770. An Goethe

Ober-Weimar, den 17. August 1800

Ich habe gestern umsonst gehofft, Sie zu sehen. Ganz spät Abends war ich in der Stadt, weil meine Frau nicht wohl geworden, und bin gegen zehn Uhr wieder zurückgekommen.

Der tollste Zufall von der Welt muß mich hier einer Hochzeit, die vielleicht auf sechs Meilen die einzige in der Gegend ist, gegenüber logiren, gerade da ich aus der Stadt geflüchtet bin, um dem Geräusch zu entgehen. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, und selbst der Vormittag wurde mir verdorben, weil man unter Geschrei und Spässen die Aussteuer der Braut aufpackte. So verschwört sich alles gegen meinen Fleiß, und ich werde noch einige Zeit brauchen, fürchte ich, um im Gange zu seyn. Vielleicht fahren Sie diesen Abend bei mir an, ich werde wenigstens bereit seyn. Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 760 | S 761 | B 763

Keine Kommentare

769. An Goethe

[Oberweimar, den ]15. August 1800

Ich habe mich gestern Abend nach Ober-Weimar herausgemacht und genieße jetzt einen recht heitern Morgen. Doch fürchte ich, daß so lang die Hitze anhält, nicht viel geschehen wird, weil Geist und Körper ganz ermattet sind.

Vielleicht entschließen Sie sich heute Abend spazieren zu fahren und bei mir vorzusprechen. Auch bin ich neugierig zu erfahren, ob neue Concurrenzstücke eingesandt worden. Mein Bedienter geht gegen Ein Uhr mit meinem Mittagessen zurück, wenn Sie mir etwas wollen sagen lassen.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

H 759 | S 760 | B 762

Keine Kommentare

768. An Schiller

Weimar, den 12. August 1800

Wenn Sie heute mit zu Legationsrath Bertuch gehen wollen, so komme ich um Ein Uhr mit dem Wagen Sie abzuholen.

Hierbei folgt auch ein Exemplar meiner Gedichte, für Ihre liebe Frau; sie soll es aber nicht binden lassen, bis ich darüber gesprochen; denn die Runzeln im Wallenstein, welche Sie Herrn Frommann und seiner Maschine Schuld geben, kommen vom Binden her und lassen sich vermeiden wie ich angeben will.

Ich wünsche daß Sie sich heute besser als gestern befinden mögen, obgleich das Barometer noch immer zu meinen Gunsten steht.

G.

H 758 | S 760 | B 761

Keine Kommentare

767. An Goethe

[Weimar, den 2. August 1800]

Ich freue mich aus Ihrem Brief Ihre baldige Rückkunft zu vernehmen und wünsche Glück, daß Sie Ihre Zeit so gut angewandt haben, auch daß an den Faust gedacht worden ist. So verliere ich die Hoffnung nicht, daß diese Jahr noch ein großer Schritt darin geschehen wird.

Ich kann Ihnen dießmal nur einen kurzen Gruß sagen. Göpferdt sendet mir zwei Correcturen zu, die schnell expedirt seyn müssen, und ich bin gezwungen auf die Bibliothek zu gehen, um eine ganze Literatur zusammen zu suchen. Mein Stück führt mich in die Zeiten der Troubadours, und ich muß um in den rechten Ton zu kommen, auch mit den Minnesängern mich bekannter machen. Es ist an dem Plan dieser Tragödie noch gewaltig viel zu thun, aber ich habe große Freude daran, und hoffe, wenn ich mich bei dem Schema länger verweile, in der Ausführung alsdann desto freier fortschreiten zu können.

Der Gedanke wegen der Höllenbraut ist nicht übel und ich werde mir ihn gesagt seyn lassen.

Leben Sie also wohl bis auf Wiedersehen. Meine Frau grüßt Sie auf’s beste.

Sch.

H 757 | S 758 | B 760

Keine Kommentare

766. An Schiller

Jena, den 1. August 1800

Tancreden hab’ ich gestern früh schon bei Seite gelegt. Übersetzt, und hie und da ein wenig mehr, habe ich den Schluß vom zweiten Act, den dritten und vierten Act, ohne den Schluß von beiden. Dadurch habe ich mich, wie ich glaube, der edlern Eingeweide des Stücks versichert, denen ich nun noch einiges Belebende andichten muß, um dem Anfang und Ende etwas mehr Fülle als im Original zu geben. Die Chöre werden recht gut passen; allein dem ungeachtet werde ich mich sehr nüchtern verhalten, um nicht das Ganze zu zerstören. Es kann mich indessen auf dem Weg, auf dem wir sind, niemals reuen, dieses Unternehmen fortzuführen und durchzusetzen.

Gestern habe ich einiges Geschäftsähnliche besorgt und heute einen kleinen Knoten in Faust gelöst. Könnte ich von jetzt an noch vierzehn Tage hier bleiben, so sollte es damit ein ander Aussehen damit gewinnen; allein ich bilde mir leider ein, in Weimar nöthig zu seyn und opfere dieser Einbildung meinen lebhaftesten Wunsch auf.

Auch sonst sind diese Tage an mancherlei Gutem von außen nicht unfruchtbar gewesen. Wir haben lange auf eine Braut in Trauer gesonnen. Tieck in seinem poetischen Journal erinnert mich an ein altes Marionettenstück, das ich auch in meiner Jugend gesehen habe: die Höllenbraut genannt. Es ist ein Gegenstück zu Faust, oder vielmehr zu Don Juan. Ein äußerst eitles, liebloses Mädchen, das seine treuen Liebhaber zu Grunde richtet, sich aber einem wunderlichen unbekannten Bräutigam verschreibt, der sie denn zuletzt wie billig als Teufel abholt. Sollte hier nicht die Idee zur Braut in Trauer zu finden sein, wenigstens in der Gegend?

Von Baadern habe ich eine Schrift gelesen über das Pythagoräische Quadrat in der Natur, oder die vier Weltgegenden. Sei es nun daß ich seit einigen Jahren mit diesen Vorstellungsarten nicht mehr befreundet habe, oder daß er seine Intentionen uns näher zu bringen weiß, das Werklein hat mir wohl behagt und hat mir zu einer Einleitung in seine frühere Schrift gedient, in der ich freilich, auch noch jetzt, mit meinen Organen nicht alles zu packen weiß.

Ein Studirender der sich auf die Anatomie der Insecten legt, hat mir einige sehr hübsch zergliedert und demonstriert, wodurch ich denn auch in diesem Fache theils in der Kenntniß, theils in der Behandlung vorwärts gegangen bin.

Wenn man so einen jungen Mann nur ein Vierteljahr zweckmäßig beschäftigen könnte, so würde sich recht viel Erfreuliches neben einander stellen lassen. Indessen, wenn ich wieder herüber kommen kann, ehe die Verpuppungszeit gewisser Raupen eintritt, so will ich doch seine Thätigkeit und Geschicklichkeit zu benutzen suchen. Man könnte zwar leicht diese Dinge selbst machen, wenn es einen nur nicht sogleich mit Gewalt in ein abgelegnes Feld hinüber führte.

Montag werde ich wieder bei Ihnen seyn, wo ich manches sowohl schwarz auf weiß mitbringe, als zu erzählen habe. Leben Sie indessen wohl und fleißig und gedenken mein.

G.

H 756 | S 757 | B 759

Keine Kommentare