880. An Schiller

Lauchstedt, am 28. Juni 1802

Den Hofkammerrath, der morgen früh abreist, kann ich nicht ohne ein Wort an Sie gehen lassen. Erzählen mag er Ihnen umständlich wie die Eröffnung abgelaufen; das Wetter begünstigte uns und das Vorspiel hat Glück gemacht. Der Schluß, ob er gleich besser seyn könnte, ist mir doch verhältnißmäßig zu dem Drang der Umstände, in welchem ich fertig werden mußte, leidlich gelungen. Hätte ich alles voraussehen können, so hätte ich Ihnen keine Ruhe gelassen, bis Sie mir das letzte Motiv ausgearbeitet hätten. Nun mag’s denn so hingehen.

Mit Wolf habe ich heute schon angefangen das Büchlein von den Farben durchzulesen und dadurch schon großen Vortheil und Sicherheit zur Ausarbeitung des Ganzen erlangt, und ich erwarte noch manches schöne Resultat von unsern Conferenzen. Nächstens mehr, wenn die Stunden ruhiger werden.

Die ganze jugendliche Welt wünscht und hofft Sie zu sehen, doch gestehe ich aufrichtig, daß ich keinen rechten Muth habe Sie einzuladen; seitdem ich kein eigentlich Geschäft mehr habe, weiß ich schon nicht recht, was ich anfangen soll.

Sie werden einen Schlüssel zu meinem Garten und Gartenhaus erhalten; machen Sie sich den Aufenthalt einigermaßen leidlich und genießen der Ruhe die in dem Thale herrscht. Vermuthlich werde ich mich bald nach Weimar zurückziehen, denn ein sonderlich Heil ist für uns nicht in der äußern Welt zu suchen, wo man überall nur gestückelt antrifft, was man schon ganz besitzt. Auf die Anschauung des Hallischen Zustandes will ich auch einige Tage wenden. Leben Sie recht wohl und gedenken mein. Ich wünsche zu hören, daß Ihnen gelungen ist etwas zu arbeiten.

G.

H 867 | S 869 | B 871

879. An Goethe

Weimar, den 24. Juni 1802

Da es sich nicht hat schicken wollen, daß ich mich selbst nach Lauchstedt aufmachte, so will ich Ihnen meine besten Wünsche zu dem vorhabenden Geschäft schriftlich übersenden, den Erfolg und verlauf hoffe ich blad möglichst von Ihnen zu erfahren. Möge mir während Ihrer Abwesenheit Apollo günstig seyn, daß ich zu der neuen Theaterepoche auch etwas Neues bringen kann. Es ist Zeit, daß mir auch wieder etwas gelingt, denn seit meiner Dresdner Reise hat es mir nicht glücken wollen mich zu fixiren und über einen Geist der Zerstreuung Herr zu werden, der sich meiner bemächtigt hat. Es ist zwar mancherlei gesammelt worden, aber es wartet noch auf eine glückliche Entladung.

Seien Sie thätig und heiter und lassen mich Theil nehmen an allem, was Sie Angenehmes erfahren.

Sch.

H 866 | S 868 | B 870

878. An Goethe

Weimar, den 12. Juni 1802

Ich erhalte einen Brief von Ihnen, indem ich Sie heute ganz zuversichtlich selbst erwartete, und mir diesen Abend das Vergnügen versprach, Ihre Arbeit vorlesen zu hören. Ich werde morgen um sechs Uhr Abends nicht fehlen und freue mich in gar vielen Rücksichten des glücklich vollbrachten Werks.

Bald hätte Beckers Krankheit die nächsten, ja vielleicht alle künftigen dramatischen Unternehmungen übel stören können; er ist noch jetzt sehr schlimm, und wenn es noch so glücklich geht, so wird in den nächsten acht Tagen schwerlich auf ihn zu rechnen seyn. Unter andern Umständen würde seine Rolle in Ihrem Stück wohl durch Ehlers oder einen andern zu besetzen gewesen seyn; da Sie aber gerade bei diesem Stück auf die Personalität des Schauspielers mit Rechnung gemacht haben, so könnte doch etwas dadurch verloren gehen, wenn ein anderer die Rolle spielt.

Ich sehne mich sehr nach einem ruhigen Aufenthalt, denn bei mir geht es jetzt sehr lärmend zu, da oben und unten gehämmert wird, und der Boden zittert, ganz buchstäblich genommen, unter meinen Füßen. Auch habe ich mich diese Woche gar nicht wohl und leider in einer recht misanthropischen Laune befunden, die aber leider zu pathologisch passiv war, um den Schwung des Ewigen Zorns zu erreichen.

Leben Sie recht wohl und kommen mit schönen Gaben zurück.

Sch.

H 865 | S 867 | B 869

877. An Schiller

[Jena], den 11. Juni 1802

Meine Arbeit hat gut gefördert, ob sie gleich viel weitläufiger geworden ist, als ich gedacht habe.

Einige Motive gegen das Ende sind noch auszuführen, übrigens ist alle schon in’s Reine und in die Rollen geschrieben.

Sonntag Abend hoffe ich Ihnen es vorzulesen, versagen Sie sich nicht; denn Montag muß ich Leseprobe halten. Freilich wenn man die Arbeit könnte vierzehn Tage liegen lassen, so ließe sich noch manches daran thun. Ich konnte freilich nicht alle Motive egal ausführen. Ich werde über zwanzig Auftritte bekommen, worunter sehr kleine sind; doch sieht man daraus wenigstens das mannigfaltige Hin- und Wiederrennen der Personen und auch die Mannigfaltigkeit der Motive, da sie nicht ohne Noth kommen und gehen. Leben sie recht wohl; ich kann wohl sagen daß ich diese Arbeit und desto freierem Muth unternommen habe, da Sie die Idee und Anlage zu billigen schienen.

G.

H 864 | S 866 | B 868

876. An Goethe

Weimar, den 9. Juni 1802.

Ich gratulire zu der glücklichen Entbindung des Werks und freue mich auf die Mittheilung desselben. Sie sehen bei dieser Gelegenheit, wie viel die Nothwendigkeit bei Ihnen vermag, und sollten dieses Mittel auch bei andern Werken anwenden, es würde sich gewiß eben so gut bewähren.

Bei mir ist in diesen Tagen nicht viel gefördert worden, ich selbst war unpäßlich und bin es noch, meine Kinder befanden sich auch nicht wohl. Bei dem besten Willen und Trieb werde ich jetzt gar oft in meiner Thätigkeit gehindert.

Ich lege das Blatt von Zelters Aufsatz bei, das sich bei mir noch gefunden hat.

Leben Sie recht wohl und kehren Sie mit schönen Früchten zu uns zurück.

Sch.

H 863 | S 865 | B 876

875. An Schiller

Jena, den 8. Juni 1802

Die Gelegenheit der abgehenden Boten kann ich nicht versäumen und melde mit wenig Worten daß meine Arbeit gut von statten geht. Ich habe das ganze Opus von vorn bis hinten durch dictirt, und bin nun daran ihm mehr Gleichheit in der Ausführung zu geben. Ich muß mich durchaus an die Prosa halten, obgleich der Gegenstand durch Abwechselung der prosaischen und metrischen Formen sehr gewinnen könnte, und ich hoffe mit meinem Paket Sonnabends anzulangen und Sonntags Leseprobe zu halten. Auf alle Fälle wird die Darstellung den Charakter des Inpromptu haben wobei sie nur gewinnen kann. Übrigens verfluche und verwünsche ich das ganze Geschäft in allen seinen alten und neuen Theilen und Gliedern, und werde mir’s zur Ehre rechnen, wenn man meiner Arbeit den bewußten und beliebten Zorn nicht ansieht. Leben Sie recht wohl, thätig, vergnügt und glücklich.

G.

H 862 | S 864 | B 866

874. An Schiller

Weimar, am 17. Mai 1802

Indem ich um den Alarkos bitte, sende ich zugleich einige Curiosa.

Mögen Sie heute Abend zu einem fernern Colloquio zu mir kommen, so werden Sie mir viel Vergnügen machen indem ich noch einiges vorzutragen habe.

Morgen zu Mittag wünschte ich auch Ihre Gegenwart; Sie werden noch das geheime Concilium finden.

G.

H 861 | S 863 | B 865

873. An Goethe

Weimar, den 12. Mai 1802

Die Vorstellung der Iphigenie auf den Sonnabend wird keine Schwierigkeit haben, obgleich uns der Titus gestern und heut das Theater wegnahm. Morgen und übermorgen aber werden die Theaterproben mit Ernst vorgenommen werden, und ich hoffe, daß Sie über Ihr Werk nicht erschrecken sollen. Wohl glaube ich, daß die sinnliche Erscheinung dieses Stücks manche vergangene Zustände in Ihnen erwecken wird, sowohl in Formen und Farben Ihres eignen Gemüths, als auch der Welt, mit der Sie sich damals zusammen fühlten, und in letzterer Rücksicht wird es mehreren hiesigen Freunden und Freundinnen merkwürdig seyn.

Mit dem Alarkos wollen wir es also auf jede Gefahr wagen und uns selbst wenigstens dadurch belehren. Ich will es unsern Schauspielern möglichst an’s Herz legen, das Beste daran zu wenden. Der C. K. habe ich das Stück lesen lassen, aus Neugierde wie ein solches Product auf einen solchen Sinn wirken würde. Aber es sind närrische Dinge dabei zum Vorschein gekommen, und ich werde mich hüten, eine solche Probe zu wiederholen. Es ist sonderbar, was für Säfte gewisse Thiere aus gewissen Pflanzen ziehen, und die K. gehört auch zu den Lesern, die glauben ein poetisches Werk, das man ihnen vorsetzt, verspeisen zu müssen anstatt es anzuschauen. Sie meint für den Verfasser der Lucinde, an der sie ein großes Wohlgefallen zu haben schien, sey dieser Alarkos ein sehr religiöses Product. Die passionirteste Natur in dem Stück, die Infantin, fand sie abscheulich und unmoralisch, gerade gegen meine Erwartung; aber es scheint daß die gleichnamigten Pole sich überall abstoßen müssen.

Cotta kam vorigen Sonnabend hier durch; er hofft Sie, bei seiner Zurückkunft welche nächsten Sonnabend über vierzehn Tage seyn wird, hier zu finden. Mir trug er auf, Sie zu bitten, daß Sie ihm erlauben möchten Mahomed und Tancred in Schwaben zu drucken. Gädike hat ihna uf eine undankbare Art sitzen lassen. Den Druck wolle er ganz nach Ihrer Vorschrift einrichten und die strengste Correctur beobachten lassen.

Er ließ mir beigeschlossenen Aufsatz von dem Architekt Weinbrenner für Sie zurück. Der Verfasser wünschte Ihre Mitwirkung bei dem Vorschlage den er darin thut.

Die ersten Zeiten meiner hiesigen Ortveränderung sind mir durch manches verbittert worden, besonders aber durch die Nachricht von dem schweren Krankenlager und Tod meiner Mutter in Schwaben. Aus einem Brief den ich vor einigen Tagen erhielt, erfuhr ich, daß an demselben Tag wo ich mein neues Haus bezog, die Mutter starb. Man kann sich nicht erwehren, von einer solchen Verflechtung der Schicksale schmerzlich angegriffen zu werden.

Leben Sie recht wohl und freuen sich Ihrer wohlgelungenen Geschäfte. Das Geld das Sie so gütig waren mir vorzuschießen, liegt parat und ich erwarte nun Ihre Befehle darüber. Wenn es Sie nicht belästigt, so wollte ich Sie bitten, sich von Niethammer eine Note darüber geben zu lassen, was ich ihm für meine und der Herzogin Bücher, die in der Eckart’schen Auction erstanden wurden, zu bezahlen habe, so wollte ich dann beide Schuldposten auf einmal tilgen, und erwarte nun Ihre Anweisung darüber.

Mit dem Athenor sind Sie mir nur einen Tag zuvorgekommen, denn auch ich habe dieses schreckliche Product erhalten und hatte es schon für Sie beiseit gelegt. Ich lege hier ein anderes bei, das nicht viel erfreulicher ist, besonders die Vorrede.

Leben sie recht wohl.

Elise Bürger werden sie nun wohl selbst gehört haben?

Sch.

H 860 | S 862 | B 864

872. An Schiller

Jena, den 11. Mai 1802

Ob noch Sonnabend den fünfzehnten Iphigenie wird seyn können, hoffe ich durch Ihre Güte morgen zu erfahren, und werde alsdann eintreffen, um an Ihrer Seite einen der wunderbarsten Effecte zu erwarten, die ich in meinem Leben gehabt habe: die unmittelbare Gegenwart eines, für mich, mehr als vergangenen Zustandes.

Mit meinem hiesigen Aufenthalt bin ich recht wohl zufrieden. Das Geschäft ist weiter gediehen als ich hoffte, obgleich, wenn man strenge will, noch wenig geschehen ist. Wenn man aber denkt, daß man in solchem Falle eigentlich nur auf Execution liegt und vom handwerksmäßigsten bis zum literarischen Mitarbeiter jeder bestimmt, geleitet, angestoßen, rectificirt und wieder ermuntert seyn will, so ist man zufrieden, wenn man nur einigermaßen vorrückt.

Der Bibliothekssecretär Vulpius hat sich musterhaft gezeigt, er hat, in dreizehen Tagen, 2134 Stück Zettel geschrieben, das heißt Büchertitel, auf einzelne Zettel, ausgeschrieben. Überhaupt sind vier Personen etwa mit 6000 Zetteln in dieser Zeit fertig geworden, wo man ohngefähr sieht was zu thun ist.

Diese Büchermasse war die ungeordnete nachgelassene, und nun kommen wir auch an die schon stehende, ältere. Indessen muß das Ganze doch oberflächlich auf einen wirken, und es ist wie eine Art von Bad, ein schwereres Element, in dem man sich bewegt, und in dem man sich leichter fühlt, weil man getragen wird.

Ich habe in dieser Zeit manches gelernt und einiges gethan. Könnte ich Sie und Meyern, über den andern Abend, mit meinem Neugefundenen unterhalten und dagegen wieder von dem Ihrigen einnehmen, so wüßte ich mir nichts Besseres. Vielleicht wird aber für uns alle dieses dreiwöchentlich Zusammengedrängte nur desto erfreulicher.

Leben Sie recht wohl und sagen mir von sich nur wenige Worte, durch den Boten.

G.

H 859 | S 861 | B 863

871. An Schiller

Jena, am 9. Mai 1802

Ich wünsche daß beikommender Band Sie nicht schon von einer andern Seite her heimgesucht habe, damit Sie diese gereimte Tollhausproduction zuerst als ein Curiosissimum, durch meine Hand, erhalten. So einen, auf der äußern Form des Nächstvergangenen sich herumdrehenden Wahnsinn habe ich doch noch nicht gesehen. Doch wer will ein Wort für so eine Erscheinung finden.

Ihre Sorgfalt für die Iphigenia danke ich Ihnen zum allerbesten. Künftigen Sonnabend werde ich am Schauspielhause anfahren, wie ein anderer Jenenser auch, und hoffe Sie in Ihrer Loge zu treffen.

Über den Alarkos bin ich völlig Ihrer Meinung; allein mich dünkt, wir müssen alles wagen, weil am Gelingen oder nicht Gelingen nach außen gar nichts liegt. Was wir dabei gewinnen scheint mir hauptsächlich das zu seyn, daß wir diese äußerst obligaten Sylbenmaße sprechen lassen und sprechen hören. Übrigens kann man auf das stoffartige Interesse doch auch etwas rechnen.

Im Ganzen geht es mir hier sehr gut, und es würde noch besser gehen und werden, wenn ich meinen Aufenthalt noch einige Wochen hinausdehnen könnte.

Leben Sie recht wohl, richten Sie sich immer besser ein und gedenken unser.

G.

H 858 | S 860 | B 862

Erster Absatz bei S und B als PS