896. An Schiller

Weimar, am 13. Januar 1803

Gestern hörte ich, daß Sie die vorjährige Idee, eine Abendgesellschaft, Sonnabends nach der Komödie, einzuleiten wieder aufgenommen, und vergaß Sie darüber zu fragen.

Sagen Sie mir doch, wie weit Sie damit gekommen sind. Ich vernehme daß Durchlaucht der Herzog etwas Ähnliches vorhaben, und wünschte daß beide Plane sich begegneten und nicht aufhüben.

Wohl zu leben wünschend.

G.

H 879 | S 885 | B 889

895. An Schiller

Weimar, den 6. Januar 1803

Lassen Sie mich wissen wie es Ihnen geht? Mein einziger Trost ist der numismatische Talisman, der mich, auf eine bequeme und reizende Weise, in entfernte Gegenden und Zeiten führt. Sagen Sie mir, ob Sie etwa heute Abend mich besuchen mögen. Wollen Sie aber sich noch in der Stille verschlossen halten, so wünsche ich guten Erfolg.

G.

H 878 | S 884 | B 888

894. An Schiller

Weimar, den 26. December 1802

Mögen Sie heute Mittag mit mir, in Gesellschaft von Schelling und eines kaiserl. k. Bergraths von Podmanitzky aus Schemnitz speisen, so sende gegen Ein Uhr den Wagen.

G.

H 877 | S 883 | B 886

893. An Schiller

[Weimar, ]Den 19. December 1802

Bei uns geht es nicht gut, wie Sie mir vielleicht gestern in der Oper anmerkten. Der neue Gast wird wohl schwerlich lange verweilen und die Mutter, so gefaßt sie sonst ist, leidet an Körper und Gemüth. Sie empfiehlt sich Ihnen bestens und fühlt den Werth Ihres Antheils.

Heute Abend hoffe ich doch zu kommen um die Lücken meines Wesens durch die Gegenwart der Freunde auszufüllen.

G.

H 876 | S 882 | B 885

892. An Schiller

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Herzlich danke ich für den freundschaftlichen Anteil. Ein ganz kleines Mädchen ist bei uns glücklich angekommen. Bis jetzt geht alles gut. Die Kleine wird sich Ihres Andenkens recht erfreuen.

G.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 881 | B 884

891. An Goethe

[Weimar, den 16. Dezember 1802]

Ich erfahre soeben zufällig, daß man Ihnen zu einem angenehmen Ereignis im Hause Glück zu wünschen hat. Ich wünschte es vo ihnen bestätigt zu hören, denn ich hab mit herzlichem Anteil so wie auch meine Frau darauf gewartet, und es wird uns herzlich erfreuen, wenn alles glücklich gegangen und auch für die Zukunft zu hoffen ist. Empfehlen Sie mich der Kleinen recht freundlich und versichern sie meines besten Anteils.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 880 | B 883

890. An Schiller

Weimar, am 16. October 1802

Ich überschicke hier ein kleines Promemoria über meine neue Ausgabe des Cellini, zu gefälliger Durchsicht. Man könnte es an Cotta communiciren, zu Einleitung näherer Verhandlung, auch daraus, wenn man einig wäre, gleich eine Anzeige formiren. Vielleicht mögen Sie daß ich heute Abend nach der Komödie mit Ihnen nach Hause gehe, damit man sich näher bespräche. Morgen gehe ich vielleicht wieder nach Jena um noch einiger guten Tage zu genießen.

Der ich recht wohl zu leben wünsche.

G.

H 875 | S 879 | B 882

889. An Schiller

Weimar, den 15. September 1802

Zu der Deutschen Andria lege ich das erste Buch meines Cellini, mit Bitte gelegentlich einen Blick hineinzuthun, besonders etwa von vorn herein ein halb Dutzend Lagen zu lesen und zu beurtheilen ob das so gehen kann?

G.

H 874 | S 878 | B 880

888. An Goethe

Weimar, 18. August 1802

Sie können nie unthätig seyn, und was Sie eine unproductive Stimmung nennen, würden sich die meisten andern als eine vollkommen ausgefüllte Zeit anrechnen. Möchte nur irgend ein subalterner Genius, einer von denen die gerade auf Universitäten wohnen und walten, die letzte Hand an Ihre wissenschaftlichen Ideen thun, um sie zu sammeln, leidlich zu redigiren und so für die Welt zu erhalten. Denn Sie selbst werden dieses Geschäft leider immer in die Ferne schieben, weil Ihnen, däucht mir, das eigentlich Didaktische gar nicht in der Natur ist. Sie sind eigentlich recht dazu geeignet, um von andern bei Lebzeiten beerbt und ausgeplündert zu werden, wie Ihnen schon mehrmal widerfahren ist, und noch mehr widerfahren würde, wenn die Leute nur ihren Vortheil besser verständen.

Hätten wir uns ein halb Dutzend Jahre früher gekannt, so würde ich Zeit gehabt haben, mich Ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen zu bemächtigen; ich würde Ihre Neigung vielleicht unterhalten haben, diesen wichtigen Gegenständen die letzte Gestalt zu geben, und in jedem Fall würde ich ein redlicher Verwalter des Ihrigen gewesen seyn.

Ich habe in diesen Tagen einige Notizen über den ältern Plinius gelesen, die mich in Rücksicht auf das was der Mensch aus einer guten Anwendung seiner Zeit machen kann, in Erstaunen gesetzt haben. Gegen einen solchen Mann war selbst Haller noch ein Zeitverschwender. Aber ich fürchte, er hatte über dem ungeheuren Bücherlesen, Excerpiren und Dictiren zum freien Nachdenken nicht recht Zeit, und er scheint alle Thätigkeit des Geistes in das Lernen gesetzt zu haben, denn er nahm es seinem Neffen einmal sehr übel, da er ihn ohne ein Buch in der Hand im Garten auf und ab gehen sah.

Ich bin in diesen letzten Tagen nicht ohne Succeß mit meinem Stück beschäftigt gewesen, und ich habe noch bei keiner Arbeit so viel gelernt als bei dieser. Es ist ein Ganzes das ich leichter übersehe, und auch leichter regiere; auch ist es eine dankbarere und erfreulichere Aufgabe, einen einfachen Stoff reich und gehaltvoll zu machen, als einen zu reichen und zu breiten Gegenstand einzuschränken.

Sonst aber zerstreut mich jetzt manches, und da die politischen Dinge auch auf meinen Zustand einen Einfluß haben können, so sehe ich diesem Ziehungstag meines Looses nicht ohne Spannung entgegen. Es sind auch noch andere Dinge, die mich aus meiner alten Lage zu reißen drohen, und die mir deßwegen nicht erfreulich sind.

Meine Baureparaturen und sonstige Einrichtungen werden, wie ich hoffe, mit dieser Woche zu Ende gehen, und ich kann Sie bei Ihrer Zurückkunft in einem reinlichen und freundlichen Hause bewillkommen.

Leben sie recht wohl und lassen mich bald hören, daß Sie mit einer reichen Gabe zurückkehren.

Sch.

H 873 | S 877 | B 879

887. An Schiller

Jena, am 17. August 1802

Ob ich gleich von meinem hiesigen Aufenthalt wenig Productives rühmen kann und sonst eigentlich nicht wüßte warum ich hier seyn sollte, so will ich doch wieder von mir hören lassen und Ihnen im Allgemeinen sagen, wie es mit mir aussieht.

Heute bin ich 14 Tage da, und da ich auch sonst hier so viel Zeit brauchte, um mich in Positur zu setzen, so will ich sehen, ob von nun an die Thätigkeit gesegneter wird. Einige unangenehme äußere Vorfälle, die zufälligerweise auch auf mich stärker als unter andern Umständen einwirkten, haben mich auch hin und wieder retardirt. Selbst daß ich Morgens badete, war meinen Vorsätzen nicht günstig.

Hier haben Sie also die negative Seite. Dagegen habe ich einiges erfunden das auf die Zukunft etwas verspricht, besonders auch sind gewisse Betrachtungen und Erfahrungen im naturhistorischen Fache nicht unfruchtbar geblieben. Einige Lücken in der Lehre der Metamorphose der Insecten habe ich nach Wunsch ausgefüllt. Bei dieser Arbeit ist, wie Sie wissen, nur darum zu thun, daß die schon gefundnen Formeln anwendbarer werden und also gehaltvoller erscheinen, und daß man gedrängt werde neue Formeln zu erfinden, oder vielmehr die alten zu potentiiren. Vielleicht kann ich bald von beiden Operationen erfreuliche Beispiele geben.

Das Vorspiel habe ich nochmals durchgesehen und es an Cotta abgeschickt. Es mag nun auch in der weiten Welt grassiren.

Wegen des Honorars habe ich es in Suspenso gelassen und nur geäußert: daß ich von meiner Seite auf Sie zu compromittiren in jedem Falle gern gesinnt bin. Es kann ja ohnehin nur von etwas auf oder ab hier die Rede seyn.

Ich bin neugierig, ob Ihnen die Muse günstiger war, und ob sie mir vielleicht auch in diesen letzten Tagen noch etwas bescheren mag.

Die Erscheinung von einem friedlich Besitz nehmenden Herrn wird Ihnen einige Tage Unterhaltung geben. Was mich betrifft, so will ich wo möglich diese Expedition in der Stille abwarten und hinterdrein vernehmen wie es abgelaufen ist.

Leben Sie recht wohl. Sagen Sie mir ein Wort und trösten mich über meine lange Entfernung von Ihnen, welche nur durch eine bedeutende Fruchtbarkeit einigermaßen entschuldigt und entschädigt werden könnte.

G.

H 872 | S 874 | B 876