603. An Goethe

[Jena, den 2. April]

Ihre Sendung überrascht mich sehr angenehm, ich will den Gesang mit aller Aufmerksamkeit lesen und studiren.

Wallensteins Lager soll heut Abend verabfolgt werden. Ich hoffe Sie bald zu sehen und Ihnen meine Empfindungen über das gelesene mitzutheilen.

Sch.

H 595 | S 593 | B 596

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602. An Schiller

Jena, den 2. April 1799

Ich schicke hier den ersten Gesang, indem ich eine kleine Pause machen will, um mich der Motive die nun zunächst zu bearbeiten sind specieller zu versichern; ich schicke das Manuscript, damit Sie es selbst lesen und ihm schärfer in’s Auge sehen. Ich habe den besten Muth zu dieser Arbeit und ersuche Sie um fortdauernden Beistand.

G.

Wallensteins Lager möchte ich heute gern nach Weimar schicken.

H 594 | S 592 | B 595

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601. An Schiller

[Jena, den] 26. März 1799

Heute früh bin ich bis zur Rede der Minerva gelangt, und weil diese eigentlich den Abschnitt eröffnet, so bin ich geneigt Ihnen meine bisherige Arbeit heute vorzulegen. Ich will um halb ein Uhr kommen, noch vor Tische lesen und nach Tische der Botenexpedition wegen mich wieder empfehlen, und frage an ob Ihnen diese Einrichtung angenehm sey?

Leben Sie recht wohl. Auf Wiedersehn an dem Ufer des Hellesponts.

G.

H 593 | S 591 | B 594

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600. An Schiller

Weimar, den 20. März 1799

Wir haben uns diese Tage noch viel vom Wallenstein unterhalten; Professor Meyer hat ihn auch gelesen und sich sehr daran ergötzt.

Wenn Sie etwas Neues vornehmen und zu einem selbsterfundenen Gegenstande Lust haben, so kann ich es nicht tadeln, vielmehr lehrt die Erfahrung, daß Sie sich bei einer freieren Arbeit ungleich besser befinden werden. Mich verlangt sehr zu hören wohin gegenwärtig Ihre Neigung gerichtet ist.

Von dem Imhofischen Gedicht hat mir Meyer viel Gutes gesagt. Es soll mir recht lieb seyn, wenn unsere Frauenzimmer, die so ein hübsches Talent haben, auch wirklich avanciren.

Morgen früh gehe ich bei Zeiten ab und bin zu Mittag schon bei Ihnen und will alle meine diätetischen Kräfte zusammennehmen und dießmal etwas zu liefern. Können sie sich nun auch zu einer neuen Arbeit entschließen, die ganz aus Ihnen herauskommt und so auch Ihren Neigungen wie Ihrem Talent angemessen ist, so sind wir auf den Sommer geborgen.

Das Kästchen ist glücklich angelangt. Grüßen Sie Ihre liebe Frau. Es ist mir dießmal ganz eigens wohl daß ich mit Ihnen bald wieder auf die vorbeifließende Mühllache hinaussehen soll.

G.

H 592 | S 590 | B 593

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599. An Goethe

Jena, den 19. März 1799

Ich habe mich schon lange vor dem Augenblick gefürchtet, den ich so sehr wünschte, meines Werks los zu seyn; und in der That befinde ich mich bei meiner jetzigen Freiheit schlimmer als der bisherigen Sclaverei. Die Masse, die mich bisher anzog und fest hielt, ist nun auf einmal weg, und mir dünkt, als wenn ich bestimmungslos im luftleeren Raume hinge. Zugleich ist mir als wenn es absolut unmöglich wäre, daß ich wieder etwas hervorbringen könnte; ich werde nicht eher ruhig seyn, bis ich meine Gedanken wieder auf einen bestimmten Stoff mit Hoffnung und Neigung gerichtet sehe. Habe ich wieder eine Bestimmung, so werde ich diese Unruhe los seyn, die mich jetzt auch von kleineren Unternehmungen abzieht. Ich werde Ihnen, wenn Sie hier sind, einige tragische Stoffe, von freier Erfindung, vorlegen, um nicht in der ersten Instanz, in dem Gegenstande, einen Mißgriff zu thun. Neigung und Bedürfniß ziehen mich zu einem frei phantasirten, nicht historischen, und zu einem bloß leidenschaftlichen und menschlichen Stoff; denn Soldaten, Helden und Herrscher habe ich vor jetzt herzlich satt.

Wie beneide ich Sie um Ihre jetzige nächste Thätigkeit! Sie stehen auf dem reinsten und höchsten poetischen Boden, in der schönsten Welt bestimmter Gestalten, wo alles gemacht ist und alles wieder zu machen ist. Sie wohnen gleichsam im Hause der Poesie, wo Sie von Göttern bedient werden. Ich habe in diesen Tagen wieder den Homer vorgehabt und den Besuch der Thetis beim Vulkan mit unendlichem Vergnügen gelesen. In der anmuthigen Schilderung eines Hausbesuchs, wie man ihn alle Tage erfahren kann, in der Beschreibung eines handwerksmäßigen Geschäfts ist ein Unendliches in Stoff und Form enthalten, und das Naive hat den ganzen Gehalt des Göttlichen.

Daß Sie schon im Herbst die Achilleis zu vollenden hoffen, es doch wenigstens für möglich halten, ist mir bei aller Überzeugung von Ihrer raschen Ausführungsweise, davon ich selbst Zeuge war, doch etwas Unbegreifliches, besonders da Sie den April nicht einmal zu Ihrer Arbeit rechnen. In der That beklage ich’s, daß Sie diesen Monat verlieren sollen; vielleicht bleiben Sie aber in der epischen Stimmung und alsdann lassen Sie sich ja durch die Theatersorgen nicht stören. Was ich Ihnen in Absicht auf den Wallenstein dabei an Last abnehmen kann, werde ich ohnehin mit Vergnügen thun.

Dieser Tage hat mir die Imhof die zwei letzten Gesänge ihres Gedichts geschickt, die mir sehr große Freude gemacht haben. Es ist überaus zart und rein entwickelt, mit einfachen Mitteln und ungemeiner Anmuthigkeit. Wenn Sie kommen, wollen wir es zusammen besprechen.

Hier sende ich die Piccolomini’s zurück und bitte mir dafür Wallensteins Lager aus, das ich auch noch abschreiben lassen will und dann die drei Stücke zusammen endlich an Körnern senden.

Der Kasten mit Gries ist von einem Herrn Meier in Ihrem Namen abgefordert und ihm überliefert worden. Sie haben ihn doch erhalten?

Leben Sie recht wohl. Meine Frau grüßt schönstens. Morgen hoffe ich zu hören, daß wir Sie Donnerstags erwarten können.

Sch.

H 591 | S 589 | B 592

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598. An Schiller

[Weimar, den 18. März 1799]

Zu dem vollendeten Werke wünsche ich von Herzen Glück; es hat mir ganz besonders genug gethan, ob ich es gleich an einem bösen zerstreuten Morgen nur gleichsam obenhin gekostet habe. Für den theatralischen Effect ist es hinreichend ausgestattet; die neuen Motive die ich noch nicht kannte, sind sehr schön und zweckmäßig.

Können Sie künftig den Piccolomini’s etwas von der Masse abnehmen so sind beide Stücke ein unschätzbares Geschenk für die deutsche Bühne, und man muß sie durch lange Jahre aufführen.

Freilich hat das letzte Stück den großen Vorzug, daß alles aufhört politisch zu seyn und bloß menschlich wird; ja das Historische selbst ist nur ein leichter Schleier wodurch das rein menschliche durchblickt. Die Wirkung auf’s Gemüth wird nicht gehindert noch gestört.

Mit dem Monolog der Prinzessin würde ich auf alle Fälle den Act schließen. Wie sie fortkommt, bleibt immer der Phantasie überlassen. Vielleicht wäre es in der Folge gut wenn der Stallmeister schon im ersten Stücke eingeführt würde.

Der Schluß des Ganzen durch die Adresse des Briefs erschreckt eigentlich, besonders in der weichen Stimmung in der man sich befindet. Der Fall ist auch wohl einzig, daß man, nachdem alles was Furcht und Mitleiden zu erregen fähig ist, erschöpft war, mit Schrecken schließen konnte.

Ich sage nichts weiter und freue mich nur auf den Zusammengenuß dieses Werks. Donnerstag hoffe ich noch abzugehen. Mittwoch Abend erfahren Sie die Gewißheit, wir wollen alsdann das Stück zusammen lesen, und ich will mich in gehöriger Fassung daran erfreuen.

Leben Sie recht wohl, ruhen Sie nun aus und lassen Sie uns auf die Feiertage beiderseits ein neues Leben beginnen. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und gedenken mein.

Über die den Musen abgetrotzte Arbeit will ich noch nicht triumphiren, es ist noch die große Frage, ob sie etwas taugt; auf alle Fälle mag sie als Vorbereitung gelten.

G.

H 590 | S 588 | B 591

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597. An Goethe

Jena, den 17. März 1799

Hier erfolgt nun das Werk, so weit es unter den gegenwärtigen Umständen gebracht werden konnte. Es kann ihm in einzelnen Theilen noch vielleicht an bestimmter Ausführung fehlen, aber für den theatralisch-tragischen Zweck scheint es mir ausgeführt genug. Wenn Sie davon urtheilen, daß es nun wirklich eine Tragödie ist, daß die Hauptforderungen der Empfindung erfüllt, die Hauptfragen des Verstandes und der Neugierde befriedigt, die Schicksale aufgelöst und die Einheit der Haupt-Empfindung erhalten sey, so will ich höchlich zufrieden seyn.

Ich will es auf Ihre Entscheidung ankommen lassen, ob der vierte Act mit dem Monolog der Thekla schließen soll, welches mir das liebste wäre, oder ob die völlige Auflösung dieser Episode noch die zwei kleinen Scenen, welche nachfolgen, nothwendig macht. Haben Sie die Güte, das Manuscript so zeitig zu expediren, daß ich es spätestens morgen, Montag, Abends um sieben Uhr wieder in Händen habe, und lassen auf das Couvert schreiben, wann der Bote expedirt worden.

Alles Übrige mündlich. Herzlich gratulire ich zu den Progressen in der Achilleis, die doppelt wünschenswerth sind, da Sie dabei zugleich die Erfahrung machten, wie viel Sie durch Ihren Vorsatz über Ihre Stimmung vermögen.

Die Frau grüßt auf’s beste. Wir erwarten Sie auf die Feiertage mit großem Verlangen.

Sonntag Abends.

Sch.

H 589 | S 587 | B 590

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596. An Schiller

Weimar, den 16. März 1799

Recht herzlich gratulire zum Tode des theatralischen Helden! Könnte ich doch meinen epischen vor eintretendem Herbste auch das Lebenslicht ausblasen. Mit Verlangen erwarte ich die montägige Sendung und richte mich ein den grünen Donnerstag zu Ihnen zu kommen. Wenn wir alsdann auch nur acht Tage zusammen zubringen, so werden wir schon um ein gutes Theil weiter seyn. Den April müssen wir auf die Vorstellung von Wallenstein und auf die Gegenwart der Madame Unzelmann rechnen. Es wäre daher gut wenn wir den Wallenstein möglichst beschleunigen, um sowohl durch diese Tragödie als durch diese artige kleine Frau eine Folge von interessanten Vorstellungen zu geben, und die Fremden festzuhalten die sich allenfalls einfinden könnten. Leben Sie recht wohl. Von der Achilleis sind schon fünf Gesänge motivirt und von dem ersten 180 Hexameter geschrieben. Durch eine ganz besondere Resolution und Diät habe ich es gezwungen, und da es mit dem Anfange gelungen ist, so kann man für die Fortsetzung nicht bange seyn. Wenn Sie uns nur bei den Propyläen beistehen, so soll es dieses Jahr an mancherlei Gutem nicht fehlen.

G.

H 588 | S 586 | B 589

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595. An Goethe

Jena, den 15. März 1799

Ich schreibe nur eine Zeile um zu bestätigen, was ich neulich versprach. Montags erhalten Sie den Wallenstein ganz. Todt ist er schon und auch parentirt, ich habe nur noch zu bessern und zu feilen.

Kommen Sie ja auf die Feiertage. Das wird mir jetzt nach dieser lastvollen Woche eine rechte Erquickung seyn.

Die Frau grüßt. Leben Sie bestens wohl.

Sch.

H 587 | S 585 | B 588

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594. An Schiller

Weimar, den 13. März 1799

Es wird sehr erfreulich seyn, wenn, indem Sie Ihren Wallenstein endigen, ich den Muth in mir fühle, ein neues Werk zu unternehmen. Ich wünsche daß der Montag mir die drei letzten Acte bringen möge. Ich habe die zwei ersten bisher in mir walten lassen und finde noch immer daß Sie sich gut darstellen. Wenn man im Piccolomini beschaut und Antheil nimmt, so wird man hier unwiderstehlich fortgerissen.

Wenn ich es möglich machen kann so bringe ich die Feiertage bei Ihnen zu, besonders wenn das Wetter schön bleibt. Lassen Sie den Kasten mit Gries so lange bei sich stehen, bis ich ihn abhole, abholen lasse, oder Sie Gelegenheit finden.

Haben Sie die Güte mir die Quittung über die Medaillen für den Herzog zu schicken, und ich will alsdann alles zusammen berichtigen.

Leben Sie recht wohl, ich sage weiter nichts, denn ich müßte von meinen Göttern und Helden reden und ich mag nicht voreilig seyn. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und sagen mir nur den Sonnabend ein Wort wie es mit der Arbeit steht.

G.

H 586 | S 584 | B 587

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