch anrechnen will. Doch mag das bis zur mündlichen Unterredung aufgehoben seyn, so wie die Reinholdischen Erklärungen über dne Fichte’schen Atheismus.

Den Brief an Lavatern hierüber habe ich angefangen zu lesen. Reinhold’s Ausführung scheint mir überhaupt psychologisch sehr unterrichtend und läuft wie mir scheint am Ende auf das alte Dictum hinaus: daß sich jeder seine eigne Art von Gott macht und daß man Niemand den seinigen weder nehmen kann noch soll.

Um meiner von allen Seiten geräuschvollen Nachbarschaft zu entgehen, habe ich mich entschlossen in den Garten zu ziehen, um dort die Ankunft des Herzogs und Geheimen Rath Voigt’s zu erwarten, welche mich öffentlich von meinem gegenwärtigen Posten ablösen wird.

Ob die Einsamkeit des Ilmthals zu dem Einzigen was Noth ist viel helfen wird, muß die Zeit lehren.

Leben Sie recht wohl und grüßen Ihre liebe Frau. Unsere nächste Zusammenkunft wird desto erfreulicher werden, je mehr sie bisher gehindert worden ist; denn wir haben indeß jeder für sich doch wieder manches erfahren dessen Mittheilung interessant genug seyn wird.

G.

H 636 | S 634 | B 637

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642. An Goethe

Jena, den 30. Juli 1799

Ich habe Sie am Sonnabend mit fester Zuversicht erwartet, und deßwegen auch den Philosophenklubb absagen lassen, um den ersten Abend desto ungestörter mit Ihnen zuzubringen. Desto betrübter war ich als ich aus Ihrem Brief meine Hoffnung zerrinnen und ganz in’s Unbestimmte sich wieder verlieren sah.

Mir bleibt nun nichts übrig, als mich, so lang es gehen will, in das Produciren zu werfen, weil die Mittheilung mangelt. Ich bin auch schon ganz ernstlich im zweiten Acte bei meiner königlichen Heuchlerin. Der erste ist abgeschrieben und erwartet Sie bei Ihrer Ankunft.

Sie haben wohl recht, daß man sich der theoretischen Mittheilung gegen die Menschen lieber enthalten und hervorbringen muß. Das Theoretische setzt das Praktische voraus und ist also schon ein höheres Glied in der Kette. Es scheint auch daß eine selbstständigere Imagination dazu gehört, als um die wirkliche Gegenwart eines Kunstwerks zu empfinden, bei welchem der Dichter und Künstler der trägern oder schwächern Einbildungskraft des Zuhörers und Betrachters zu Hülfe kommt, und den sinnlichen Stoff liefert.

Auch ist nicht zu läugnen, daß die Empfindung der meisten Menschen richtiger ist als ihr Raisounement. Erst mit der Reflexion fängt der Irrthum an. Ich erinnre mich auch recht gut mehrerer unserer Freunde, denen ich mich nicht schämte durch eine Arbeit zu gefallen, und mich doch sehr hüten würde ihnen Rechenschaft von ihrem Gefühl abzufordern.

Wenn dieß auch nicht wäre, wer möchte ein Werk ausstellen mit dem er zufrieden ist? Und doch kann der Künstler und Dichter dieser Neigung nicht Herr werden.

Die zwei Damen haben mich neulich wirklich besucht und für sie zu Hause gefunden. Die kleine hat eine sehr angenehme Bildung, die selbst durch ihren Fehler am Aug nicht ganz verstellt werden konnte. Sie gaben mir den Trost, daß die Furcht vor der Schnecke die alte Großmutter wohl von der Herreise abschrecken würde. Von dem eleganten Diner bei Ihnen wußten sie viel zu erzählen. Der Relation, welche Meyer von diesen Erscheinungen machen wird, seh’ ich mit Begierde entgegen.

Die Frau grüßt Sie auf’s beste. Sie ist auch in einer Krisis, auf ihre Weise, und wird mir um einige Monate zuvorkommen. Leben Sie recht wohl und möge ein guter Geist und bald zusammen führen.

Ich vergaß von den neulich überschickten Sachen zu schreiben. Das Jacobische Werk habe ich noch nicht recht betrachtet, aber das Gedicht ist lustig genug und hat scharmante Einfälle.

Sch.

H 635 | S 633 | B 636

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641. An Schiller

Weimar, den 27. Juli 1799

Ich habe heute keinen Brief von Ihnen erhalten, wahrscheinlich weil Sie glauben daß ich kommen werde; ich muß aber meine alte Litanei wieder anstimmen und melden daß ich hier noch nicht loskomme. Die Geschäfte sind polypenartig; wenn man sie in hundert Stücke zerschneidet, so wird jedes einzelne wieder lebendig. Ich habe mich indessen drein ergeben und suche meine übrige Zeit so gut zu nutzen als es gehen will. Aber jede Betrachtung bestärkt mich in jenem Entschluß: bloß auf Werke, sie seyen von welcher Art sie wollen, und deren Hervorbringung meinen Geist zu richten, und aller theoretischen Mittheilung zu entsagen. Die neusten Erfahrungen haben mich auf’s neue überzeugt: daß die Menschen statt jeder Art von ächter theoretischer Einsicht, nur Redensarten haben wollen, wodurch das Wesen was sie treiben zu etwas werden kann. Einige Fremde die unsere Sammlung besuchten, die Gegenwart unserer alten Freundin, und über alles das sich neu constituirende Liebhabertheater haben mir davon schreckliche Beispiele gegeben, und die Mauer, die ich schon um meine Existenz gezogen haben, soll nun noch ein Paar Schuhe höher aufgeführt werden.

Im Innern sieht es dagegen gar nicht schlimm aus. Ich bin in allen Zweigen meiner Studien und Vorsätze um etwas Weniges vorgerückt, wodurch sich denn wenigstens das innere fortwirkende Leben manifestirt, und Sie werden mich in gutem Humor und zur Thätigkeit gestimmt wieder sehen.

Ich dachte Sie auf einen Tag zu besuchen; dadurch ist uns aber nicht geholfen; denn wir bedürfen nun schon einiger Zeit, um uns wechselseitig zu erklären und etwas zu Stande zu bringen.

Heute droht Ihnen, wie ich höre, ein Besuch der la Rocheschen Nachkommenschaft. Ich bin neugierig wie es damit abläuft. Was mich betrifft bin ich diese Tage so ziemlich in meiner Fassung geblieben; erlustigen wird Sie aber das unendliche Unglück in welches Meyer bei dieser Gelegenheit gerathen ist, indem diese seltsamen, und man darf wohl sagen unnatürlichen Erscheinungen ganz neu und frisch auf seinen reinen Sinn wirkten.

Damit ich aber dießmal nicht ganz leer erscheine, lege ich ein paar sonderbare Producte bei, davon Sie das eine wahrscheinlich mehr als das andere unterhalten wird.

Leben Sie recht wohl, gedenken mein und geben mir Nachricht von Ihrem Befinden und Thun.

G.

H 634 | S 632 | B 635

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640. An Schiller

Weimar, den 24. Juli 1799

Ich kann nun hoffen daß ich bald zu Ihnen kommen werde; Sonnabend oder Sonntag wird es möglich seyn von hier abzukommen. Frau von la Roche habe ich zweimal, erst in Tieffurth, dann in Osmannstedt gesehen und sie eben gerade wie vor zwanzig Jahren gefunden. Sie gehört zu den nivellirenden Naturen, sie hebt das Gemeine herauf und zieht das Vorzügliche herunter, und richtet das Ganze alsdann mit ihrer Sauce zu beliebigem Genuß an; übrigens möchte man sagen daß ihre Unterhaltung interessante Stellen hat.

Tieck hat mir Hardenberg und Schlegel bei mir gegessen; für den ersten Anblick ist es eine recht leidliche Natur. Er sprach wenig, aber gut und hat überhaupt hier ganz wohl gefallen.

Morgen habe ich ein großes Gastmahl und dann will ich mich zur Abfahrt bereiten.

Gädike soll die zwei ersten Gesänge ehe ich weggehe erhalten; ich gehe sie nochmals durch; es ist und bleibt aber eine böse Aufgabe. Das Werk ist wie eine bronzene Statue, artig gedacht und gut modellirt, wobei aber der Guß versagt hatte. Je weiter man in der Ausführung kommt, je mehr gibt’s zu thun. Freilich hilft’s nun nichts weiter, man muß machen daß man durchkommt. Leben sie recht wohl; ich hoffe nun nicht mehr zu schreiben und freue mich von Herzen Sie und Ihre liebe Frau wieder zu sehen.

H 633 | S 631 | B 634

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639. An Goethe

Jena, den 24 [23.?] Juli 1799

Ich höre daß Sie in Roßla sind, woraus ich zu meinem großen Vergnügen schließe, daß Ihre Hieherkunft nicht mehr weit entfernt ist. Es wird auch meiner Existenz einen ganz andern Schwung geben, wenn wir wieder beisammen sind, denn Sie wissen mich immer nach außen und in die Breite zu treiben; wenn ich allein bin, versinke ich in mich selbst.

Tieck aus Berlin hat Sie besucht; ich bin begierig wie Sie mit ihm zufrieden sind, da Sie ihn länger gesprochen haben. Mir hat er gar nicht übel gefallen; sein Ausdruck, ob er gleich keine große Kraft zeigt, ist sein, verständig und bedeutend, auch hat er nichts Kokettes noch Unbescheidenes. Ich hab’ ihm, da er sich einmal mit dem Don Quixote eingelassen, die spanische Literatur sehr empfohlen, die ihm einen geistreichen Stoff zuführen wird, und ihm, bei seiner eigenen Neigung zum Phantastischen und Romantischen, zuzusagen scheint. So müßte dieses angenehme Talent fruchtbar und gefällig wirken und in seiner Sphäre seyn.

Mellisch hat mir von seiner Burg einige Fragmente aus dem Piccolominis in der Allgemeinen Zeitung, in Jamben übersetzt, zugeschickt, die, wenn sie der englischen Sprache ganz gemäß sind, die Gedanken gut ausdrücken und auch das Eigenthümliche der Diction gut nachahmen. Er hat Lust das Ganze zu übersetzen, wenn für ihn und mich der gehörige Vortheil dabei zu gewinnen ist, und hat deßwegen an Sheridan geschrieben.

Mit dem ersten Act der Maria hoffe ich zu Ende dieser Woche ganz im Reinen zu seyn. Ich sollte freilich schon weiter vorwärts gekommen seyn, aber dieser Monat war mir nicht so günstig als der vorige. Ich bin zufrieden wenn ich den dritten Act mit in die Stadt bringe.

Das Ungewitter aus Osmannstedt scheint sich zu verziehen. Wenigstens höre ich daß Anverwandte der La Roche, die hier wohnen, dorthin seyen berufen worden, um sie zu sehen.

Wenn Sie nach Weimar zurückkommen, so haben Sie doch die Güte, das was von dem Gedicht der Fräulein Imhof fertig ist, an Gädike zu geben und ihm den Almanach von 1798 und 1798 zur Norm vorzuschreiben, nur mit dem Unterschied, daß er auf jede Seite nur neun Hexameter setzt und vor jedem Gesang ein Blatt leer läßt, worauf nichts steht als der wievielte Gesang es ist. Leben Sie recht wohl; die Frau grüßt Sie auf’s allerschönste.

Sch.

H 632 | S 630 | B 633

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638. An Schiller

Weimar, den 20. Juli 1799

Ich danke Ihnen daß Sie mir von der wunderlichen Schlegel’schen Production einen nähern Begriff geben; ich hörte schon viel darüber reden. Jedermann liest’s, jedermann schilt darauf, und man erfährt nicht was eigentlich damit sey. Wenn mir’s einmal in die Hände kommt will ich’s auch ansehen.

Die Greuel des Dilettantismus haben wir in diesen Tagen auch wieder erlebt, die um so schrecklicher sind, als die Leute mitunter recht artig pfuschen, sobald man einmal zugibt, daß gepfuscht werden soll. Unglaublich ist’s aber, wie durch diesen einzigen Versuch schon die ganze gesellschaftliche Unterhaltung, an der zwar überhaupt nichts zu verderben ist, eine hohle, flache und egoistische Tournüre nimmt, wie aller eigentliche Antheil am Kunstwerk durch diese leichtsinnige Reproduction aufgehoben wird.

Übrigens hat mir diese Erfahrung, so wie noch andere in andern Fächern, die Überzeugung erneuert: daß wir andern nichts thun sollten als in uns selbst zu verweilen, um irgend ein leidliches Werk nach dem andern hervorzubringen. Das übrige ist alles vom Übel.

Deßwegen gratulire ich zum ersten Act, wünsche mich bald wieder zu Ihnen, und kann die Hoffnung nicht fahren lassen, daß dieser Nachsommer auch für mich noch fruchtbar seyn werde. Leben Sie recht wohl. August hat sich sehr gefreut Carl und auch Ernsten wieder zu sehen, von denen er viel erzählt hat.

G.

H 631 | S 629 | B 632

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637. An Goethe

Jena, den 19. Juli 1799

Ich habe mir vor einigen Stunden durch Schlegel’s Lucinde den Kopf so taumelig gemacht, daß es mir noch nachgeht. Sie müssen dieses Product Wunders halber doch ansehen. Es charakterisirt seinen Mann, so wie alles Darstellende, besser als alles was er sonst von sich gegeben, nur daß es ihn mehr in’s Fratzenhafte malt. Auch hier ist das ewig Formlose und Fragmentarische, und eine höchst seltsame Paarung des Nebulistischen mit dem Charakteristischen, die Sie nie für möglich gehalten hätten. Da er fühlt, wie schlecht er im Poetischen fortkommt, so hat er sich ein Ideal seiner Selbst aus der Liebe und dem Witz zusammengesetzt. Er bildet sich ein, eine heiße unendliche Liebesfähigkeit mit einem entsetzlichen Witz zu vereinigen, und nachdem er sich constituirt hat, erlaubt er sich alles, und die Frechheit erklärt er selbst für seine Göttin.

Das Werk ist übrigens nicht ganz durchzulesen, weil einem das hohle Geschwätz gar zu übel macht. Nach den Rodomontaden von Griechheit, und nach der Zeit die Schlegel auf das Studium derselben gewendet, hätte ich gehofft, doch ein klein wenig an die Simplicität und Naivetät der Alten erinnert zu werden; aber diese Schrift ist der Gipfel moderner Unform und Unnatur, man glaubt ein Gemengsel aus Woldemar, aus Sternbald, und aus einem frechen französischen Roman zu lesen.

Zum Aufsatz über den Dilettantism haben die Weimarischen Herren udn Damen gestern, wie ich höre, neuen Stoff dargereicht, da ein Privattheater dort eröffnet wurde. Man wird sich also wenig Freunde unter ihnen machen, aber die Jenenser können sich trösten, daß man eine gleiche Justiz ergehen läßt.

Von der Maria Stuart werden Sie nicht mehr als Einen Act fertig finden. Dieser Akt hat mir deßwegen viel Zeit gekostet und kostet mir noch acht Tage, weil ich den poetischen Kampf mit dem historischen Stoff darin bestehen mußte und Mühe brauchte der Phantasie eine Freiheit über die Geschichte zu verschaffen, indem ich zugleich von allem was diese Brauchbares hat Besitz zu nehmen suchte. Die folgenden Acte sollen, wie ich hoffe, schneller gehen, auch sind sie beträchtlich kleiner.

Sie brauchen also das Unglück aus Lobeda nicht? Desto schlimmer hätte ich bald gesagt. Mir ist bei dieser Nähe der betagten Freundin schlecht zu Muthe, da ich für alles was drückt und einengt gerade jetzt sehr empfindlich bin.

Beiliegendes Buch bitte ich an Vulpius abgeben zu lassen.

Leben Sie auf’s beste wohl.

Die Frau grüßt Sie. Den August haben wir gestern hier gehabt.

Sch.

H 630 | S 628 | B 631

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636. An Schiller

Weimar, den 17. Juli 1799

In dem Falle, in welchem ich mich gegenwärtig befinde, ist die Überzeugung das beste, daß das was gegenwärtig geschehen muß durch meine Gegenwart gefördert wird; und wäre es auch nur Täuschung daß ich hier nöthig bin, so ist auch schon mit dieser genug gewonnen. An alles Übrige, es sey poetisch oder literarisch, naturhistorisch oder philosophisch, wird nicht gedacht, meine Hoffnung steht auf den Anfang des Augusts, wo ich Sie wieder zu sehen gedenke. Bis dahin wird auch wohl meine Roßlaer Gutssache in Ordnung seyn, denn ich habe noch die Lehn zu empfangen und was dergleichen Dinge mehr sind.

Madame la Roche ist wirklich in Osmannstedt angekommen, und da ich mich gegenwärtig im Stande der Erniedrigung befinde, so brauche ich den Beistand der Unglücksburgemeisterin nicht, um diesem Besuch gehörig zu begegnen.

Übrigens ist, wie schon gesagt, nichts Neues, Erfreuliches und Seelenerquickliches vorgekommen, und ich bin genöthigt diesen Brief abermals zu schließen, ehe er noch etwas enthält.

Leben Sie recht wohl; halten Sie sich an Ihr Geschäft und bereiten mir dadurch einen schönen Empfang. Ihrer lieben Frau viele Grüße.

G.

H 629 | S 627 | B 630

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635. An Goethe

Jena, den 15. Juli 1799

Es waltet ein unholder Geist über Ihren guten Vorsätzen und Hoffnungen, für diesen Sommer, der sich, besonders nach der glücklichen Entledigung vom Musenalmanach, so gut anließ, und noch dazu läßt sich’s gewissen Leuten nicht einmal begreiflich machen, welches das Opfer ist das Sie bringen. Wenn Sie indessen nur gewiß in vierzehn Tagen loskommen und für eine längere Zeit, so ist noch immer Hoffnung, daß etwas Wesentliches noch geschehen kann.

Ihre lange Abwesenheit macht daß auch ich keine Anregung von außen erhalte und bloß in meinem Geschäft lebe. Mit den Philosophen, wie Sie wissen, kann man jetzt nur in der Karte spielen, und mit den Poeten, wie ich höre nur kegeln. Denn man sagt, daß Kotezbue, der aber jetzt abwesend ist, dieses einzige gesellschaftliche Vergnügen hier genossen habe.

Senden sie doch recht bald ein Exemplar der Propyläen nach Berlin, um dort, ehe es auf dem Weg des Buchhandels dorthin kommt, einen Rumor zu erregen. Man sollte wirklich suchen, Gegenschriften zu veranlassen, wenn sie nicht von selbst kommen; denn an der Schadenfreude faßt man die Menschen am sichersten. Es würde desßwegen auch nicht übel seyn, wenn man den Aufsatz vom Kunstsammler auch schon in der Anzeige, die man im Posselt davon macht, als etwas Polemisches darstellte.

Haben Sie denn über den Dilettantism indessen nicht weiter nachgedacht? Ich sehnte mich nach einer solchen Anregung und würde gern meine Gedanken dazu beisteuern, wenn ich den activen Zustand des gesammelten Materials vor Augen hätte. Wenn es abgeschrieben ist, und Sie es nicht brauchen, so senden Sie mir’s doch.

Sie werden vielleicht davon gehört haben, daß der hiesige Postverwalter Becker den Botenweibern ihr Postwesen legen will, und diese jetzt keine Pakete, bloß Briefe, die sich verbergen lassen, mitnehmen können. Wenn man ihnen doch ihr altes Gewerbe wieder herstellen könnte.

Dieser Becker ist ein miserabler Patron, und auch außer seinen Chikanen als Postmeister ein böses Mitglied des hiesigen gemeinen Wesens, da er allen Ordensunfug und andere Liederlichkeiten hegt.

Leben Sie recht wohl und lassen Sie uns diese paar Wochen vom Juli wo möglich noch etwas vom Dilettantismus in Ordnung bringen.

Die Frau grüßt auf’s beste.

Sch.

H 628 | S 626 | B 629

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634. An Schiller

Weimar, den 13. Juli 1799

Heute nur ein Wort, da es überhaupt in diesen Tagen wieder nur auf Zerstreuung angelegt ist. Durch das neue Verhältniß, in das wir gekommen sind, wird es nöthig den Schloßbau zu betreiben. Um den ersten Anstoß zu geben und alles nach der neuen, etwas eiligeren Mensur einzuleiten, werde ich doch noch immer acht bis vierzehn Tage nöthig haben und Sie also wohl vor Anfang Augusts nicht sehen. Auch heute sage ich nur ein flüchtiges Lebewohl, um das Paket fortzubringen.

G.

H 627 | S 625 | B 628

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