802. An Schiller

Weimar, den 9. Februar 1801

Halten Sie sich ja, daß dieser Sturm vorübergehe; freilich hätte ich gehofft Sie heute Abend in meiner Einsamkeit zu sehen. Arbeiten möcht’ und könnte ich wohl, besonders auch Ihnen zur Freude, wenn nicht mein zerrißner Zustand mir fast alle Hoffnungen und zugleich den Muth benähme.

Die Motive die Sie mir gestern erzählten habe ich weiter durchgedacht, und es scheint wohl daß ich sie auch nach meiner Art zu denken sämmtlich billigen werde; ich wünsche nun die Anlage des Stücks auch von vorn herein zu kennen.

G.

H 792 | S 792 | B 794

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801. An Goethe

[Weimar, den 9. Februar 1801]

Ich sage Ihnen schriftlich guten Abend, weil ich eines starken Schnupfens und einer schlecht zugebrachten Nacht wegen übel daran bin und mich zu Hause halten muß. Heute Nacht habe ich gefürchtet krank zu werden, weil ich Frost und Hitze spürte, bin aber doch den ganzen Tag von Fieberbewegungen frei und hoffe, daß es gar nichts auf sich hat.

Mögen Sie sich immer mehr und mehr erholen, und das Manuscript von Faust auf Ihrem Tische nicht müßig liegen!

Leben Sie recht wohl. Ich hoffe Sie morgen zu sehen.

Sch.

H 790 | S 791 | B 793

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800. An Schiller

Weimar, den 6. Februar 1801

Ein durchreisender Schauspieler soll heute Abend nach der Probe in einigen Scenen sein Talent zeigen, da man ihm keine Gastrolle zugestehen mag.

Wollten Sie wohl diesen Versuch mit ansehen, so schickte ich gegen 6 Uhr meinen Wagen, der alsdann dort warten, und Sie zu mir bringen kann.

G.

H 791 | S 790 | B 792

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799. An Schiller

Weimar, den 29. Januar 1801

Mögen Sie heute Abend nach der Probe, die doch vor acht Uhr geendigt seyn wird, mit uns eine kleine Abendmahlzeit einnehmen, so sollen Sie uns herzlich willkommen seyn. Götze kann im Theater auf Ihre Befehle warten und wenn der fünfte Act angegangen ist, Ihnen den Wagen holen. Wollen Sie auch hineinfahren, so geben Sie ihm deßhalb Ordre.

Mit mir geht es ganz leidlich; ich habe heute früh die Rolle mit der Caspers durchgegangen und bin mit dem guten Kinde recht wohl zufrieden.

Leben Sie recht wohl.

G.

H 789 | S 789 | B 791

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798. An Schiller

Weimar, den 30. Dezember 1800

Sie erhalten den Tancred, noch feucht vom Buchbinder; haben Sie die Güte ihn mit Aufmerksamkeit durchzulesen und sich ihn gleich auf unserm Theater zu denken.

Mögen Sie heute Abend ein gewöhnlich frugales Gastmahl, in der philosopisch-artistischen Gesellschaft einnehmen, so sollen Sie uns herzlich willkommen seyn. Wir können alsdann über das Stück weiter sprechen, dessen Rollen indessen abgeschrieben werden.

G.

H 788 | S 788 | B 790

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797. An Goethe

Weimar, den 24. Dezember 1800

Ich erwarte Sie und Ihre Arbeit mit großem Verlangen, und wünsche Ihnen Glück, daß Sie diese Besogne noch im alten Jahrhundert abthun konnten. Sie haben nun doch dieses verflossene Jahr sich im Dramatischen aller Art productiv gezeigt und können mit sich zufrieden seyn.

Hier erwartet Sie die Iphigenia, von der ich alles Gute hoffe; ich war bei der gestrigen Probe, es ist nur noch wenig zu thun. Die Musik ist so himmlisch, daß sie mich selbst in der Probe unter den Possen und Zerstreuungen der Sänger und Sängerinnen zu Thränen gerührt hat. Ich finde auch den dramatischen Gang des Stücks überaus verständig; übrigens bestätigt sich Ihre neuliche Bemerkung, daß der Anklang der Namen und Personen an die alte poetische Zeit unwiderstehlich ist.

Für die Ihrem Brief beigelegte Novität danke ich sehr. Sie hat mich sehr ergötzt, manche Bonmots sind trefflich; noch etwas größern Reichthum in Materien und auch in Formen hätte das Werk vertragen können; so wie es jetzt ist, übersieht man und erschöpft man es zu leicht, eine endlose unübersehbare Fülle von Witz und Bosheit sollte es enthalten. Hier habe ich noch nichts davon sprechen hören.

Burgsdorf ist hier durchgekommen und Sie haben ihn ohne Zweifel jetzt auch gesprochen, und sich von unsern Freunden in Paris erzählen lassen, die erst im Mai zu kommen gedenken.

Ich habe seit Ihrer Abwesenheit meine Tragödie auch um einige bedeutende Schritte vorwärts gebracht, doch liegt immer noch viel vor mir. Mit dem was jetzt in Ordnung gebracht ist bin ich sehr zufrieden und ich hoffe, es soll Ihren Beifall haben. Das historische ist überwunden, und doch, soviel ich urtheilen kann, in seinem möglichsten Umfang benutzt, die Motive sind alle poetisch und größtentheils von der naiven Gattung.

Diese Tage habe ich einen Roman der Madame Genlis gelesen und zu meiner großen Verwunderung eine große Geistesverwandtschaft zwischen ihr und unserm Hermes gefunden, so weit es bei dem großen Unterschied der Nation, des Geschlechts und des Standes möglich ist.

Leben Sie recht wohl und kehren recht wohl und vergnügt zu uns zurück.

Sch.

H 786 | S 787 | B 789

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796. An Schiller

Jena, den 22. Dezember 1800

Beiliegendes anmuthige Heft wird wohl bei Ihnen schon im Cours seyn, wo nicht, so halten Sie es noch einige Tage zurück, es ist nicht zu leugnen daß es brillante Partien hat.

Ich habe wenigstens noch drei Tage zu thun, um mit meinen Rittern fertig zu werden. Der tragische Jammer hat mir in diesen kurzen Tagen wirklich zugesetzt, ich wäre längst fertig und wieder bei Ihnen, wenn ich mich gegen Iffland nicht engagirt hätte. Denn immer gleich alles genau zu corrigiren, abschreiben zu lassen und wieder durchzusehen, das hält mich auf. Sie wissen ja wie ein solches Geschäft aussieht. Dagegen ist es wieder gut, wenn man einmal drin steckt, daß die Arbeit fertig wird, und wir brauchen sie doch auch zu Anfang des Jahrs. Eigentlich hatte ich doch zu lange gezaudert, und für einen Anlauf, nach meiner Art, war die noch übrige Arbeit zu groß. Man glaubt nicht, was für Fäden in so einem Dinge stecken, bis man sich selbst daran macht, sie wieder aufzudröseln.

Das wäre nun die Confession über die vergangenen acht Tage. Ich wünsche daß Sie mir auch manches und von besserer Art zu erzählen haben mögen.

Mein einsames Leben habe ich fortgesetzt, bin nur einmal an dem schönsten Tage spazieren gegangen; Friedrich Schlegel, Haarbauer und Niethammer haben mich besucht.

Schelling werde ich auf den Freitag mitbringen, um bei unserer Secularempirie einen tüchtigen Hinterhalt zu haben.

Übrigens habe ich sehr viel gelesen, um die langen Abende einigermaßen zu nutzen. Leben Sie recht wohl, mich verlangt bald wieder die langen Abende mit Ihnen zuzubringen.

G.

H 785 | S 786 | B 788

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795. An Goethe

[Weimar, den 18. Dezember 1800]

Der Herzog hat gegen mehrere vorgeschlagene secularische Festlichkeiten ganz neuerdings, wie mir berichtet wird, sein entschiedenes Mißfallen zu erkennen gegeben und unter andern dagegen angeführt, daß solche ohne Zuziehung der Theaterdirektion unternommen wären. Welche Bewandtniß es damit hat, wissen Sie. Unter diesen Umständen aber kann ich keinen Antrieb mehr haben, mich mit diesen Sachen zu beschäftigen, und ich überlasse es Ihnen also ganz, ob von Seiten der Theaterdirection mit Iffland oder Fleck etwas arrangirt werden soll. Ich selbst schreibe an Iffland, daß die projectirten Festivitäten nicht mehr statt habe, und daß er meine Insinuation als eine Privatsache ansehen möge.

Zugleich bitte ich Sie, unser nach Jena gesandtes Circulär dort von Lodern zurückzufordern und cassiren zu lassen.

Das Circulare wegen der Münze behielte aber seinen Gang. Unter diesen Umständen haben wir hier auch mit keinen Theaterarrangement zu eilen, und wir wollen in Gottes Namen uns in unser Poesien vergaben, und von innen zu produciren suchen, da uns die Production von außen so schlecht gelungen ist.

Sch.

H 780 | S 785 | B 787

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794. An Goethe

Weimar, den 17. Dezember 1800

Es ist recht günstig daß Sie von Berlin aus diesen Sporn erhalten den Tancred zu beschleunigen, er wird also gewiß zu rechter Zeit fertig und Sie werden damit zufriedne seyn. Ohne Zweifel senden Sie ihn actweise fort, weil er sonst doch nicht mehr könnte eingelernt werden.

Was Meyer und ich für die Iphigenia thun können, wollen wir recht gern thun, um Ihren Fleiß nicht zu unterbrechen. Wie ich aber höre, so wird Iphigenia auf den Sonnabend nicht gespielt werden, sondern Cosi fan tutte.

Ifflanden will ich schreiben, daß nunmehr die Zeit des Kommens von seiner Convenienz abhänge und daß er Ihnen und uns allen im Mai sehr willkommen seyn würde. Das jetzige Delabrement unsers Theaters, durch Graffs und Vohs Krankheit, würde ohnehin die Wahl mancher Stücke geniren, worin man Iffland gerne gesehen hätte.

Daß Sie unterdessen mit den Musen allein leben und die Philosophen verbannt haben, hören wir mit großem Vergnügen.

Ich selbst habe meine Zeit hier auch nicht verloren, und mich ruhig zu Hause gehalten und an mein Geschäft. Auch bin ich über einige schwere Partien, die ich hinter mir gelassen hatte, nun glücklich weg.

Leben Sie recht wohl, und erfahren bei dieser Gelegenheit, daß sich die poetische Muse im Nothfall auch commandiren läßt.

Sch.

H 784 | S 784 | B 786

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793. An Schiller

Jena, den 16. Dezember

In den ersten Tagen meines Hierseins erhielt ich, durch Kirms, die Nachricht daß Iffland meinen Tancred den 18ten Januar, zur Krönungsfeier, aufführen wolle. Ich habe ihm zwei Acte geschickt und denke den Überrest nachzusenden. Hätte er früher etwas von einer solchen Absicht merken lassen, so hätte man die Chöre hinzufügen und dadurch dem Stück mehr Leben und Masse geben können.

Mag es indessen gehen wie es kann; aber da ich auf diese Weise compromittirt bin, so muß ich wenigstens noch acht Tage hier bleiben um das Ganze fertig zu machen, denn absetzen darf ich gar nicht. Um nur das möglich zu machen was geschehen ist, habe ich in diesen Tagen meines Hierseyns die absolute Einsamkeit statuirt, keinen Philosophen noch Physiker, kurz, außer Lodern, gar niemand gesehen. Ich habe mich in dem romantisch tragischen Kreise gehalten, und das was ich mache, so wie das was ich gemacht habe, erscheint mir doch einigermaßen in einem günstigen Lichte, welches höchst nöthig ist, wenn man fertig werden will.

Da an Iffland, wie mir Kirms schreibt, noch nichts gegangen ist, so wäre mein Rath man suchte ihn auf den Mai zu bestimmen; denn ich weiß überhaupt nicht wie er, oder irgend ein bedeutender Berliner Schauspieler, im Januar kommen will, wenn sie den 18ten Januar auf das Krönungsfest entweder den Trancred, oder irgend ein bedeutendes Stück geben wollen. Erlauben Sie, daß der Hofkammerrath Kirms Sie deßhalb spreche; ich werde ihn dazu veranlassen.

Nun muß ich Sie aber inständig ersuchen mit Meyern, den ich recht sehr zu grüßen bitte, sich der Aufführung der Iphigenia anzunehmen. Auch wird Probe und Vorstellung immer genug Interesse für Sie haben, da das Stück doch ganz als lyrische Tragödie erscheint.

Weiter weiß ich nichts zu sagen und füge nur noch ein herzliches Lebewohl hinzu.

G.

H 783 | S 783 | B 785

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